Ob im Job oder Privatleben - Anerkennung gibt es stets zu wenig. Warum Lob so wichtig ist und wie man es richtig spendet.
Wenn es einen Weg gibt, die Beziehungen zu anderen Menschen zu stärken und seinen Partnern und sich selbst eine Freude zu machen, dann ist es die Lieferung von Anerkennung. Aber wie so oft: Was am wichtigsten ist, fehlt am meisten. Kritik kommt täglich auf den Teller. Bei Anerkennung nagen wir am Hungertuch. Es wird Zeit, die Lage zu verändern!
Anerkennung gibt Kraft für Neues - und kommt auch dem, der sie austeilt, zugute. (© Foto: AP)
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Beseitigen Sie das Anerkennungsdefizit.
Kennen Sie die "Deutsche Krankheit"? Es ist der Unwille und die Unfähigkeit, anderen Menschen Anerkennung zu liefern. "Nichts gesagt, ist genug gelobt", so lautet die Regel. Und sollte doch einmal ein Kompliment kommen, dann ist es fast immer mit einem Negativkommentar als nachgereichtem Nackenschlag verknüpft.
Ein Alltagsbeispiel zeigt die Methode: Eine ältere Geschäftsfrau besucht eine Vernissage. Eine der ausgestellten Kollagen findet sie so interessant, dass sie nach dem Preis fragt. Kaum hat ihr die junge Künstlerin geantwortet, werden die Verhältnisse zurechtgerückt: "Ihre anderen Bilder gefallen mir nicht. Viel zu modern."
Auch im Berufsleben ist uneingeschränkte Anerkennung so selten wie eine Auster im Fastfood-Restaurant: "Da ist Ihnen ja tatsächlich ein vorzügliches Jahresergebnis gelungen. Dass Sie so etwas jemals schaffen werden, damit haben Sie sicher selbst nicht gerechnet."
Und sollte Deutschland das WM-Finale erreichen und gegen Brasilien mit 5:1 gewinnen, so wird es nach dem Abpfiff wohl nur ein Thema geben: "Bei diesem einen Gegentor, warum hat unsere Abwehr da so geschlafen?"
Die Liste der Ursachen fehlender Anerkennung ist lang.
Warum aber fällt es vielen von uns so schwer, beruflichen oder privaten Partnern angemessene Anerkennung zu liefern? Drei Ursachen spielen eine Hauptrolle.
Die erste Ursache sind Befürchtungen - zum Beispiel die Furcht, der andere könnte die Bemerkung als geheuchelte Schmeichelei auffassen oder die Sorge, nicht die richtigen Worte zu finden und alles zu verpatzen.
Die zweite Ursache ist persönliche Demotivation. Wer selbst kaum Lob erhält (dafür aber regelmäßig Kritik einsteckt), der wird sich kaum dazu aufschwingen können, anderen Wertschätzung für ihre Taten und Erfolge zu liefern.
Und schließlich ziehen viele unserer Zeitgenossen mit einer eher zerstörerischen Zielsetzung durchs Leben. Gute Leistungen anderer würdigen sie keines Blickes. Kaum aber passiert jemandem ein Fehler oder Missgeschick, so springen sie ihm auch schon an die Gurgel. Eine Belehrung jagt die andere: "Das hätte ich Ihnen gleich sagen können, dass das nichts wird!"
Der deutsche Maler Anselm Feuerbach fasst die Ursachen fehlender Anerkennung treffend zusammen: "Tadeln ist leicht: deshalb versuchen sich so viele darin. Mit Verstand loben ist schwer: deshalb tun es so wenige."
Die Lieferung von Anerkennung ist eine spezielle Kunst.
Die Lieferung von Anerkennung ist demnach nicht allein eine besonders wichtige Aufgabe, sondern auch eine besonders anspruchsvolle. Sie setzt vieles voraus, was im Kern zur Lebenskunst und zu einem klugen Umgang mit Menschen zählt. Eine wohlwollende Grundeinstellung zu Menschen. Ein wacher Blick für die Begabungen und das Können anderer. Die Fähigkeit, sich in die Lage und Gefühle eines Partners zu versetzen. Und das Vermögen, die Bedeutung einer Leistung zu erkennen und mit einer treffenden Formulierung zu beschreiben.
Die folgenden Einsichten und Empfehlungen sollen Sie deshalb dabei unterstützen, anderen Menschen umsichtig und wirkungsvoll Anerkennung zu liefern.
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