Nida-Rümelin: Viele Geisteswissenschaftler scheuen den unmittelbaren Kontakt mit einer breiteren Öffentlichkeit. Es gibt aber eine Bringschuld aller Wissenschaften. Gerade wir Philosophen müssen zeigen, dass das, was wir diskutieren und erforschen, helfen kann, sich in einer unübersichtlicher gewordenen Welt zurechtzufinden. Außerdem müssen wir den Missstand angehen, dass gerade in Deutschland, das in den letzten 300 Jahren nahezu die Hälfte der relevanten philosophischen Literatur beigesteuert hat, das Fach an den Schulen ein Mauerblümchendasein fristet.
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SZ: Früher war das Philosophie-Studium eine kleine Massenbewegung - mit eklatant hohen Abbrecherquoten. Was ist daraus geworden?
Nida-Rümelin: Es gibt eine ambivalente Entwicklung. Die Umstellung auf verkürzte Bachelor-Studiengänge, die in den Geisteswissenschaften an der LMU im Übrigen noch gar nicht vollzogen ist, hat insgesamt nicht zu einem Absinken der Abbrecherquote, sondern zu ihrem Anstieg geführt. In den Fächern allerdings, in denen sie bislang extrem hoch war, zeichnet sich ein Rückgang ab. Zu diesen Fächern gehört die Philosophie. Das Studium, zumal in München, war wenig strukturiert; nun müssen wir aufpassen, dass die Umstellung nicht in eine zu weitgehende Verschulung mündet.
SZ: Was kann der Münchner Absolvent in Philosophie mit einem Bachelor eigentlich anfangen? Nur ein Master-Studium anhängen?
Nida-Rümelin: Das Ziel der Wissenschaftspolitik ist, dass die meisten Studenten nach dem Bachelor abgehen und auf dieser Grundlage berufstätig sein können. Das ist generell ein Problem, in den Geisteswissenschaften vermutlich noch am wenigsten. Für den Beruf, so hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, spielen Studienfach und Schwerpunkt der Abschlussarbeit nicht mehr die zentrale Rolle. Es gibt einen immer größer werdenden Bereich der Arbeitswelt, in dem es eher wichtig ist, dass man überhaupt studiert hat. Die Unternehmen werden sich darauf einstellen müssen, dass die Absolventen künftig viel jünger sind und nach einem viel kürzeren Studium auf den Markt drängen.
SZ: Einen Teil der Ausbildung übernehmen die Firmen dann faktisch selbst?
Nida-Rümelin: Das ist bei der Umstellung die Erwartung von beiden Seiten gewesen. Anders macht das Ganze keinen Sinn. Die Hoffnung auf berufsfertige Abgänger war in vielen Fächern immer schon abwegig, weil die Universitäten theoretisch ausbilden und nicht praktisch. Mit dem Bachelor ist diese Erwartung noch absurder geworden. Insofern ahmen wir ein angelsächsisches Prinzip nach, dass nämlich die eigentliche Berufsfertigkeit erst durch learning on the job erworben wird.
SZ: Ihr Lehrstuhl wird zum Sommersemester umgesetzt. Sie lehren dann nicht mehr am GSI, an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, sondern an der Philosophischen Fakultät. Warum dieser Wechsel?
Nida-Rümelin: Ich bin mit der Zusicherung nach München gekommen, dass die politische Theorie als Schwerpunkt des GSI erhalten bleibt. Es war das einzige politikwissenschaftliche Institut in Deutschland mit zwei philosophisch ausgerichteten Lehrstühlen. 2007 wurde jedoch entschieden, den Lehrstuhl Ottmann nach dessen Emeritierung zu streichen. Hinzu kommt, dass die Politikwissenschaft in Deutschland insgesamt sich immer stärker empirisch ausrichtet und die philosophische und ideengeschichtliche Dimension eine zunehmend randständige Rolle spielt.
