Kolumne "Was ich am Job hasse" Haben Sie mich gerade beleidigt?

Verständigungsprobleme im Job: Was meint der Kollege, wenn er spricht?

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

Wenn Menschen aus verschiedenen Abteilungen kommunizieren müssen, stellt sich oft der Hä-Effekt ein. Wovon redet der Kollege eigentlich? Und war das eben nicht unverschämt?

Von Katja Schnitzler

In der Arbeit gibt es bisweilen einen Aha-Effekt: Wenn die Kollegin F. erklärt, wie mit einem Klick fünf Minuten Arbeit gespart werden können. Oder der Flurfunk rauscht, wie viele Feierabend-Biere mit dem Chef es den gerade aufgestiegenen Kollegen Z. gekostet hat, um sich auf seinen jetzigen Posten hochzutrinken.

Es gibt aber auch den Hä-Effekt, der mindestens ebenso häufig vorkommt. Es ist bekannt, dass wir Menschen uns seit dem Scheitern des Mega-Bauprojekts - Babylon, nicht BER - nicht mehr wirklich gut verstehen. Aus Team-Playern wurden Einzelkämpfer, die noch dazu unterschiedliche Sprachen sprechen. Wer nun einwendet: Wieso, bei uns im Betrieb reden fast alle Deutsch, hat nichts verstanden. Oder sich noch nie mit jemandem aus einer anderen Abteilung unterhalten. Oder es versucht.

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Nehmen wir zum Beispiel Techniker, in diesem Fall IT-Spezialisten: Diese leiten Gespräche mit Laien über PC-Probleme stets mit demselben Satz ein: "Haben Sie den Computer schon mal aus- und wieder eingeschaltet?" So weit kann der Laie folgen und fühlt sich dabei halbwegs kompetent. Noch. Wahrscheinlich stellen die Techniker diese Frage nur deshalb, um wenigstens am Anfang durchzudringen. Schließlich weiß inzwischen der größte Computer-Depp, dass sich viele PC-Beschwerden lösen lassen, indem man den Strom entzieht.

Oder doch ein beherzter Wurf aus dem Fenster?

Im weiteren Gesprächsverlauf könnten sich die IT-Experten aber genauso gut vertrauensvoll an die nächste Wand wenden. Diese versteht ebenso viel wie der Computer-Laie, stellt aber weniger nervige Rückfragen. Der Laie hingegen blickt zum Fenster und überlegt ernsthaft, ob ein beherzter Wurf des zickenden Computers nicht eine sinnvolle Alternative zu dieser Beratung wäre.

Denn nach der täuschend harmonischen Einstiegsfrage wird der zarte Gesprächsfaden zerrupft, aufgedröselt und in verschiedene Richtungen gezerrt, ohne dass es Techniker und Laien wollen: Sie reden aneinander vorbei, selbst wenn sie von denselben Dingen sprechen, oder dies zumindest annehmen.

Wir würden solch einen zweiseitigen Monolog der Irrtümer an dieser Stelle gerne wiedergeben, haben aber nicht genug verstanden, um mitzuschreiben.

Nach spätestens fünf, oft schon nach drei Minuten kommen die meisten an diesen Punkt: Während der eine rätselt, ob "der Typ am anderen Ende der langen Leitung" von Venus, Mars oder aus einem anderen Sonnensystem stammt, fragt sich der andere: Hat der mich gerade beleidigt?

Ein unschöner Hä-Effekt, der zu innerbetrieblichen sozialen Gräben und Verwerfungen führen und nur durch eines abgemildert werden kann - gnadenlose Offenheit: "Tut mir leid, ich verstehe schon seit fünf Minuten nichts mehr. Könnten wir bitte noch mal von vorne anfangen? In einer Sprache, die wir beide verstehen?"

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Entweder legt der andere dann auf. Oder es funktioniert mit dem zwischenmenschlichen Neustart.

Die lieben Kollegen, das Gegen- statt Miteinander im Büro, dazu die Chefs - und nicht einmal der Computer versteht einen. Vieles raubt im Arbeitsalltag den letzten Nerv. Zum Glück sind Sie damit nicht allein: Die neue Kolumne "Was ich am Job hasse" von Katja Schnitzler, immer montags auf SZ.de.

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