Von Von Christine Burtscheidt

Münchner Hochschulen bieten gute Bedingungen - doch Bayern müsste noch mehr tun.

Wenn der Bund deutsche Elite-Universitäten will, glaubt Bayern natürlich, es dürfe sich nicht lumpen lassen. Eine Kommission unter der Leitung des Konstanzer Philosophen Jürgen Mittelstraß hatte den Auftrag, die Hochschulen des Freistaats zu beurteilen. Sie kommt nun zu dem Schluss, dass es vier Universitäten gibt, die aus dem Mittelmaß herausragen: die beiden Münchner, die Erlanger und die Würzburger. Überraschend ist das Ergebnis nicht. Leistungsvergleiche der Deutschen Forschungsgemeinschaft ordnen das Quartett längst unter die Top Ten bundesweit ein.

Anzeige

Und das Rezept, das die Kommission den Hochschulen verordnet, damit sie künftig in der Welt-Liga spielt, ist nicht neu: mehr Geld und moderne Wissenschaftsstrukturen. Deutsche Universitäten - das zeigt sich damit wieder einmal - leiden eben unter einer Finanz- und einer Strukturkrise.

Beschauliches Forscherleben

Die Schuld daran tragen Staat und Hochschulen. So müssen die Professoren endlich Mut zur Veränderung zeigen. Daran fehlt es auch in München, dem Standort, dem die Kommission die größten Entwicklungs-Chancen einräumt. Doch ausgerechnet hier herrscht Stillstand. Ein Grund mag sein, dass die Stadt den Ruf des deutschen Wissenschafts-Dorados genießt - Konkurrent ist bestenfalls Berlin.

München bietet ein beschauliches Forscherleben am Alpenrand unter noch akzeptablen Bedingungen. Wer hier einen Lehrstuhl hat, bleibt bis zur Emeritierung, was den Reformdrang nicht gerade beflügelt. Lähmend wirkt sich auch der seit Jahren schwelende Konflikt der beiden Münchner Universitäten aus. Besonders die Hochschulleitungen beargwöhnen sich gegenseitig und trachten eher nach den Besitzständen des anderen, statt sich gemeinsame Strategien im härter werdenden internationalen Wettbewerb zu überlegen. Ein Lenkungsausschuss soll nun zwischen beiden großen Universitäten vermitteln helfen. Das wird auch nötig sein. Denn die Widerstände gegen die von der Kommission vorgeschlagene Strukturreform werden immens sein. Zwar wird von einer Fusion beider Einrichtungen abgesehen. Doch sollen fach- und hochschulübergreifende Zentren und Schulen bis hin zu Zusammenschlüssen von Fächern wie in der Medizin entstehen - das wird am bisherigen Selbstverständnis der Unis rütteln.

Mittelstraß verlangt einen tiefgreifenden Umbau, der über die Vorschläge der Hochschulen hinausreicht. Was aber muss der Staat beitragen? Ein Vergleich mit europäischen Spitzenunis zeigt: Die bayerischen Hochschulen verfügen bestenfalls über halb so viel Geld.

Ministerpräsident Edmund Stoiber muss also den Wissenschafts-Etat kräftig aufstocken. Bei seinem momentanen Sparwahn dürfte das aber schwierig werden.

Auch raten die Experten zu mehr Hochschul-Autonomie. Das wird im Freistaat noch zu einem Kräftemessen zwischen Staat und Hochschulen führen. Denn so sehr Bayern sich im Bund zum Verfechter des Föderalismus aufschwingt, zuhause läuft vieles streng zentralistisch.

Leser empfehlen 

(SZ vom 6.4.2005)