Zeit für deutliche Maßnahmen: Eine Studie zeigt, dass viele Firmen bisher mit Kündigungen zögern. Doch die Gangart wird härter.
Die Personaler sind vorsichtig geworden. Sie wissen, dass in Zukunft ein Fachkräftemangel droht und agieren daher in der aktuellen Krise sensibler als nach dem Platzen des Internet-Hypes vor acht Jahren. Anstatt Mitarbeiter zu entlassen, strecken sie die vorhandene Arbeit - etwa über Kurzarbeit, den Abbau von Arbeitszeitkonten und Überstunden oder die Verlängerung der Elternzeit. "Die Unternehmen bewältigen den Spagat zwischen akutem Handeln und perspektivischem Denken", lobt Professor Jutta Rump, Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability an der Fachhochschule Ludwigshafen.
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Firmen müssen sparen - das wird sich 2010 verstärkt auf den Arbeitsmarkt auswirken. (© Foto: ddp)
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Wissen ist wichtig
Anhaltspunkte hierfür entnimmt die Wissenschaftlerin einer Befragung von etwa 2000 Personalverantwortlichen aus Unternehmen aller Größenordnungen. Sowohl im Mai als auch im November und Dezember des vergangenen Jahres hatte sich das Institut nach Personalmaßnahmen erkundigt, die von den Befragten als "wichtig" eingestuft und auch bereits durchgeführt wurden. In beiden Umfragen maßen die Personaler den Handlungsfeldern "Qualifizierung der Mitarbeiter" sowie "Kommunikation und Verhalten" die höchste Bedeutung bei. "Die Bedeutung der Ressource Wissen und Fachkräfte scheint auch außerhalb der Personalabteilung wahrgenommen zu werden", interpretiert Rump, "sowohl in Fachabteilungen als auch in der Unternehmensleitung."
Dennoch untermauert die Studie die Befürchtung, dass die Krise in diesem Jahr die Arbeitnehmer stärker treffen wird als 2009. "Die Unternehmen agieren zwar weiterhin sehr vorsichtig und umsichtig", so Rump, "dennoch hat es erhebliche Veränderungen in der Prioritätenliste gegeben: Härtere Maßnahmen gewinnen an Bedeutung." Im Vergleich zur Mai-Umfrage seien die Handlungsfelder "Veränderung des Arbeitsortes" und "Reduktion des Personalbestandes" wesentlich häufiger genannt worden.
Keine "exotischen Maßnahmen"
Wichtiger sei heute auch die Bedeutung variabler Gehaltsstrukturen. Kaum erwähnt würden hingegen "exotische" Maßnahmen, wie zum Beispiel strategische Allianzen zwischen den Betrieben, um Mitarbeiter auszutauschen, oder der zeitweilige Verzicht der Beschäftigten auf Gehalt in Form von Darlehen an den Betrieb. Die Schlussfolgerung der Personalwissenschaftlerin: "Die Unternehmen ziehen sich auf das Bekannte und vermeintlich Sichere zurück."
Dazu gehören fortgesetzte Sparmaßnahmen bei der betrieblichen Weiterbildung. So steigt der Anteil der Inhouse-Qualifizierung gegenüber der Entsendung der Mitarbeiter an externe Trainingsinstitute weiter an. Obwohl 96,8 Prozent der befragten Unternehmen der Weiterbildung einen hohen Stellenwert zumessen, ist Rump davon überzeugt, dass "Training off the job" in Zukunft nicht mehr tragfähig sein wird. Die Vermittlung notwendiger fachlicher und persönlicher Kenntnisse und Fähigkeiten werde zunehmend im Betrieb stattfinden.
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(SZ vom 20.02.2010/holz)
Debatte über Urheberrecht
So,so. Im Medienbereich werden kontinuierlich Fachkräfte trotz starker Gewinne herausbefördert, und das nicht nur bei Springer ;)
(www.kress.de und mal stöbern)
"Die Unternehmen bewältigen den Spagat zwischen akutem Handeln und perspektivischem Denken"
Sehr geehrte Frau Professor Rump,
was Personaler in Befragungen äußern, steht meistens auf dem Blatt "eigner Idealismus" und "Aussendarstellung des Unternehmens".
In der Realität muß der von Ihnen angesprochene Spagat in aller Regel von den Arbeitnehmern bewältigt werden. Die bekommen nämlich die Rechnung in Form von kaschierten Zwangsversetzungen, Lohneinbußen, Mehrarbeit ohne Lohnausgleich dafür präsentiert, dass das Management eben zu diesem dringend erforderlichen perspektivischen Denken ausserhalb der Renditeerwartungen nicht in der Lage ist.
Gehen Sie doch bitte einmal auf die websites der von Ihnen angesprochenen Firmen und lesen Sie sich dort in die Quartalsberichte und Jahresbilanzen ein. Besonders unter dem Stichpunkt "Gesamtpersonal" oder "head counts" sind viele interessante Veränderungen zu eruieren, z.B. der ständig wachsende Prozentanteil von Mitarbeitern im Ausland, wie dieser bei Verlagerung von regulären Jobs in die Billiglohnländer entsteht.
Und diese Entwicklung hat nicht erst mit der gegenwärtigen Krise begonnen, sondern ist lediglich die ungenierte Fortführung unter derem Deckmäntelchen.
Mit freundlichen Grüßen
beinhaltet im kapitalistischsten Sinne die Kunst der Reduktion von Personal. Das klingt nach Guido Palin und riecht nach Henkel und Hundt (ungewaschen!).
Weiter so - wir kriegen die Demokratie schon durch den Kapitalismus ersetzt, solidarisches Miteinander war gestern und bleibt eine romantische Erinnerung für die Menschen gestorben sind (rev. 1848, Sozialistengesetze u.ä.).
Da ist die Vergangeheitsrendite wohl zu gering.
"...kassiert letztendlich nichts anderes als Subventionen und vergrößert seinen Gewinn."
___________
Die Grauzone ist riesig, und das Arbeitsamt nickt ab.
"Anstatt Mitarbeiter zu entlassen, strecken sie die vorhandene Arbeit - etwa über Kurzarbeit, ..."
Glauben Sie diesen Quatsch wirklich?
Wer die Möglichkeit hat, Kurzarbeit zu beantragen, gleichzeitig sein Personal voll arbeiten lässt ohne Kontrollen fürchten zu müssen (Zeit- u. Personalmangel bei den Behörden), kassiert letztendlich nichts anderes als Subventionen und vergrößert seinen Gewinn.
Blöd ist derjenige, der diese Lücke zum schnellen Geld nicht nutzt!