Karrierestrategie Schleimer kommen weiter

Die US-Minister werden für ihre schrägen Lobgesänge auf ihren Chef ausgelacht. Dabei können sich Angestellte an ihnen ein Beispiel nehmen.

Von Larissa Holzki

In jedem steckt ein kleiner Donald Trump: Menschen finden es schön, wenn ihnen geschmeichelt wird. Für ein bisschen Zuneigung sehen sie auch darüber hinweg, dass der Schmeichler ein egoistisches Ziel verfolgen könnte. Wer Karriere machen will, kann sich deshalb ein Beispiel an Trumps Ministerrunde nehmen.

Schmeicheln und Loben gehören zu den erfolgreichsten Strategien, um andere zu beeinflussen. Für das Berufsleben erforscht das die Wirtschaftspsychologie. Verschiedene Studien zeigen: Menschen, die Vorgesetzten und Personalern interessiert zuhören, zustimmend zunicken und zeigen, dass sie sie wertschätzen, werden eher eingestellt, bekommen ein höheres Gehalt und bessere Beurteilungen.

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Natürlich zahlt kein Chef bewusst für Komplimente. Doch wenn der Arbeitnehmer ihm angenehm auffalle, ihn bestärke und so seine Stimmung erhelle, vergrößere das dessen Bereitschaft, von den eigenen Vorstellungen abzuweichen, sagt Gerhard Blickle. Als Professor leitet er die Abteilung für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie der Universität Bonn. Vorschläge eines schmeichelnden Angestellten werden demnach weniger kritisch beäugt, die ein oder andere unerfüllte Voraussetzung in einer Stellenbeschreibung sieht der Entscheider nicht mehr als großes Problem an.

Wer geschickt ist, darf auch heucheln

Ob die Wertschätzung durch den Bewerber oder Arbeitnehmer ernst gemeint oder geheuchelt ist, spiele für den Erfolg keine Rolle, sagt Blickle: "Hauptsache, es kommt authentisch rüber." Entscheidend ist dafür die Sicht des Betrachters, und der sei bei der Bewertung besonders großzügig. Das heißt: Während der unbeteiligte Zuhörer eine Lobeshymne schon als peinlich empfindet, fühlt sich der Adressat dabei noch wohl. "Aus der Perspektive desjenigen, der im Mittelpunkt steht, kann man nicht viel falsch machen - die meisten Leute sind ziemlich empfänglich dafür, gelobt zu werden", sagt Blickle.

Während die Deutschen traditionell nur selten loben, ist es für Donald Trump und seine Minister kulturelle Normalität: "Wenn du nichts Nettes über jemanden zu sagen hast, sag lieber gar nichts", das berühmte Zitat aus dem Disney-Film Bambi haben viele Menschen in den Vereinigten Staaten verinnerlicht.

Dass Donald Trump mit selbstzufriedenem Lächeln dabei zusieht, wie seine Minister sich in ihren Anbiederungen zu übertreffen versuchen, lässt sich damit allein allerdings nicht erklären. Auch in amerikanischen Medien wurde diskutiert, dass die Trump-Lobgesänge den Gipfel der Peinlichkeit erreicht hätten.