Von Von Jeanne Rubner

Deutschland hat noch immer nicht die richtigen Lehren aus den Pisa-Studien gezogen. Über die Unkultur des Misstrauens und der Verantwortungslosigkeit.

Neue Lehrer braucht das Land, mehr Abiturienten und besseren Unterricht: Was so aktuell klingt, schrieb der Pädagoge Georg Picht angesichts eines dramatischen Mangels an Studenten schon 1964 - und rief so den ersten Bildungsnotstand aus. Der zweite kam 2001 mit der Pisa-Schulstudie.

Erst der Streit um die Bildung, dann die Lethargie: Schülerin beim Lesen, wo Deutschland nur Rang 20 einnimmt. (© Foto: ddp)

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Inzwischen sind die Schüler erneut getestet, und diesmal gehören sie zum internationalen Mittelmaß, statt unter dem Durchschnitt zu liegen wie noch vor drei Jahren. Ist das eine gute oder schlechte Nachricht? Sind Deutschlands Schulen besser geworden? Oder aber haben die Kultusminister erneut versagt?

Weder noch. Die gute Nachricht ist, dass Deutschland auf der Pisa-Leiter nicht noch weiter abgerutscht ist, sondern, zumindest in einigen Bereichen, seinen Platz verbessern konnte.

Beschämend

Lob dafür gebührt freilich nicht den Kultusministern, denn so schnell können Reformen gar nicht wirken. Vielmehr waren manche Schwächen schon vor Pisa bekannt, einiges wurde dagegen unternommen.

Die schlechte Nachricht: Wir bleiben Mittelmaß. Die Bundesrepublik steht schlechter da als fast alle Industrienationen - das muss weiterhin beschämen.

Zu lange hat Deutschland die Symptome der schon von Picht diagnostizierten Schulkrankheit ignoriert. Sein Appell führte wohl dazu, dass mehr Lehrer eingestellt wurden und mehr Kinder das Gymnasium besuchten. Doch am Ende stand ein verbissener ideologischer Streit um die Gesamtschule, befeuert durch die Bildungshoheit der Länder, die sich bekriegten.

Gewonnen hat den Kampf letztlich niemand. Die Gesamtschule geriet in die Krise, weil sie sich in Konkurrenz zum Gymnasium nicht behaupten konnte und außerdem falsche Schwerpunkte im Unterricht setzte.

Auch das dreigliedrige System krankt daran, dass es Schüler nach unten durchreicht, statt sie besser zu fördern. Das aber kann sich eine Gesellschaft mit immer weniger Kindern und einem steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Menschen nicht leisten.

Nach dem Streit, der sich jetzt zu wiederholen droht, folgten Jahre der Lethargie, während andere Länder ihre Schulen modernisierten. Deutschland, benebelt durch eine Mischung aus Arroganz und Ignoranz, ließ sein Bildungssystem verwahrlosen.

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