Im Tarifstreit haben die Erzieherinnen prominente Unterstützung von Ministerin von der Leyen bekommen. Trotzdem sind die Verhandlungen vorerst gescheitert.
Im Tarifstreit in den kommunalen Kindertagesstätten haben die Erzieherinnen prominente Unterstützung bekommen. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte am Dienstag, die Gesellschaft müsse stärker anerkennen, welche wichtige Arbeit die Erzieherinnen leisten. "Zurzeit gelten in diesem Bereich Besoldungsstrukturen, die Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten unzumutbar beschränken", sagte sie in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.
Bild vergrößern
Kita-Streik: Die Erzieherinnen und Sozialarbeiter wollen ihren Arbeitskampf so lange fortsetzen, bis sie die Arbeitgeber zum Einlenken bewegen. (© Foto: ap)
Anzeige
Die ungewöhnliche Parteinahme bewirkte aber keine Einigung in der Verhandlungsrunde von Gewerkschaften und kommunalen Arbeitgebern am Dienstag in Frankfurt: Die Gespräche über einen Gesundheitstarifvertrag für Erzieher wurden am Abend vertagt. Sie sollen am Montag fortgesetzt werden, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
Zuvor hatten die Arbeitgeber ein Angebot vorgelegt. Sie hätten "ein erstes Mal Bewegung in unsere Richtung gezeigt", sagte ein Verdi-Sprecher am Abend, von einer Einigung sei man aber noch weit entfernt. Für die Prüfung des Angebots brauche man noch Zeit. Die Streiks sollen vorerst weitergehen.
Zugeständnisse an die Gewerkschaften
Die Gewerkschaften fordern mehr Geld für die bundesweit 220.000 in städtischen Kitas und Sozialeinrichtungen angestellten Erzieher und Sozialarbeiter sowie einen besseren Gesundheitsschutz, etwa Lärmschutzmaßnahmen und "rückengerechtes Mobiliar". Außerdem verlangen sie für jeden Beschäftigten das Recht, dass Gesundheitsbelastungen am Arbeitsplatz individuell erfasst und beseitigt werden.
Die Arbeitgeber hatten hingegen bislang darauf gesetzt, das Gesundheitsbewusstsein der Beschäftigten zu stärken und auf bereits bestehende Gesetze zur Gefährdungsanalyse am Arbeitsplatz verwiesen. In diesem Punkt machten sie laut GEW am Dienstag Zugeständnisse an die Gewerkschaften.
Um der Forderung nach mehr Gesundheitsschutz Nachdruck zu verleihen, streikten parallel zu den Verhandlungen wieder Tausende Erzieherinnen und Sozialarbeiter in mehreren Bundesländern. Laut Verdi waren am Dienstag etwa 14.000 Erzieherinnen im Ausstand. Schwerpunkte waren Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.
Rücksicht auf die Eltern
Nach den vertagten Gesprächen soll nun weiter gestreikt werden, an diesem Mittwoch unter anderem in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Seit Mitte Mai dauert der Tarifstreit bereits an - er betrifft immer wieder zahllose Eltern, die im Streikfall nach alternativen Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder suchen müssen. Aus Rücksicht auf die Eltern hatten die Gewerkschaften zuletzt angekündigt, die Kita-Streiks in dieser Woche wechselweise auf einzelne Bundesländer zu beschränken.
Verdi-Chef Frank Bsirske unterstrich bei einer Kundgebung im saarländischen Völklingen die ungebrochene Streikbereitschaft: Sollte es keine Einigung geben, "werden wir nicht lockerlassen". Die Erzieherinnen und Sozialarbeiter würden ihren Arbeitskampf so lange fortsetzen, wie es nötig sei, um die Arbeitgeber zum Einlenken zu bewegen.
Beide Gewerkschaften zeigten sich über die Unterstützung von Ministerin von der Leyen erfreut. "Wir hoffen, dass eine so deutliche Positionierung der Bundesfamilienministerin die Arbeitgeber aufrüttelt, endlich zu handeln", sagte eine Verdi-Sprecherin.
Von der Leyen hatte sich auch dazu geäußert, wie die höheren Tarifabschlüsse finanziert werden könnten: Die Kommunen müssten die Spielräume nutzen, die ihnen die Entlastung durch den Bund bringe. Dieser trage bis zum Jahr 2013 nicht nur 2,15 Milliarden Euro Investitionskosten, sondern auch 1,85 Milliarden Betriebskosten. Hinzu kämen Leistungen aus dem Konjunkturpaket für bauliche Verbesserungen.
- Erzieherinnen im Streik Abschied von der Spaß- und Basteltante 19.05.2009
- Kita-Streiks Satt und sauber - das reicht nicht 18.05.2009
- Kita-Streik Kinder sind Nebensache 15.05.2009
- Kitas im Streik Wohin mit Leon und Lisa? 14.05.2009
(SZ vom 10.6.2009/bön)
die streiken zurecht
meine Lebensgefährtin ist in der Branche tätig und hier herrschen im Vergleich zur freien Wirtschaft haarsträubende Zustände
1. Die Umstellung von BAT auf TVÖD erfolgte mit Gehaltseinbußen
2. bei einem Arbeitswechsel (nicht derselbe Träger) erfolgt Eingruppierung in niedrigsten TVÖD Tarif (Berufeinsteigerin ohne Berufserfahrung )
3. aufgrund von Punkt 2. kein Personalwechsel mehr da viele MA's es aussitzen und qualifiziertes Personal sich nicht verschlechtern will.
