Doch was macht solche Schulen für Eltern interessant? Sichtbare Unterschiede? Christliche Symbolik findet sich natürlich in den Gebäuden, es gibt Morgengebete und Tischgebete beim Mittagessen, caritative Projekte werden mit Elan gepflegt. Eltern wählen uns nicht, weil kirchlich draufsteht, sondern weil kirchlich drin ist, stellt Schulleiter Würl aber klar: "Die Kinder als Ebenbilder Gottes zu sehen" - das christliche Menschenbild sei entscheidend. "Nett zu den Kindern sein, geht auch an staatlichen Schulen, wenn die Lehrer es wollen", sagt er, "bei uns ist es festes Programm." Angelika Dahner, die neben Gymnasialrektor Würl die Realschule im selben Haus leitet, nennt es "Geborgenheit geben".

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Die Sitzordnung ist kein Zufall

Eine Versammlung der Klassensprecherinnen im lichtdurchfluteten Tagesheim der Schule; mit zierlichen Mädchen, deren Beine vom Stuhl nicht auf den Boden reichen und herumbaumeln, bis zu gestandenen, selbstbewussten jungen Damen. Ganz normale Mädchen, keine faden Betschwestern. Vielleicht lässt sich hier am besten ergründen, was eine kirchliche Schule ausmacht. Die Sitzordnung ist schon mal kein Zufall. "Zeit für uns" heißt ein Projekt an der Schule, ein Stuhlkreis einmal pro Woche, bei dem eine Stunde lang die Schülerinnen Regie führen. "Jede kann in dieser Stunde sagen, was sie denkt, ob Positives oder Kritik. Die Lehrer treten in die Rolle eines Gesprächspartners", sagt Marion Hötzinger, zehnte Klasse Realschule, Schülersprecherin.

Das Gemeinschaftsgefühl sei ohnehin das Besondere ihrer Schule, "miteinander leben, miteinander lernen". Und Mitschülerin Tanita Großmüller sagt: "Natürlich gibt es bei uns auch Druck und alltägliche Probleme, aber die Rahmenbedingungen sind anders." Sie habe den Eindruck, "nicht nur als eine Schülermaschine wahrgenommen zu werden, sondern als Mensch". Erinnerungen werden wach, an eine krebserkrankte Freundin etwa, zu der Lehrerteams aus Sankt-Irmengard zum Privatunterricht nach Hause gekommen sind.

Es ist der Umgangston

Es ist der Umgangston miteinander, so formulieren es viele Schülerinnen, der ihnen hier am besten gefällt: der Zusammenhalt unter den Mädchen, eine gute Beziehung zu den Lehrern, ("Man kann aussprechen, wenn mal was nicht so läuft") oder auch die Gleichberechtigung von Realschülerinnen und Gymnasiastinnen in gemeinsamen Orchester- oder Theaterkursen ("Niemand ist bei uns was Besseres"). Dazu gehört übrigens auch, dass die Übergänge zwischen Realschule und Gymnasium fließender sind, unter einem Dach lässt sich nach der mittleren Reife leichter zum höheren Abschluss wechseln.

Im Arbeitsvertrag der Lehrer steht, dass sie an der Verkündung des Evangeliums mitwirken, sagt Würl, dass sie ein christliches Menschenbild verinnerlicht haben, leben und vor allem vorleben. Wer als Lehrer an eine kirchliche Einrichtung geht, entschließt sich aus eigenen Stücken bewusst für diese Schule - Zwangszuweisungen wie im staatlichen System, nicht selten an ungewünschte Orte an einer anderen Ecke des Landes, gibt es nicht.

In Garmisch-Partenkirchen finden sich auch Lehrerinnen, die selbst hier zur Schule gegangen sind, in einem Fall sogar in der dritten Generation. Früher, als die Schulen von Ordensgemeinschaften direkt getragen wurden, standen Schwestern im Ornat im Klassenzimmer. In Sankt-Irmengard hat sich die letzte Ordensfrau 2003 aus dem Lehrerkollegium verabschiedet. Bundesweit sind noch etwa drei Prozent aller Lehrer an katholischen Schulen Ordensangehörige oder Priester.

Zeigen, was am Leben wertvoll ist

Mit einer Klosterschwester optisch wenig gemeinsam hat Claus Obermüller, ein schlacksiger junger Mann, Lehrer für Mathe, Deutsch und Religion. Hier brauche er sein "Christ-Sein nicht an der Klassenzimmertür abzugeben". Und sicherlich könne man über kirchliche Schulen auch Familien für den Glauben erreichen, die man über das klassisches Gemeindeleben nicht mehr ansprechen kann. Obermüller sagt, er wolle den Kindern zeigen, "was im Leben wertvoll ist". Lernen müsse mehr sein als die Vermittlung von Prüfungswissen.

Das wird aber offensichtlich auch gut vermittelt: Regelmäßig liegen kirchliche Schulen bei Untersuchungen, auch bei der Pisa-Studie, über dem Durchschnitt. An den Gymnasien in der Diözese München-Freising hatten zuletzt laut Harald Oberrenner knapp 70 Abiturienten von 375 bei der Abschlussnote eine Eins vor dem Komma, bei den Realschulen sind die Zahlen ähnlich. Noch wichtiger, so Oberrenner, sei ihm aber, "dass in unseren Schulen die Durchfallquoten gegen Null gehen".

Kombination aus christlicher Erziehung und gutem Ruf

Es ist wohl eine Kombination aus christlicher Erziehung und gutem Ruf, der viele Eltern veranlasst, konfessionelle Schulen zu wählen. Stramme Kirchgänger müssten sie freilich nicht sein, sagt Oberrenner, aber die Werte der Schule teilen und sich einbringen, darauf werde bei der Zulassung geachtet. Gut zwei Dutzend Schüler muslimischen Glaubens gibt es auch an den Schulen der Diözese. Nach einer Erhebung der Bischofskonferenz ist die Auseinandersetzung mit Glaubensfragen für viele Eltern sogar von eher geringerer Bedeutung. Allerdings ist demnach etwa ein Drittel der Schüler Mitglied einer kirchlichen Jugendgruppe oder ähnlich engagiert, während der entsprechende Anteil in der jugendlichen Gesamtbevölkerung bei nur sieben Prozent liegt.

"Die Kirche müsste ja keine Schulen unterhalten, wenn sie nicht wollte", sagt Oberrenner, man müsse nicht in dem Bereich investieren. Neben Schulgeld, das es an kirchlichen Lehranstalten geben kann, und den nach Bundesland unterschiedlichen staatlichen Zuschüssen an Privatschulen steht der Träger mit Eigenmitteln für die Kosten gerade. In Oberrenners Haushalt zahlt das Land Bayern 80 Prozent der 70 Millionen Euro, die der laufende Betrieb der 21 Schulen ohne Investitionen verschlingt.

Die Kirche in der Pflicht

Abzüglich des Schulgelds finanziert die Diözese 3,5 Millionen Euro im Jahr selbst. Man sei als Kirche in gewisser Weise in der Pflicht, meint Oberrenner: "In der heutigen Welt ist alles in einem rasanten Wandel, das verunsichert die Menschen, sie sehnen sich nach Beständigkeit." Und kirchliche Schulen böten Werte, die schon vor hundert Jahren gegolten haben.

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  1. Nichts für fade Betschwestern
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(SZ vom 04.01.2010/holz)