Julian Nida-Rümelin lehrt politische Theorie, doch dürfte der heute 54-Jährige Philosoph auch reichlich Erfahrungen mit der politischen Praxis gesammelt haben: 1998 bis 2000 war er Kulturreferent der Stadt München, von Januar 2001 an für fast zwei Jahre Kulturstaatsminister beim Bundeskanzler. Nida Rümelin studierte Philosophie, Physik, Mathematik und Politikwissenschaft in München und Tübingen, war Professor in Tübingen und Göttingen, lehrte an der Humboldt-Universität in Berlin. Seit 2004 ist er Ordinarius für Politische Theorie und Philosophie an der Universität München (LMU).
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(SZ vom 4.2.2009/bön)
Verkehrssünderdatei in Flensburg
Faschismus ist zuerst und ursprünglich Führerprinzip. Alles weitere im Zusammenhang mit Kapital kann man sich zuammenreimen.
Nationalsozialismus ist die Herrenmenschentumvariante mit Rassegesetzen und son Zeug. Vergleichbar heute mit unterschiedlichen Chancen im Bildungssystem bzgl. finanzieller Herkunft.
Neoliberalismus+Imperialismus: Ja, da sind sich Faschismus und Kapitalfaschismus wegen Lebensraum/Absatzmärkte und Kulturengenozid ziemlich ähnlich.
was ist eigentlich "Kapitalfaschismus"?
Und gibt es davon noch Steigerungsformen, z.B. "imperialistischer K." oder "neoliberaler K."?
Wobei ich mir die zarte Anmerkung erlaube, dass sowohl der italienische Faschismus als auch der nicht deckungsgleiche deutsche N. sich selbst im Gegensatz zum "kapitalistischen Westen" definiert haben. Ständestaatliche Elemente und "Volksgemeinschaft" sind nicht gerade Kernpunkte aus Manchester oder Chicago.
"Andererseits bewegt sich auch viel Geisteswissenschaftliches am Randes des Schwachsinns."
Das macht nix. Selbst das Abstruseste trägt wegen Selbstdisqualifikation zur Wahrheitsfindung bei. *g*
"Tut es in den Naturwissenschaften zwar auch nur wird es da nicht so leicht angegriffen."
Eben. 1870 hat doch niemand daran geglaubt, 30 Jahre später mit einem Apparat fliegen zu können.
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Verbinden wir jetzt mal beides, heisst das: Je mehr und vielfältigeres Geschwurbel in den neuen MassenMedien, desto besseres, gerechteres Gesellschaftsystem.*gg*
Was wollte denn z:B. Kant: Einfach, dass sich jedes Individuum aufgrund wahrer Fakten ein Wahrheitsbild macht, welches in der Summe einer Gesamtwahrheit entspricht. Aber in unseren MassenMedien werden Fakten oft falsch kolportiert oder total unterlassen. Das Schlimmste: Die Polittäter werden nicht als Selbstdisqualifikanten entlarvt. Unsere Demokratie ist eine Farce, es ist Kapitalfaschismus.
So kann sich naturlich zum 'Guten Wahren' nie was ändern.
Lautet die Frage nicht: Was empfinden/detektieren/messen wir als realer ? ;)
Aber ein bißchen mehr interessanten Philo in den Medien wäre schon besser. Andererseits bewegt bsich auch viel Geisteswissenschaftliches am Randes des Schwachsinns.
Tut es in den Naturwissenschaften zwar auch nur wird es da nicht so leicht angegriffen.
Wer lesen kann, ist im Vorteil. Da haben Sie Recht.
Sie sprechen von angeblich existierender Marktwirtschaft in feinem Staatsgefüge.
Ich spreche von realexistierendem, mafiösem KapitalFaschismus, bei dem nur noch der eigenen Suppe, .... äh, Sippe innerhalb des Tellerrandes gedacht wird.
Die Frage ist: Was ist realer? Erst dann kommen wir der Wahrheit auf die Spur.
Ne, ernsthaft: Es ärgert mich, dass sich die Geisteswissenschaften mit ihren wichtigen aufklärerischen Inhalten von der medialen Moderne so dermaßen barbieren lassen. Philosophisches Quartett Sonntag Nachts 0:30 Uhr 4-wöchentlich reicht einfach nicht.
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