Für Personaler ist es inzwischen Standard, den Namen des Bewerbers durch die Suchmaschine zu jagen. Die gibt so manches preis, was man eigentlich lieber vertraulich behandelt.
"Und, was machst du sonst so?" - diese Frage können sich Webnutzer inzwischen sparen, wenn sie mehr über jüngste Bekanntschaften oder neue Bürokollegen erfahren wollen. Schließlich ist es manchmal gar nicht nötig, sie direkt zu fragen. Das Internet gibt häufig ebenso gut Auskunft. Denn über Suchmaschinen lässt sich vieles längst per Mausklick erfahren, was mancher sonst lieber vertraulich behandelt. Ob geschäftlich oder privat: Jobbewerber, alte Schulfreunde oder neue Partner "auszugoogeln" ist eine gängige Methode, um heimlich einen Einblick in das Leben anderer zu erhalten.
Suche im Netz: Lästereien über den alten Arbeitgeber werden zum "Karriere-Killer". (© Foto: Reuters)
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"Mithilfe von Suchmaschinen ist es heute ein Leichtes, private Dinge über andere herauszufinden", sagt Prof. Michael Ronellenfitsch in Wiesbaden, Landesbeauftragter für den Datenschutz in Hessen. Oft seien die Betroffenen selbst schuld: Viele Menschen gehen zu unvorsichtig mit ihren persönlichen Daten um und geben im Web bereitwillig Privates preis. "Das ist dann natürlich für jedermann im Handumdrehen abrufbar."
Leumund im Netz
Das machen sich etwa Personalentscheider zunutze. "Bei Bewerbungen wird immer öfter ein Blick darauf geworfen, was im Internet über den Menschen steht", sagt Klaus Reiners vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) in Bonn. Der Leumund im Netz entscheidet in einigen Fällen sogar über die beruflichen Chancen: So könnten peinliche Fotos oder Lästereien über den alten Arbeitgeber im Web zum "Karriere-Killer" werden, warnt Reiners. Auch Einträge über extreme politische Ansichten und erotische Vorlieben seien teilweise ein Ausschlusskriterium für Arbeitgeber.
In einer Umfrage des BDU unter deutschen Personalberatern vom November 2006 gab jeder Vierte an, schon einmal einen Kandidaten nach einer Netzrecherche vom Auswahlprozess ausgeschlossen zu haben.
Unliebsame Internet-Altlasten
Aber auch im privaten Bereich nutzten immer mehr Menschen das Internet, um sich ein Bild über eine andere Person zu machen, sagt Mario Grobholz vom Anbieter myOn-ID in Köln. "Was die Suchmaschine über einen ausspuckt, wird somit zunehmend wichtiger für das eigene Ansehen." Seine Firma bietet Surfern deshalb an, sich um ihren "digitalen Ruf" zu kümmern. Spezielle Programmiertechniken sollen dafür sorgen, dass unliebsame Internet-Altlasten in den Treffern einer Suchanfrage weiter auf den hinteren Plätzen verschwinden.
Gerade das Web 2.0 habe dazu geführt, dass immer mehr Surfer ihr Privatleben im Netz öffentlich machen, sagt Grobholz. Für Neugierige seien daher besonders "Social Networks" wie "studiVZ.net" oder "Xing.com" ergiebig: Hier geben Mitglieder von sich aus Auskunft etwa über ihre Hobbys oder den beruflichen Werdegang. Andere Portale sind darauf spezialisiert, alte Schulfreunde wiederzufinden. Hierüber können auch Fremde den Schulabschluss und Jahrgang von anderen erfahren. Dazu müssen sie meist nicht einmal die jeweilige Seite besuchen - oft landen die Daten gleich in den Treffern einer Web-Suchabfrage.
Auf der nächsten Seite: Die Folgen der Nabelschau im Netz.
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- Bewerbung Die Mappe und der Schnüffler 26.03.2004
- Wissenschaftliche Plagiate Das Google-Diplom 06.03.2007
- Jobsuche Als Bewerber gelogen, als Mitarbeiter gefeuert 17.01.2007
- Der gläserne Bewerber Seelenstrip mit Folgen 22.11.2006
- Unternehmens-PR Gefangen im Netz 25.04.2006
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
...mit Verstand gibt im Netz seine wahre Identität Preis. Wer keine 'virtuelle' Identität im WWW benutzt, hat das Internet noch nicht verstanden...
Wieso muß man denn auch sein persönliches Leben im Internet ausbreiten? Jeder weiß doch, daß diese Infos leicht öffentlich zugänglich sind. Sollten sie vielleicht nicht sein, aber so isses eben leider. Wenn es etwas gibt, von dem ich nicht will, daß es jeder mitbekommt, gebe ich es halt gar nicht erst heraus - bloß weil es Facebook und Co. gibt, heißt das doch nicht, daß man sie benutzen muß. Und außerdem, ist doch logisch, daß ein Arbeitgeber sich nach den Spuren im Internet umschaut, die der potenzielle Arbeitnehmer selber gelegt hat. Würde ich auch machen.
Wenn mich ein möglicher Arbeitgeber im Internet absucht, dann wird er es wahrscheinlich auch am Arbeitsplatz machen. Diese Menschen haben den Wert der Privatsphäre nicht verstanden und verdienen es nicht, dass ich für sie arbeite. So einfach ist das. Und wenn jemandem meine Meinung nicht gefällt: Es ist ein Grundrecht.
Mal ehrlich, bei den meisten Namen ist es wohl schwierig festzustellen, wer sich hinter bestimmten Google-Funden verbirgt. Es sei denn, man kombiniert Name und Foto, und wer macht das schon...
Für all diejenige, die sich sozial verantwortlich zeigen und sich eventuell auch als ehemalige Betriebsräte im Netz zu erkennen geben, kann nur gelten, sich selbständig zu machen.
Es wäre schlimm, wenn man sich von diesen Machenschaften abhalten lassen würde, sich für eine soziale und faire Gesellschaft einzusetzen.
Dies ist einigen Personalern mit Sicherheit ein Dorn im Auge.
Es gibt inzwischen sogar Anwalts-Kanzleien, die mit Konzernen und diesem Netzwerk von Unternehmen zusammenarbeiten, Daten über engagierte Betriebsräte sammeln und diese auf bestimmte "rote Listen" setzen.
Dies verstößt zwar gegen den Datenshutz, aber das ist dieser Klientel völlig egal.