"Geschieht ihnen recht"
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Die Erfurter Richter bleiben ihrer Linie treu. Vor zwei Jahren erklärten sie Solidaritätsstreiks für zulässig, also die Aktionen von Beschäftigten, die selber nichts erreichen, sondern nur anderen Unterstützung bekunden wollen. Mit dem Urteil vom Mittwoch erleichtern sie nun erneut künftige Eskalationen von Arbeitskämpfen.
Indem Flashmobs zu nichts anderem als Betriebsblockaden führen sollen, könnte es in Deutschland zu Arbeitskämpfen auf französische Art kommen. Das mag eine Entwicklung sein, die wenig erfreulich ist. Viele Arbeitgeber jedoch sind mit schuld daran. "Geschieht ihnen recht", kein Motto, das Richter leiten wird, aber doch ein Grundgefühl, das bei Betrachtung mancher Branchen eine Rolle spielen dürfte.
Es ist ja kein Zufall, dass sich ein Eskalationsproblem eben nicht in der Metall- oder der Chemie-Industrie stellt, wo Gewerkschaften und Betriebsräte seit Jahrzehnten anerkannte Verhandlungspartner sind, wo Mitbestimmung in Tausenden von Betrieben gelebt sowie ein Konflikt nach Regeln und Ritualen ausgetragen wird.
Ruckzuck sind Leiharbeiter da
In der weiten Welt des Einzelhandels dagegen wird Mitbestimmung nach wie vor als ansteckende Krankheit betrachtet. Wo es nicht mal eine Mittagspause gibt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Arbeitgeber die Wahl eines Betriebsrats immer nach Kräften verhindert hat. Wo herkömmliche Arbeitsniederlegungen ins Leere laufen, hat der Arbeitgeber vermutlich auf Streikbrecher zurückgreifen können - so war es Ende 2007 in Berlin. Dort brauchten die Einzelhändler nur Personaldienstleister anzurufen. Ruckzuck standen ihnen unorganisierte Leiharbeiter zur Verfügung.
Arbeitgeber können das gerne versuchen: ein Klima zu pflegen, in dem Beschäftigte lange vieles erdulden. Sie brauchen sich dann aber auch nicht zu wundern, wenn es denen irgendwann reicht, wenn Arbeitnehmer zu Aktionen greifen, die sie als eine Art Notwehr sehen. Gut möglich, dass der Begriff "Flashmob" eines Tages so gängig sein wird wie "Warnstreik". Und dass die Erfurter Richter wild entschlossen sind, weiteren Formen der Eskalation ihren Segen zu geben.
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(SZ vom 25.9.2009/bön)
Eurovision Song Contest
Es scheint nicht weiter aufzufallen, dass die " schleichende Versklavung" durch bestimmte Gruppen inszeniert werden. Gut, dass die Vorgänge öffentlich bekannt werden. Sie zeigen aber auch auf, wie die Skrupellosigkeit zunimmt! Als muss man als Kunde seine Macht ausspielen, jedenfalls dort, wo es möglich ist. Zum Thema passt indes eine Nachrichtenmeldung von heute über die Wadan-Werft: Der neue Eigentümer verlangt von seinen Mitarbeitern in skrupelloser Weise: Verringerung der Einkommen um 25 %, höhere Wochenarbeitszeit, Abschaffung von Weihnachts - und Urlaubsgeld und Reduzierung des Urlaubs. Bis auf die Abschaffung des Himmelfahrts-Tages deckt sich diese Forderung exakt mit dem Verlangen des früheren BDI-Präsidenten Rogowski! Man möchte ausrufen:" Zurück ins 19. Jahrhundert. Ein Glück, dass wir eine Krise haben!" Die Gewerkschaften müssen sich nun unbedingt solidarisch zeigen gegen alle so unterdrückten und ihrer Würde beraubten Menschen!!
Ich hab mal im Fernsehen was gesehen, dass besonders in kleinen Läden Beschäftigte mit 800 Euro für Vollzeit 40+ Stunden abgefertigt werden.
Mit dem Argument: Wir sind ein kleiner Laden, wir machen nicht viel Gewinn usw.
Ein sehr erfülltes und bedeutsames Dasein, das Sie zu führen scheinen.
@rudi321: "Wo soll ich noch einkaufen gehen?"
Was für eine Frage! In Ihrem örtlichen Tante-Emma-Laden natürlich ;o)
Die kleinen, Inhaber- geführten Einzelhandelsgeschäfte sollte man unterstützen, auch wenn's dort etwas mehr kostet- ist ja schließlich für einen guten Zweck!
Eine solche Überschrift spricht zumindest die Tendenz der Problematik an. Nicht oft genug kann man die Brisanz verdeutlichen und mit Nachdruck an die Öffentlichkeit bringen.
Dabei werden hier nur einzelne Arbeitgeber angesprochen, deren Arbeitnehmer einer nicht akzeptablen Ausbeutung ausgesetzt sind.
Auch im öffentlichen Dienst werden die Regeln bestimmt: Jeder, der sagt, was er denkt (u.a. das Plädieren/Protegieren für mehr Verantwortung, die heute weit hinter der z.B. von Sparmassnahmen getragenen Gesundheitsreform steht, um nur ein kleines Detail zu nennen) , läuft Gefahr, abgemahnt oder gar gekündigt zu werden.
Man verdient sich zum Sklaven von mitunter unsinnigen Reglements.
Paging