Kreatives Arbeiten Gute Ideen auf Knopfdruck

Wenn der Kopf nicht so will, wie es der Job erfordert: Im Büro müssen wir ständig mit kreativen Ideen glänzen, neue Konzepte entwickeln und überraschende Gedanken haben. Das ist ermüdend - aber es lässt sich trainieren.

Wenn der Kopf nicht so schnell denken kann, wie der Job das erfordert: Originelle Ideen kommen nicht auf Knopfdruck. Doch Kreative Köpfe sind heute überall gefragt. Das gilt nicht nur in Designerbüros. Selbst in Amtsstuben sind Mitarbeiter gefordert, in unerwarteten Situationen zu improvisieren und kreativ zu werden. Fällt im Finanzamt zum Beispiel das Computersystem aus, gibt es schließlich keine Lösung nach Schema F. Dann sind auch unkonventionelle Ideen willkommen

Um sie zu entwickeln, muss man nicht als genialer Ideengeber geboren sein. Denn kreatives Arbeiten ist keine Zauberei. "Früher dachte man: Es gibt die Genies, und es gibt die anderen", sagt Professor Horst Geschka von der Gesellschaft für Kreativität in Mainz. Das sei heute aber überholt. Die Fähigkeit, bei Problemen querzudenken und sich neue und nützliche Lösungen einfallen zu lassen, sei vielmehr trainierbar.

"Jeder kann kreativ sein", meint auch die Psychologin Jennifer Gunkel von der Technischen Universität München. Ob jemand im Beruf vor Ideen sprüht oder nicht, sei nicht nur eine Charakterfrage. Es hänge vielmehr von den Arbeitsbedingungen ab. Denn damit sich die Kreativität entfalten kann, müssten Arbeitnehmer genug Freiräume haben, erläutert Gunkel, die zum Thema Kreativität forscht. Eine fehlende Kreativkultur in Unternehmen hemme Geistesblitze und innovative Gedanken. "Ich muss das Gefühl haben, dass neue Ideen willkommen sind."

Auch sei es wichtig, dass im Team oder der Abteilung ein offener Umgang herrscht: "Es muss klar sein, dass ich etwas äußern darf, ohne dass meine Idee gleich runtergemacht wird." Das ist längst nicht in allen Betrieben so, wie eine Umfrage der Firma Iqudo in Stuttgart unter 534 Männern und Frauen ergeben hat. Jeder Siebte (14,5 Prozent) gibt an, von ihm werde nicht gefordert, bei der Arbeit kreativ zu sein. Auch ein passendes Umfeld fehlt offensichtlich häufig: Nur 6,4 Prozent bekommen gute Ideen im Büro. Die meisten (47,9 Prozent) haben Geistesblitze eher beim Erholen, also etwa auf der Couch oder in der Badewanne. Und knapp jeder Vierte (24,1 Prozent) hat beim Sport die besten Einfälle.

"Das ist ein typisches Phänomen", sagt Prof. Geschka. "Wir quälen uns am Schreibtisch, und uns fällt nichts ein. Und dann, wenn wir am Wochenende joggen oder grillen, kommt uns die zündende Idee." Manchmal könne es daher helfen, bei Denkblockaden die Umgebung zu wechseln: Eventuell bringe es einen schon auf andere Gedanken, sich einen Kaffee in der Betriebsküche zu holen.

Der Chef müsse Mitarbeitern außerdem gestatten, selbstständig zu arbeiten, sagt Gunkel. Eigenverantwortung fördere die Kreativität. Dazu gehört, Entscheidungen treffen und Prozesse mitgestalten zu dürfen. Beim Arbeiten nach der Fließbandmethode, bei der jeder nur vorgegebene Handgriffe ausführt, sei nur wenig Kreativität möglich.

Auch Zeitdruck ist laut Gunkel ein Kreativitätskiller: Wer ständig mit Blick auf die Uhr arbeitet, könne nicht offen für alternative Ideen sein. Fehlende zeitliche Vorgaben hemmten innovatives Denken im Job aber ebenfalls. Denn bei einer Aufgabe mit offenem Ende fangen Mitarbeiter womöglich gar nicht erst an, neue Lösungswege zu suchen - es hat ja noch Zeit.

Am besten wirke sich ein Mittelweg bei der Zeitplanung auf die Kreativität der Mitarbeiter aus, sagt Gunkel. Das bedeutet: Für das Erledigen von Aufgaben sollte es zeitliche Grenzen geben, aber keinen extremen Termindruck.

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