Annekatrin Michler hilft Menschen im Büro, die passende Rolle im Leben und im Beruf zu finden. Und sie weiß, warum manchmal nur ungewöhnliche Wege zum Ziel führen.
Reden lernt man durch reden, sagt der Römer Cicero. Die Sächsin Annekatrin Michler sagt das auch. Und sie versteht sich mittlerweile darauf. Michler hat, um es in ihrer Mundart zu sagen, eine immens flotte und ausdauernde "Gusche". Wer den Versuch startet, mit ihr zu sprechen, bekommt wenig Chancen. Michler redet, redet, redet. Sie ist Kommunikationstrainerin und -beraterin, Kabarettistin, Spontanschauspielerin, Business Coach, Mediatorin, Sachverständige für das Glück.
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Erst Versicherungsmaklerin, dann Büttenrednerin: Die Sächsin Annekatrin Michler lehrt in Seminaren, sich klarer und entspannter mitzuteilen, deutlich "ja" zu einer neuen Aufgabe zu sagen. (© Foto: oH)
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Nur eine Lachnummer ist sie nicht. Die studierte Kulturwissenschaftlerin aus Leipzig hilft Bedrängten wie vermeintlich Etablierten, die zu ihnen passende Rolle im Beruf und im Leben zu finden. Und das nach allen Regeln der Kunst: In Theatershows und mittels humorvoller Szenen klärt Michler darüber auf, wie Mann oder Frau sich selber besser erfassen können.
Man erfährt, was einen im Alltäglichen genau immer dann überrumpelt, wenn man sich nicht überrumpeln lassen will. In Seminaren lernen die Teilnehmer, sich klarer und entspannter mitzuteilen, deutlich "ja" zu einer neuen Aufgabe zu sagen oder eben auch kraftvoll und ohne Nebenwirkungen Grenzen zu setzen. In Workshops wiederum üben sich Führungskräfte im Rollenwechsel, um so mehr Einfühlungsvermögen zu erlangen oder einfach nur die Lust auf neue Strategien wiederzuentdecken.
Sie selbst, das findet Michler jedenfalls, hat ihre Rolle damit gefunden. Auf Umwegen freilich und nicht sofort. Ins Berufsleben gestartet ist die gebürtige Leipzigerin, die nun bald 50 wird, als Facharbeiterin für Keramiktechnik. Später studierte sie in ihrer Heimatstadt Kulturwissenschaft. Nach Abschluss des Studiums kümmerte sich Michler in Leipzig im Auftrag des Rates der Stadt um die Volkskunst in der Sachsenmetropole. "Ich war Ende der achtziger Jahre für sämtliche Chöre, Blasmusikorchester und Amateurtheater Leipzigs zuständig", erinnert sie sich. "Das hat mir damals viel Freude gemacht." Mit der politischen Wende war es vorbei - mit der Freude und der Arbeit.
"Das mussten wir Ossis ja alles neu lernen"
Michler musste sich neu orientieren und fand sich bald in der über den Osten Deutschlands hereinbrechenden Versicherungswirtschaft wieder. Ihre Erinnerungen daran sind gespalten. "Einerseits", sagt Michler, sei die Ausbildung zur Versicherungsmaklerin eine gute Schule für sie gewesen. Ökonomischen Sachverstand, sicheres Auftreten und überzeugendes Argumentieren sowie ein bisschen von der Kunst der Körpersprache habe sie damals vermittelt bekommen. "Gerade das mussten wir Ossis ja alles neu lernen", sagt sie. "Schon in der Körperhaltung haben doch viele von uns den Verlierer signalisiert."
Ihren neuen Job fand Michler allerdings bald "widerlich", wie sie freimütig bekennt. Leuten Versicherungen zu verkaufen, auch solche, die keiner braucht, sei ein anrüchiges Geschäft, sagt sie. "Ich war dafür einfach nicht skrupellos genug." Folglich hat die Jung-Maklerin damit auch nicht viel Geld verdient und sich nach einem Nebenverdienst umgeschaut. "Auf den Mund gefallen war ich schon damals nicht", sagt sie. So hat sie 1995 als Büttenrednerin angefangen und schnell Spaß damit gehabt.
Heerschar von Glückspropheten
Eine Heerschar von selbsternannten Erfolgstrainern, Glückspropheten und Kommunikationsberatern hat dieses Land inzwischen. Einige von ihnen schaffen es auf die große Bühne und verdienen mit ihren bisweilen ganz eigenen und amüsanten Auftritten viel Geld. Michlers Profession aber ist anders.
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