Jung und schon arm: Knapp eine Million Jugendliche sind auf Hartz IV angewiesen. Die meisten können sich für den Rest ihres Lebens nicht aus der Armutsfalle befreien.
In der oberbayerischen Stadt Wolfratshausen scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Zumindest lebt dort nach offizieller Zählung kein einziger arbeitsloser Jugendlicher mehr.
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Jugendarbeitslosigkeit: Etwa 1,2 Millionen Jugendliche sind förder- oder hilfebedürftig. (© Foto: dpa)
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Auch bundesweit gibt es Erfolge zu verkünden: Die Jugendarbeitslosigkeit ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) in den vergangenen zwei Jahren um 26,2 Prozent auf etwa 306.000 zurückgegangen, deutlich stärker als die Arbeitslosigkeit insgesamt.
Die Zahlen spiegeln jedoch nur einen Teil der Wirklichkeit wider: Trotz des Konjunkturaufschwungs und der in dieser Zeit gesunkenen Arbeitslosenquote sind in Deutschland immer noch gut 900.000 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren auf staatliche Hilfe in Form von Hartz IV angewiesen.
Im Hinterhof der Wohlstandsgesellschaft
Rechnet man die knapp 300.000 Jugendlichen dazu, die Arbeitslosengeld I beziehen oder bei Förderkursen mitmachen, sind sogar etwa 1,2 Millionen Jugendliche förder- oder hilfebedürftig. Demgegenüber haben etwa 3,4 Millionen Jugendliche unter 25 Jahren einen sozialversicherten Job.
Damit kommt auf drei erwerbstätige Jugendliche mindestens einer, den die Arbeitsagenturen, Arbeitsgemeinschaften oder Kommunen innerhalb des Systems der Grundsicherung betreuen. Dies geht aus einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.
"Die Hilfsbedürftigkeit heranwachsender Jugendlicher, die im Hinterhof der Wohlstandsgesellschaft aufwachsen, wird bisher kaum thematisiert", sagt der Autor der Untersuchung, Wilhelm Adamy.
Ausgewertet hat der DGB-Arbeitsmarktexperte Statistiken der BA aus dem Sommer 2008. Danach ist vor allem in Ostdeutschland das Risiko hoch, schon als Jugendlicher arm zu werden: Mehr als jeder sechste Jugendliche ist laut der Untersuchung des Gewerkschaftsbundes auf die Grundsicherung angewiesen. Bundesweit zählt dagegen jeder Zehnte im Alter zwischen 15 und 24 Jahren zu den Hartz-IV-Empfängern.
Schlechte Bildungschancen
Auffällig in der Statistik ist die eher geringe Zahl der Arbeitslosen unter den jugendlichen Hilfsbedürftigen. Nicht einmal ein Fünftel war Mitte 2008 ohne Job. Der Großteil braucht staatliche Hilfe, weil sie selbst oder die Eltern zu wenig verdienen, um davon leben zu können. In vielen Fällen sitzen die Jugendlichen dann in der Hartz-IV-Falle. Adamy verweist auf eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Danach findet nur mehr als jeder dritte Jugendliche, der einmal Hartz IV bekommen hat, langfristig aus dem Hilfebezug wieder heraus.
Das Risiko, eine Armutskarriere zu machen, ist besonders bei Jugendlichen ohne Schulabschluss groß. "Drei Viertel der arbeitslos gemeldeten Jugendlichen ohne Schulabschluss beziehen Hartz IV", heißt es in der Studie. DGB-Experte Adamy kommt deshalb zu dem Schluss, dass "die schlechten Bildungschancen ein entscheidendes Handicap vieler Jugendlicher beim Berufseinstieg sind".
Der Experte wirft der Bundesagentur für Arbeit vor, vorrangig auf kurzfristige Instrumente zu setzen, die den hilfsbedürftigen Jugendlichen kaum Chancen für eine dauerhafte Eingliederung geben. So bekämen die jungen Leute auffällig oft Ein-Euro-Jobs zugewiesen. Damit sei das Scheitern häufig bereits programmiert.
Adamy fordert stattdessen, die praxisorientierte Qualifizierung zu verbessern, Sprachunterricht für ausländische Jugendliche und Förderkurse zu kombinieren und eine bessere Betreuung während der Fördermaßnahmen: "Gefragt sind neue Formen von Arbeiten und Lernen, die auch schulmüden Jugendlichen Mut machen können."
(SZ vom 12.2.2009/bön)
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Nachdem ansich guten Ansatz des BGH zur Hartz 4 Regelung möchte ich darauf Bestehen das das Hartz vier Geld wirklich für die Kinder Verwendet wird !
Wer soll das Sicherstellen ? So Lange das nicht Lückenlos Geklärt ist können wir Alles lassen wie es ist .
Für Kinder müssen z. B. Auszahlungs Kontrolle sowie Ausgabekontrolle her .
Wenn das nicht geregelt wird gehen die Hartz 4 Kinder alle den Weg in die Ewige Armut !
Wir wollen Gebildete , Erzogene Fleissige Kinder , die dann Später in der Lage sind auf Grund ihrer Bildung und Erziehung den Deutschen Staat zu Regieren , allerdings mit solchen Knauserigen Geizhälsen , die selber am Abend für eine Flasche Wein einen Gesamten Hartz vier Etar Verprassen geht das nicht .Es ist Bewiesen das die Deutschen Kinder und Jugendlichen immer mehr auf der Armutsstrecke bleiben, da Nützen auch Alle Gegenteilgen Lügen nichts .An ihren Früchten sind sie Alle Erkannt .
