Die Erwartungen waren hoch als vor vier Jahren die Juniorprofessur an Deutschlands Hochschulen eingeführt wurde. Doch sie haben sich nicht erfüllt. Droht ihr nun das Aus?
Stolze 42 Jahre ist ein Wissenschaftler im Durchschnitt, wenn er in Deutschland eine Professur antritt. Die 20 Jahre zuvor musste er studieren, promovieren, Einstiegsseminare für Erstsemester abhalten, Hilfsarbeiten erleidigen, eine Kilo schwere Habilitationsschrift vorlegen und nebenbei auch noch ein bisschen forschen. Damit sich dies ändert und - wie in vielen anderen Ländern auch üblich - junge Forscher früher zum Zug kommen , wurde vor vier Jahren die Juniorprofessur eingeführt. Ihr droht nun womöglich das Aus.
Svetlana Tsogoeva war im Jahr 2001 Deutschlands erste Junior-Professorin. Durchsetzen konnte sich das Modell bisher nicht. (© Foto: dpa)
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Am 22. Februar nächsten Jahres würde das Projekt der ehemaligen Bildungsministerin Edelgard Bulmahn seinen fünften Geburtstag feiern. Die Juniorprofessur hat sich allerdings bisher als wenig erfolgreich erwiesen.
Das zumindest legt eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE)nahe, berichtet die Wochenzeitung Die Zeit. Eigentlich sollte die Juniorprofessur Wissenschaftlern bereits mit Anfang 30 ermöglichen, eigenständig zu lehren und zu forschen. Seit 2002 sind aber lediglich 1000 solcher Stellen ausgeschrieben worden. Das Bundesbildungsministerium sei aber ursprünglich von 6000 solcher Stellen ausgegangen. Außerdem sei die Zahl der Juniorprofessuren seit 2004 so gut wie gar nicht mehr gewachsen.
Abgelenkt
Die traditionelle Habilitation gibt es in dieser Form nur in Deutschland. In angelsächsischen Ländern geht man nach dem Prinzip "tenure track" vor. Aussichtsreichem Nachwuchs wird dann eine Festanstellung ("tenure") angeboten, wenn sie sich mit ihren Leistungen ("track") bewährt haben. Dieses Prinzip aufgreifend wurde 2002 die Juniorprofessur eingeführt.
Doch scheint sich das Konzept nicht durchsetzen zu können. Laut einer Umfrage glauben nur zehn Prozent der Hochschulleitungen, dass die Habilitation bedeutungslos werde, heißt es in Die Zeit. Nur wenige Universitäten hätten sich mit dem neuen Konzept angefreundet und Juniorprofessoren eingestellt. Zwar hielten drei Viertel der befragten Universitäten die Juniorprofessur für sinnvoll, neue Stellen entstünden deswegen aber nicht.
"Wir haben im Vorfeld davor gewarnt, die Juniorprofessur gegen den Willen der Länder einzuführen", sagt Kristijan Domiter, Sprecher des Deutschen Hochschulverbands. "Es ist durchaus richtig, einmal grundsätzlich über das Modell nachzudenken." Grundsätzlich sei die Einrichtung zwar begrüßenswert, da sie den Wettbewerb fördere. Die Juniorprofessur, so Domiter weiter, sei aber einfach nicht für jede Disziplin geeignet. So werde das Modell in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften relativ gut angenommen. Insgesamt aber kann es sich nicht durchsetzen.
Der Grund: Häufig konkurrieren traditionelle Habilitierte mit Juniorprofessoren. Erstere hätten dabei einen klaren Wettbewerbsvorteil. "Ein klassischer Habilitand kann sich ganz auf seine eigenen Weiterqualifikation konzentrieren", sagt Dr. Kristijan Domiter. "Die Juniorprofessoren dagegen müssen darüber hinaus noch lehren, Drittmittel anwerben und sich an der Hochschulverwaltung beteiligen."
Das CHE wies am Freitag allerdings die Interpretation zurück, wonach die Juniorprofessur womöglich vor dem Aus stehe. Zwar seien die Zahlen korrekt. Doch dass die Juniorprofessur deswegen vor dem Scheitern stehe, lasse sich aus den vorliegenden Ergebnissen nicht ableiten, betonte das CHE.
(sueddeutsche.de/AP)
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