Kolumne "Was ich am Job hasse" Der frühe Vogel kann mich mal

Morgengrauen: Die Kolumnistin gehört definitiv zum Typ Eule.

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

Der Wecker klingelt eher als gedacht, nicht nur nach der Zeitumstellung. Und im Büro nerven die Frühaufsteher. Doch die Zeit der Eulen wird kommen.

Kolumne von Katja Schnitzler

Ich robbe an einer Reihe im Minutentakt klingelnder Wecker vorbei ins Bad, taste mit geschlossenen Augen nach Zahnpasta und Bürste und hoffe, dass ich meine erwischt habe.

Über das Morgengrauen freuen sich nur frühe Vögel. Ich hingegen bin genetisch versaut und gehöre zu den späten, sogar sehr späten Vögeln. Am Abend noch war ich so wach, da schien das Aufstehen in ausschlafweiter Ferne. Diesen Irrtum bemerke ich jeden Morgen, natürlich zu spät.

Dass in der Sommerzeit auch noch eine Stunde der kostbaren Nachtruhe gestohlen wird, macht es schlimmer für die Eulen unter uns. Frühaufstehende Lerche-Typen hingegen zucken aufreizend gleichgültig mit den Schultern - sie seien da eh schon seit zwei Stunden auf.

Und natürlich sind sie längst im Büro, wenn ich hereintaumele. Eine dunkle Sonnenbrille soll den Morgen noch etwas auf Abstand halten. "Na", tiriliert der Lerchen-Kollege, "wie geht's denn heute?" "Weiß noch nicht", brumme ich. Wegen der Sonnenbrille verfehle ich den Anschaltknopf auf dem schwarzen PC. Eine Minute später zwitschert Herr Lerche: "Hast du meine Mail schon gesehen?"

Habe ich nicht. Ich arbeite mich gerade am Doppelklick für die Anmeldung ab. Mein Zeigefinger schläft offenbar auch noch.

"Komm später wieder, Idee, ich kann gerade nicht!"

Wie gut würden Deutschlands Unternehmen dastehen, verzichtete man auf die biorhythmuszerstörende Zeitumstellerei und führte stattdessen flexible Anfangszeiten für Früh- und Spätaufsteher ein. Um sein Hirn dann zu fordern, wenn die Elektroimpulse nicht auf halber Nervenbahn steckenbleiben, weil das Gehirn quengelt: Komm später wieder, Idee, ich kann gerade nicht!

Neulich etwa hätte ich am frühen Morgen um acht Uhr beinahe eine Eingebung gehabt, wie ganz leicht neue Leser zu begeistern und zugleich Anzeigenkunden zu gewinnen wären. Die eierlegende Wollmilchsau der Zeitungsbranche. Auch dieser Gedanke schaffte es nicht bis ins Langzeitgedächtnis, das Kurzzeitgedächtnis war gerade nicht ansprechbar. Als ich am Schreibtisch wieder erwachte, war die Idee weg. Dafür hielten sich die Tastaturabdrücke in meinem Gesicht hartnäckig.

Den ganzen Vormittag flattern und zwitschern die Lerche-Typen überlaut, während sich die Eulen am Kaffee festhalten, so schwarz wie ihre Augenringe, und auf ein wenig Ruhe hoffen. Gegen Mittag werden die Lerchen endlich leiser, nach dem Essen tschilpen sie nur noch. Gegen zwei Uhr ist es still auf den Lerchen-Plätzen.

"Und", trällere ich, "was sagst du zu meinem neuen Konzept?" "Kon...zept?", fragt Herr Lerche und dreht den Kopf, die Lider auf Halbmast. Das geht mir jetzt aber zu langsam, ich habe hier schließlich noch mehr zu tun. "Schau es dir morgen an, ist in den Mails." "In den ... Mails", echot der Kollege und versucht sich am Doppelklick. Um kurz vor halb sechs schleppt er sich aus dem Büro, aber nur, weil ich ihn rechtzeitig geweckt habe. Ich bleibe noch ein bisschen, habe gerade einen Lauf.

Am Ende des Tages denke ich wie jeden Abend, noch voller Restenergie: Ach, der frühe Vogel kann mich mal.

Der Weg ist zu viel

Auf der Fahrt zur Arbeit ist es erdrückend eng - auf der Straße und in der Bahn. Können die anderen nicht zuhause bleiben? Kolumne von Katja Schnitzler mehr ... Was ich am Job hasse