Hier hab ich die zitierte Studie von Dr. Wilhelm Adamy gefunden
http://www.arbeitnehmerkammer.de/sozialpolitik/doku/01_aktuell/ticker/2009/2009_02_13_adamy_dgb.pdf
Die Studie ist zwar durchaus interessant, greift aber imho zu kurz. Zu den Kommentaren hier ein Zitat aus der Studie:
"Doch auch im Hartz IV-System hat die weit überwiegende Mehrzahl einen Schulabschluss. Immerhin ein Viertel der arbeitslosen Jugendlichen hat auch im Fürsorgesystem die mittlere Reife und immerhin rund 6 % einen höheren Schulabschluss (Hochschulrei-fe/Fachhochschulreife). Folglich kann keinesfalls davon gesprochen werden, dass alle in Armut lebenden arbeitslosen Jugendlichen keinen oder nur einen niedrigen Schulabschluss haben."
Der Anteil der Bedürftigen steigt allerdings erwartungsgemäß bei fehlendem Schulabschluß. Auch das hat die Studie untersucht.
"Diese Jugendlichen erfahren die gesellschaftliche Spaltung bereits in jungen Jahren; sie wachsen in Verzicht auf, während andere sich nahezu alles leisten können. Zwischen Armut und Entwicklungsverlauf von Kindern und Jugendlichen gibt es aber keinesfalls einen me-chanistischen Zusammenhang. Hilfebedürftigkeit ist meist nicht die Ursache ungleicher Le-benschancen, sondern oftmals Folge. Eine gute Schule oder Wohngegend beispielsweise, auch bei gleich niedrigem Einkommen, kann kompensierend wirken, während bei Fehlen derartiger Netze und Strukturen es weit schwieriger ist, soziale und berufliche Perspektiven aufzuzeigen."
exi: Das Pseudoargument der Bildung ist nur eine miese Ausrede um von den eigentlichen Problemen abzulenken:
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ganz typisch für unsere neoliberale regierung....
studiengebühren einführen und parallel dazu über die mangelnde bildung klagen..
alle weiterbildungen für langzeitarbeitslose streichen und zugleich die mangelnde ausbildung der h4 empfänger bemängeln..
Ich gebe Ihnen Recht, daß eine bessere Ausbildung und mehr Wissensvermittlung die im Artikel beschriebenen Probleme nicht zu lösen vermögen. Die Konkurrenz um die vorhandenen Arbeitsplätze findet dann ggf. nur auf einem höheren Niveau statt und irgendwann braucht man dann schon Abitur, um die hochgelobte Karriere als LidlverkäuferIn machen zu können.
Dennoch halte ich mehr Bildung für erstrebenswert. Allerdings meine ich dabei mit Bildung ausdrücklich nicht die "Employability", also die ausschließlich auf die finanzielle Verwertbarkeit der Menschen fixierte Wissensvermittlung, sondern die klassische Bildung, die die Entfaltung der ganzen Persönlichkeit des Menschen ermöglicht. Die Wikipedia beschreibt den Begriff der Bildung ganz anders als er von den politischen Gruppierungen Heute verwendet wird. (Bernward Hoffmann: "Das Wort Bildung ist heruntergekommen zur Bezeichnung bloßen Formalwissens. Bildung ist dann nicht weit von Einbildung entfernt oder bezeichnet nur das, was gesellschaftliches Nützlichkeitsdenken der Herrschenden gerade für wichtig erachtet.")
Das Problem der Ausgrenzung der von der Wirtschaft nicht gewinnbringend verwertbaren Menschen ist das eigentliche Problem, das wir jetzt lösen müssen. Das kann aber nur funktionieren, wenn wir unsere Mitmenschen wieder als Menschen respektieren und sie nicht nur als positive oder negative Kosten/Nutzen-Bilanz als "Leistungsträger" oder menschlichen Ballast begreifen.
vor wenigen Jahren waren schulische Mängel noch kein Grund keine Lehre zu bekommen. Und jeder der heute noch als Handwerker (Maurer, Tapezierer, Schreiner, Bäcker, usw.) tätig ist, der wird sein Lebtag keine Bildung brauchen. Deshalb ist es unverständlich, warum das Handwerk neuerdings auf gute Noten in Mathe, Deutsch, Naturkunde wert legt. Man braucht keinen Th. Mann um Bretter zu sägen. Keine Mitternachtsformel um Wände zu streichen. Keine Chemiekenntnisse um Teig zu rühren.
Das Pseudoargument der Bildung ist nur eine miese Ausrede um von den eigentlichen Problemen abzulenken:
1. Ausbildung kostet Geld, wird als rein betriebswirtschaftlich gestrichen. Ungeachtet der Folgekosten die dieser Fehler langfristig mit sich bringt.
2. es gibt nicht genug Arbeit für alle Menschen. Und die Menschen mit Arbeit haben nicht genug Geld um durch Konsum neue Arbeitsplätze zu erzwingen.
Natürlich wird Hr. Adamy seine Kritik an die Regierung gerichtet haben. Aber unterm Strich ist auch Hr. Adamy in den Hartzfaschismus verfallen und hat die Schuld bei den Opfern festgemacht.
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