Verdi hat damals einen Tarif ausgehandelt der deutlich schlechter war als der alte BAT und versucht die Fehler jetzt geradezubiegen.
Eigentlich müssten alle Erziehrinnen aller Träger streiken um hier einmal alle wachzurütteln jedoch die MA kirchlicher Träger können/wollen keine Solarität zeigen.
Ich möchte jeder Mutter wünschen in einem Kindergarten für 1 Woche tätig zu sein, u.U. in sozialen Brennpunkten damit die sich ein Urteil bilden welcher Belastung und Verantwortung täglich gefordert/ausgesetzt sind.
Da in sozialen Berufen kein wirtschaftlich eindeutig messbarer Umsatz/Gewinn für die Gesellschaft ermitteln lässt und keine Lobby da ist, werden soziale Berufe weiterhin den Bach runtergehen und nicht Leistungsgerecht entlohnt!
Da hilft fürchte ich keine Gewerkschaft bzw. lässt die kirchliche soziale Verantwortung der ev./kath. Träger die wirtschaftlich immer klamm sind keinen Spielraum.
@californiaralf
""Wie soll "rückengerechtes Mobiliar" für Kinder und Betreuer denn gleichzeitig aussehen?"
Z.B. eine rundherum gesicherte, massive Plattform, ca. 30-40cm hoch, auf dem die Kinderstühle und der Tisch stehen- mit einem Ausschnitt für den Erzieher-Erwachsenen-Stuhl, damit der Erzieher auf gleicher Augenhöhe mit den Kindern ist, ohne sich die Wirbelsäule kaputt zu machen. "
du schießt den vogel mal wieder ab, also so was absurdes habe ich noch selten gehört
kinder massiv in deren entwicklung einschränken, quasi in einen laufstall geben, das fördert sicher deren entwicklung ungemein, jde bank, jden tisch jeden stuhl auf ein podium, und was ist wenn die kinder mal von dem podium runter wollen??
lebenslang eingesperrt, kontrolliert und überwacht von mutter staat oder wie??
aber man sieht schon zuerst stellt man die leute ein und dann versuchen sie den staat zu erpressen, in dem sie einafch die arbeit niederlegen
dass der erziehungsbereich so einen geringen stellenwert hat, ist logisch, eltern vor allem mütter brauchen ja auch keine ausbildung zur kindererziehung, egal wie schlecht sie die arbeit erledigen, das sorgrecht erhalten sie trotzdem, egal ob massiv psychisch gestört, alkohol- oder drogenabhängig
Alles dreht sich nur ums Geld.
Das Geschwätz der Politiker, dass die Kinder einmal "unsere" Schulden tilgen sollen,
und daher die volle Aufmerksamkeit de Staates verdienen, alles nur hohle Phrasen.
Der Berufsstand, um den es hier geht, hat keine Lobby.
Diese Kinder sind als Konsumenten nur über ihre Eltern erreichbar und da reicht es, denen
die teuerten Wegwerfwindeln schmackhaft zu machen.
Wer sich entscheidet, in der Kinderbetreuung zu arbeiten, ist selbst Schuld und mag mit
dem zufrieden sein, was man ihnen hinwirft.
Gesundheit, nicht unser Problem.
Es gibt doch, zumindest weiss ich das für Beamte, einen Amtsarzt.
Dass die dort vorgenommenen Untersuchungen nur Alibi-Charakter haben, weiss ich
auch.
Man sollte für die Kita-Mitarbeiterinnen eine regelmässige Untersuchung einführen, um
auf Gefährdungen zu reagieren.
Das kann doch nicht so viel Kosten verursachen.
"Wie soll "rückengerechtes Mobiliar" für Kinder und Betreuer denn gleichzeitig aussehen?"
Z.B. eine rundherum gesicherte, massive Plattform, ca. 30-40cm hoch, auf dem die Kinderstühle und der Tisch stehen- mit einem Ausschnitt für den Erzieher-Erwachsenen-Stuhl, damit der Erzieher auf gleicher Augenhöhe mit den Kindern ist, ohne sich die Wirbelsäule kaputt zu machen.
Wenn man will, geht alles, aber hierzulande will man nicht.
Ich kann sehr gut verstehen, wenn die Erzieher neidvoll zu ihren Kollegen nach Frankreich blicken. Im Vergleich zu Deutschland hat ihre Berufsgruppe dort eine Hochschulausbildung, ein wesentlich besseres Einkommen und einen wesentlich höheren gesellschaftlichen Stellenwert.
Hier ist und bleibt es wohl einfach ein Frauenberuf, schlecht bezahlt und gesellschaftlich am unteren Rand angesiedelt- frei nach dem Blüm'schen Motto "Erziehen (pflegen) kann jeder"...
etwa Lärmschutzmaßnahmen und "rückengerechtes Mobiliar".
----------------
Aha- Knebel für die Kinder? Nur noch erwachsene Kinder? Wie soll "rückengerechtes Mobiliar" für Kinder und Betreuer denn gleichzeitig aussehen?