Claudia Luz, 45, Lektorin in einem juristischen Fachverlag in Heidelberg, zwei Jungs im Alter von fünf und neun Jahren: "Meine Teilzeit nach dem ersten Kind und meine Auszeit nach dem zweiten haben mir karrieretechnisch das Genick gebrochen. Zuvor hatte ich eine leitende Position. Jetzt bin ich wieder normale Lektorin. Als ich nach einem Jahr wieder angefangen habe zu arbeiten, kam es mir vor, als wäre ich Jahre weg gewesen. In den ersten drei Monaten habe ich manchmal richtig blöde Anfängerfehler gemacht. Eine Zeitlang habe ich meiner alten Position hinterhergetrauert. Aber wenn ich mir heute meine Kinder anschaue, bereue ich meine Entscheidung nicht - und ich liebe meinen Beruf noch immer.

Die Auszeit bei meinem zweiten Sohn habe ich ganz bewusst genommen, weil ich ahnte: Es wird mein letztes Kind sein. Bei meinem ersten Sohn habe ich lediglich vier Monate ausgesetzt. Ich fand die Baby-Zeit anstrengend und dachte nur: "Wenn das jetzt dein Leben ist!" Ich habe die Arbeit richtig herbeigesehnt.

Die Debatte um berufstätige Mütter finde ich ärgerlich, weil immer vermittelt wird, nur die ganz taffen Frauen könnten Beruf und Kinder vereinbaren. Oder die Reichen, die sich eine Tagesmutter leisten können. Stimmt nicht: Ich kenne Frauen, die kaum Geld übrig haben und trotzdem eine gute private Kinderbetreuung auf die Beine stellen, um arbeiten gehen zu können. Wichtig ist, dass man einen Partner hat, der notfalls einen Termin verschiebt oder zur Windel greift. Und einen flexiblen Arbeitgeber. Ich ärgere mich, dass mir das nicht früher klar wurde - sonst hätte ich heute mehr Kinder.

Protokolle: Ann-Kathrin Eckardt Bilder: privat

(SZ vom 15.4.2008/bön)

14. April 2008, 19:21 2008-04-14 19:21:00