Kolumne "Was ich am Job hasse" Grauen am Montagmorgen

Zumindest der Ohrwurm ist fröhlich: Monday, Monday, düdüüü, dü, düdü ...

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

Es gibt angenehmere Arbeitstage in der Woche als den Montag. Zum Beispiel Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Oder Freitag. Es wird Zeit, etwas gegen den Blues zum Wochenbeginn zu tun.

Kolumne von Katja Schnitzler

Montag ist, wenn ich denke, ich habe einen Kater, ohne getrunken zu haben. Wenn mein Hirn noch schläft, obwohl mein Körper schon in der U-Bahn sitzt. Wenn Angela Merkel ein lebendigeres Mienenspiel hat als ich. Montag ist, wenn ich mich älter fühle als ich vielleicht jemals sein werde.

Es geht ja schon mit dem Weckerklingeln los. Der läutet auch am Freitag viel zu früh, dann tut es aber weniger weh. Ein Montag bedeutet Schmerz und Überwindung. Zum einen ist da der Abschied vom Wochenende mit all seinen Möglichkeiten. Zum anderen die Mühsal, sich überhaupt zu erheben. Oder zu bewegen. Oder zu denken. Man weiß ja, was kommt.

Beim Blick aus dem Fenster warten genau zwei Optionen: Entweder verhöhnt der Montagmorgen einen mit dem strahlend schönen Wetter, das man am Samstag und Sonntag vermisst hat. Oder er fährt alles auf, was er an Sturm, Hagel und Graupelschauern zu bieten hat.

Auf dem Weg zur Arbeit dann sehen die Menschen so blass und unausgeschlafen aus, wie sie sich fühlen. Wäre der Montag ein Mensch, würde er betont fröhlich zu jeder vollen Stunde ausrufen: "Wer feiert, kann auch arbeiten!" Nein, auch als Mensch wäre der Montag nicht beliebt.

Wieder hat man nichts gemacht aus dem kostbaren Wochenende

Es gibt aber jemanden, der sich freut, dass die Woche beginnt: Der Kollege, der am Wochenende immer so wahnsinnig spannende Abenteuer erlebt, dass er kaum erwarten kann, von ihnen zu berichten. Auf dem Flur. In der Kaffeeküche. In der Kantine. Im Aufzug. Vor der Konferenz. Nach der Konferenz. In der Putzkammer, in der man sich vor ihm sicher wähnte.

Es ist nicht so, dass seine Geschichten langweilig wären, im Gegenteil: Sie führen nur vor Augen, was man selbst wieder nicht aus den zwei kostbarsten Tagen der Woche gemacht hat. Und nun ist Montag und die Chance auf ein wenig Aufregung im steten Fluss des Lebens schon wieder vorbei.

Apropos vorbei: Manche wünschen sich ja, dass die Arbeitswoche genauso schnell vorübergehen möge wie das beschleunigt verfliegende Wochenende. Bei einem kleinen, prokrastinativen Abschweifen in die Sozialen Medien wird man aber eines Besseren belehrt: "Leute", beginnt ein Post typisch jovial, "das ist Eure Lebenszeit! Soll sie wirklich schneller ablaufen, nur damit Wochenende ist?" Ganz kurz bin ich geneigt - aber nur weil Montag ist - diese rhetorische Frage mit Ja zu beantworten.

Mit Lichtwecker und Schirm gegen das Grauen

Vielleicht probiere ich nächste Woche mal das, was Psychologen als Umwidmung oder Reframing bezeichnen, und alle anderen unter dem Namen Schönreden kennen: Statt Trübsal zu blasen, rückt man das Negative - also den Montag - in ein milderes Licht.

Also bitte: Ich werde einen Lichtwecker anschaffen, um am Montagmorgen nicht mehr akustisch aus den Träumen geprügelt zu werden. Ich verzichte auf fünf Minuten kostbarste Schlafenszeit, um dem Wochenstart nicht mehr ohne Koffein entgegentreten zu müssen. Ich kaufe den buntesten Regenschirm in den sonnigsten Farben. Und ich verabrede mich schon am Freitag für den Montagabend. Fürs Kino zum Beispiel, um dort gleich den Film zu sehen, von dem der Kollege am Mittag schwärmen wird.

Wäre doch gelacht, wenn der Montag so nicht eine zarte Aura von Donnerstag erhielte. Und wenn der Montag weiter den Miesepeter der Woche gibt?

Dann fordere ich die Vier-Tage Woche.

Guten Morgen, Dienstag!

Grüß mich!

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