Karriere nach der Karriere Warum Spitzensportler auch im Beruf top sind

Früher hat er Siege auf dem Fußballfeld gefeiert - heute kommentiert erfolgreich das Geschehen auf dem Rasen: Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn (hier beim Gewinn des DFB-Pokals mit Bayern München 2006).

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Ehemalige Sport-Profis bringen für den Beruf besondere Fähigkeiten mit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie. Im SZ-Gespräch erklärt Professor Sascha L. Schmidt, in welchen Bereichen die Ex-Athleten punkten - und warum ihre besonderen Stärken auch Fluch sein können.

Von Christina Warta

Mehr als tausend Top-Athleten haben für die aktuelle Studie "Kollege Spitzensportler" der EBS Universität in Wiesbaden Fragen beantwortet. Professor Sascha L. Schmidt erläutert die Ergebnisse.

SZ: Wie kamen Sie auf die Idee zu dieser Studie?

Sascha L. Schmidt: Auf der einen Seite suchen viele Unternehmen händeringend gutes Führungs- und Fachpersonal. Auf der anderen Seite ist vielen Spitzensportlern nicht bewusst, dass sie Fähigkeiten mitbringen, die für Unternehmen interessant sein können. Darüber hinaus gibt es viele Mythen, etwa dass Spitzensportler besonders diszipliniert seien. Das wollten wir wissenschaftlich überprüfen.

Was hat der Spitzensportler, das ein klassischer Absolvent nicht bietet?

Er weist überdurchschnittliche Werte im Bereich Engagement, Disziplin und mentale Stabilität auf. Solche Persönlichkeitsmerkmale sind häufig hilfreich für eine berufliche Karriere. Aber sie können nicht nur Segen, sondern auch Fluch sein.

Inwiefern?

Hohe Disziplin bedeutet immer auch ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis. Im Sportalltag sind die meisten Spitzensportler stets in eine feste Struktur eingebunden, die Sicherheit gibt. Diese finden sich bei Veränderungsprozessen in Unternehmen dagegen weniger gut zurecht. Sportler sind es zudem gewohnt, immer sofort ein Feedback auf ihre Leistung zu bekommen, etwa durch Trainingszeiten. In Unternehmen ist das anders.

Sie haben vier Prototypen ausgemacht.

Richtig. Es gibt den "Einzelgänger", der sehr engagiert und diszipliniert ist, aber weniger kooperativ. Dazu gehören 27 Prozent der befragten Sportler, häufig aus Einzel- und Präzisionssportarten. 16 Prozent gehören zum "Kämpfer"-Typ, der noch engagierter ist, aber hochgradig dominant und kaum kooperativ. Kraftsportler gehören häufig zu dieser Gruppe. "Teamplayer" sind 28 Prozent der Befragten, sie sind das Gegenteil zum "Kämpfer": Die Dominanz ist kaum ausgeprägt, dafür Kooperationsfähigkeit. Häufig sind das Teamsportler, außerdem weibliche Spitzensportler.

Die größte Gruppe, 29 Prozent, bezeichnen Sie als "Meister aller Klassen".

Der "Meister aller Klassen" ist ein Mensch, wie ihn sich jedes Unternehmen nur wünschen kann. Unter Spitzensportlern ist der Anteil dieses Typs überdurchschnittlich groß: Überflieger, die Top-Leistungen im Sport bringen und beste Noten schreiben. Vor allem männliche Sportler und Ex-Kapitäne fallen in diese Kategorie.

Was bedeutet das für die Personalfindung?

Ein Unternehmen muss sich die Bewerber für eine Stelle genau anschauen. Alle vier Typen werden gebraucht: Solche, die sich in ein Thema verbeißen können, ebenso wie integrative Teamplayer, Kämpfer, die auch mal durch Wände gehen, oder Führungspersönlichkeiten.

Haben Spitzensportler bei der Jobsuche auch Nachteile?

Sie haben aufgrund der hohen Trainings- und Wettkampfbelastung in der Regel langsamer studiert, weniger Praktika gemacht. So fehlt ihnen ein berufliches Netzwerk. Deshalb ist die duale Karriere wichtig. Wer ein zweites, berufliches Standbein hat, hat dann auch im Sport einen psychologischen Vorteil: Er kann sich befreiter dem Wettkampf widmen.