Kampf gegen Raubkopien Lehrer empört über Schul-Trojaner

Mit einer "Plagiatssoftware" wollen Schulbuchverlage illegale Kopien ihrer Werke auf Schulcomputern aufspüren. Lehrervertreter sprechen von einem "Skandal". Sie drohen mit "Dienst nach Vorschrift" - und umfangreichen Bestelllisten an die Schulbehörden.

Von Tanjev Schultz

Der geplante Einsatz einer Software zum Aufspüren digitaler Raubkopien auf Schulcomputern löst bei Lehrern massiven Widerstand aus. Der Philologenverband sprach von einem "Skandal".

Verbandschef Heinz-Peter Meidinger verlangte, die Vereinbarung zwischen Kultusministern und Schulbuchverlagen für einen "Schul-Trojaner" zu annullieren. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erklärte, Spähprogramme hätten an Schulen nichts zu suchen.

Der Verband Bildung und Erziehung warnte davor, Lehrer als Raubkopierer zu denunzieren. Er riet den Pädagogen, auf die Pläne für den "Schul-Trojaner" mit "Dienst nach Vorschrift" zu reagieren. Anstatt Lehrmaterial zu kopieren oder zu scannen, sollten die Pädagogen eine Bestellliste an die Schulbehörden schicken.

Seit langem würden die Schulen vergeblich um ausreichend Mittel für die Anschaffung von Büchern und Arbeitsmaterial kämpfen. Deshalb seien sie auch auf das Kopieren aus aktuellen Werken angewiesen.

Hintergrund der Aufregung ist ein jetzt bekanntgewordener Vertrag zwischen den Bundesländern und den Schulbuchverlagen. Er sieht vor, dass die Verlage den Schulträgern eine "Plagiatssoftware" zur Verfügung stellen.

Rechtliche Probleme

Mit dieser sollen digitale Kopien von Werken, die für den Unterricht gedacht sind, aufgespürt werden. So wollen die Verlage den Schutz der Urheber- und Verwertungsrechte durchsetzen. Jährlich sollen mindestens ein Prozent der Schulen ihre Computer auf Kopien überprüfen lassen.

Die Kontrollen sollen frühestens im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2011/12 beginnen. In dem Vertrag verpflichten sich die Länder, gegen Schulleiter und Lehrer "disziplinarische Maßnahmen einzuleiten", wenn sie mit unrechtmäßigen Kopien erwischt werden.

Der Philologenverband wies darauf hin, dass die Kontrollen auch große rechtliche Probleme aufwerfen würden, weil viele Schulen unzureichend mit Computern ausgestattet seien und die Lehrer daher ihre privaten Rechner nutzen müssten.

Die Verlage betonten, die Kontrollen würden nicht in die Privatsphäre der Lehrer eingreifen. Der Vertrag stehe im Einklang mit dem Datenschutz. Die Bezeichnung der Software als "Schul-Trojaner" sei außerdem irreführend - denn es handle sich nicht um eine heimliche Überprüfung. Den Schulbuchverlagen entstünde durch nicht zulässige Kopien ein großer Schaden.