Kolumne "Was ich am Job hasse" Konferenz der Alphatiere

Bla und blubb: Manche Konferenzen dauern eine gefühlte Ewigkeit.

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

In Meetings reden viele mit, ohne etwas zu sagen zu haben - schließlich wollen sie Karriere machen.

Kolumne von Katja Schnitzler

Bei vielen Konferenzen ist schon nach fünf Minuten klar: Es wurde alles gesagt. Leider ist das für den Diskussionsleiter kein Grund, das Meeting zu einem würdigen Ende zu bringen. Schließlich sind noch Teilnehmer willens, das bereits Gesagte in eigenen Worten zu wiederholen. Manche formulieren es nicht einmal um. Die schweigende Mehrheit wünscht ihnen währenddessen nichts Gutes, mindestens Halsschmerzen mit dem Verlust der Stimme.

Nehmen wir an, es geht bei diesem Meeting um die Wurst. "Ach, ich dachte um Käse", flüstert mir Kollegin B. zu. Sie könnte jetzt - da völlig unvorbereitet - aufstehen und gehen. Sie könnte sitzen bleiben und schweigen. Doch sie spricht.

Diesen acht Kollegen begegnen Sie in jedem Meeting

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Es geht nicht mehr ums Thema, sondern um die Karriere

Die Wortbeiträge sind substanzloser geworden, seit der Tipp eines Coaches per Flurfunk die Runde gemacht hat: Wer Karriere machen will, redet auch dann, wenn er nichts zu sagen hat. Wer schweigt, wird im besten Fall übersehen und im schlechtesten als zu inkompetent eingeschätzt, um den Mund aufzumachen.

Also geht es dank der Karrieristen selbst im alltäglichsten Meeting nicht mehr ums Thema, sondern um das eigene Vorankommen: Bald, so träumen die ehrgeizigen Kollegen, werden sie selbst diese Konferenzen leiten. Vor lauter Tagträumen verpassen sie beinahe die entscheidenden Sätze mit der Essenz: "Die Wurst, die hat zwei Enden." Geschafft, denkt sich die ungeduldige Mehrheit und rutscht bis zur Stuhlkante vor. Sie ist bereit, aufzuspringen und zu ihrer eigentlichen Arbeit zurückzukehren. Zu früh gefreut.

"Bleibt noch eine Frage zu klären", erhebt Kollege G. die Stimme. Er spricht in Konferenzen stets eine Oktave tiefer in der Hoffnung, besonders souverän zu klingen. Das wirkt ein wenig verkrampft.

Zu klären sei noch, so brummt er, von welchem Ende der Wurst selbige zu betrachten sei: "Wo ist da unser Standpunkt?" Die schweigende Mehrheit sinkt seufzend in die Stühle zurück und widmet sich in Gedanken dem hartnäckigen Ohrwurm, den Wochenendplänen, formuliert Geschäftsmails vor und überlegt, was sie alles erledigen könnte, hätte die Konferenz an dieser Stelle geendet.

"Gehen wir vielleicht die ganze Zeit von einer falschen Annahme aus?"

"Aber", ruft Kollegin J., die immer ihren Senf dazugibt, "sollten wir nicht besser die Enden von der Wurstmitte aus betrachten? Um beide Seiten im Blick zu haben?" Die Augen der noch wachen Konferenzteilnehmer fixieren Kollege G.: Wird er seinen Wortbeitrag verteidigen?

G. räuspert sich, um krächzfrei brummen zu können: "Von einem Ende sehen wir die ganze Wurst bis zum anderen Ende." Kollege W. schnellt vor: "Wirklich wichtig ist doch: Wir dürfen die Enden nie aus dem Blick verlieren!" Drei Konferenzteilnehmer werden ob der Lautstärke aus dem Stand-by-Modus gerissen.

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Auch Kollegin Y fährt auf, endlich ist ihr ein Beitrag eingefallen, wenn auch kein konstruktiver: "Wie gesichert ist denn die Erkenntnis, dass eine Wurst nur zwei Enden hat? Gehen wir vielleicht die ganze Zeit von einer falschen Annahme aus?" Leise prustendes Lachen aus der linken hinteren Ecke, Aufstöhnen bei den Auf-die-Uhr-Schauern, genervter Finger-Trommelwirbel und Stühlerutschen bei der innerlich aufjaulenden Mehrheit. Ich umklammere die Armlehnen. Hoffentlich mischt sich jetzt nicht auch noch Kollege T. ein, Meister der Komplikation, bitte nicht, bitte ...

Kollege T. spricht.

"Was wir hier noch gar nicht bedacht haben: Wie viele Enden haben Wurstketten?" Ich schlage meine Stirn im Rhythmus der Silben auf den Konferenztisch. Kollege T. missversteht das als beifälliges Klopfen und legt nach: "Wir kommen nicht voran, solange nicht alle Fakten bekannt sind!"

Nach eineinhalb Stunden wird das Meeting vertagt, für das eine halbe Stunde angesetzt worden war. Man treffe sich morgen wieder und bis dahin sei zu klären, mit wie vielen Wurstenden wir es zu tun haben.

Am nächsten Tag teilt mir Kollegin B. kurz vor dem Meeting stolz mit, was sie herausgefunden hat: "Ein Käsestück hat sechs Ecken. Bei Weichkäse." Ich muss weinen.

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