Interviewtraining und Legal Writing
Anzeige
Noch früher, nämlich schon bei Studenten ab dem fünften Semester, setzt die "Mentorship University" von Baker & McKenzie an. Jeden zweiten Monat findet eine Veranstaltung statt: "Interviewtraining", "Legal Writing", "Einführung in die Transaktionspraxis" oder "Internationale Schiedsgerichtsbarkeit" heißen die Themen. Geladen sind ausgewählte Studenten, getrommelt wird dafür an den juristischen Fakultäten der Hochschulen. "Von 300 Bewerbern haben wir die 30 besten genommen", sagt Hiring-Partner Axel Hamm. Wenn aus den Studenten Mitarbeiter geworden sind, steht ihnen die "Inhouse University" mit Vorträgen und Workshops offen. Sie ist ein fester Bestandteil des Ausbildungsplans für die Associates.
Lovells hingegen schickt seine High Potentials lieber an die private Business School ESMT nach Berlin und zur Ashridge Business School nach England. "Dort lernen sie über anderthalb Jahre verteilt an dreimal drei Tagen das Wesentliche über Leadership, Strategieentwicklung, Business Development und Team Management", erklärt Personalpartner Christoph Hilti. In den Genuss dieses Trainings kommen die Juristen aber erst nach drei Berufsjahren, wenn sie die erste Karrierestufe erklommen haben. "Wir sagen zu den jungen Kollegen: Schwimmt euch erst mal fachlich frei und kommt zu den richtigen juristischen Ergebnissen. Wenn sie Senior Associates geworden sind, ist die Zeit für die unternehmerischen Tugenden gekommen. Die stärken wir dann sehr gezielt."
Nicht nur Paragrafenhengste
Mitarbeiter Frank Müller liefert den Beweis. Der auf Immobilienrecht spezialisierte Anwalt studiert nebenberuflich an der Immobilienakademie der Uni Regensburg und strebt nach dem "perfekten wirtschaftlichen Fundament für meinen Beruf". Lovells hat das für gut befunden und spendiert einen Kostenzuschuss und Freistellungszeit.
Bei Müller wie bei anderen ehrgeizigen Juristen ist das Aufatmen nach dem zweiten Staatsexamen also nur von kurzer Dauer. Sie müssen noch viel dazulernen, wenn sie von ihren Mandanten nicht nur als Paragrafenhengste, sondern als rechtskundige Wirtschaftsberater akzeptiert werden wollen. Und vor allem: Sie brauchen ein Gespür dafür, warum sich Unternehmer und Manager welche Ziele setzen, wie sie ihre Strategien verfolgen, was sie einen Erfolg nennen und was ihre Aktionäre ein Desaster. Ein Paukstudium schafft dafür nur die Grundlagen. Nach den neun "Academy"-Tagen am Zürichsee wird Freshfields-Anwalt Christian Krohs schon eher wissen, worauf er sich eingelassen hat.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Gehälter Der 100.000-Euro-Anwalt 03.05.2007
- Jura-Studium Mit Comics Jura lernen 21.05.2007
- Juristen-Ausbildung "Herr Anwalt, Ihr Auftritt!" 22.07.2008
- Deutsch für Verstockte 06.07.2008
- Professor vor Gericht Gute Noten gegen Sex 31.01.2008
(SZ vom 04.10.2008/bön)
Eurovision Song Contest