Kolumne "Was ich am Job hasse" Erbitterter Kampf um den Urlaub

Der Streit über die Urlaubsplanung würde bei einer TV-Ausstrahlung mit einem lang anhaltenden Biep übertönt.

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

Weil alle in den Schulferien Urlaub machen wollen, kommt es im Betriebsklima zu einer Eiszeit. Selbst kreative Lösungen müssen scheitern.

Kolumne von Katja Schnitzler

Das Jahr hat 365 Tage, das sind hundert Tage zu wenig. Mindestens. Wie soll eine mittelgroße Abteilung in nur einem einzigen Jahr alle Urlaubswünsche ihrer Mitarbeiter berücksichtigen, sodass jeder zufrieden ist?

Der wahre Grund, warum Arbeitgeber am liebsten bindungsgestörte, kinderlose Singles einstellen, im Idealfall Vollwaisen: Sie sind bei der Urlaubsplanung nicht an Schulferien gebunden. Außer sie heiraten dann doch einen Lehrer, was häufiger vorkommt, als es statistisch gerechtfertigt ist. Jedenfalls bei uns.

Das ist ein Problem, zum Beispiel im Sommer: Sechs Wochen Sonne, sechs Leute wollen verreisen, finden aber, dass eine Woche pro Person nicht ausreicht. Studien geben ihnen recht: Wahre Erholung, Tiefenentspannung gar, setzt erst ab Woche zwei ein. So sorgt die Urlaubsplanung zuverlässig für einen abrupten Betriebsklimawandel, der zu einer lang anhaltenden Eiszeit führt.

"Pfingstferien? Da bin ich auf Fortbildung"

"Ihr wolltet ja dieses Jahr in den Osterferien Skifahren gehen!", betont Kollege B. "Ich habe deutlich gesagt, nur ein verlängertes Wochenende an den Feiertagen", knurre ich. "Aber ich habe jetzt schon für die Pfingstferien gebucht, die vollen zwei Wochen", sagt Kollege B. wenig kollegial. Na, Pech, mir doch egal, will ich rufen. Ich halte mich gerade noch zurück, denke an die künftige Zusammenarbeit, an Teamgeist, an Harmonie, an gemeinsame Mittagessen. Dann rufe ich: "Pech, mir doch egal!" Glaubt er, er sei der Einzige, der an Pfingsten urlaubsreif ist und nicht mehr bis zu den Sommerferien durchhält?

"Pfingstferien?", mischt sich Kollegin C. ein, "da bin ich auf Fortbildung, das habe ich bereits im Herbst angemeldet." Das sei bestimmt stressig, daher werde sie sich zu Beginn der Sommerferien drei Wochen Urlaub gönnen, mindestens, "wahrscheinlich eher vier".

Die Halsschlagader von Kollege B. pulsiert, die Ader an der Schläfe macht auch gleich mit. Er holt tief Luft, da wispert Kollegin F. weinerlich: Sie müsse in dieser Zeit aber ihre kranke Tante im Norden besuchen, "ein letztes Mal im Kreis der Familie, um eine alte Frau glücklich zu machen". Dafür hätten wir doch sicher Verständnis?

Nein, sagt Kollegin C.

Schließlich fahre Kollegin F. schon seit Jahren ein allerletztes Mal zur dahinsiechenden Tante, immer im Sommer, immer in den Ferien. Aber ohne je Beweisfotos zu liefern, oder wenigstens eine Krankenakte. Wahrscheinlich liege die Tante schon längst unter der Erde und F. finanziere sich mit dem Erbe eine jährliche Fernreise!

Die folgende Viertelstunde wird laut und unschön und sollte hier nicht wiedergegeben werden.

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Jeder Kombattant bekommt vier farbige Klebestreifen

Der Chef schreitet ein. Weil er nun ein schulpflichtiges Kind habe, sei er in den Sommerferien ebenfalls nicht da.

Auch die folgenden zehn Minuten würden bei einer TV-Ausstrahlung mit einem lang anhaltenden Biep übertönt.

Da hat der Chef doch noch eine Idee, schließlich war er vergangenen Monat auf dem Führungskräfteseminar "Wie Wettbewerb den Teamgeist stärkt". Er hängt am Ende des sehr langen Flurs den ausgedruckten Urlaubsplan auf, die Ferien sind markiert. Jeder Kombattant bekommt vier farbige Streifen, die für vier Wochen Urlaub stehen. Wer zuerst klebt, reist.

"Ich zeig euch mal, wie ich das meine", sagt der Chef und drückt seine vier Streifen hintereinander in die Sommerferien. Das hat er wohl beim Seminar "Wie dumm Mitarbeiter wirklich sind" gelernt, Chapeau.

Im Tumult geht unter, wer den Urlaubsplan angezündet hat

Wir nehmen Aufstellung am Ende des Flurs. "Auf die Plätze ...", grölt der Chef, "fertig, ..." Kollegin F. macht einen Frühstart. Kollegin C. kann sie gerade noch an der überlangen Bürostrickjacke packen, zerrt sie nach hinten und sprintet an ihr vorbei, wird allerdings von Kollegin F. gegen die Wand gepresst, beide stolpern. Ich springe über sie hinweg. Vor mir ein leerer Gang, noch drei Meter bis zu den Pfingstferien, zwei Meter.

An meinem Ohr saust ein Pfeil vorbei, ein weiterer hätte beinahe meinen Scheitel vertieft. Zwei Klebestreifen von Kollege B. treffen ins Schwarze. Das war's mit Pfingsten. Es zischt noch zweimal, der Sommer wurde getroffen. Kollege B. führt einen Freudentanz auf, wird aber niedergerungen. In dem anschließenden Tumult geht unter, wer aus dem Team den Urlaubsplan angezündet hat.

Ein paar Monate später, es ist Sommer. Das Telefonklingeln hallt durch leere Räume, ein Anrufbeantworter tut seine Pflicht: "Bitte sprechen Sie nach dem Signalton. Wir rufen Sie gleich nach Ferienende zurück."

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