Jobwelt der Zukunft Arbeit wird weiblicher

Wäre die Schicksalsbank Lehman Brothers auch dann an jenem unheilvollen 15.September 2008 zusammengebrochen, hätte sie Lehman Brothers & Sisters geheißen? In anderen Worten: Wäre die Finanzkrise glimpflicher ausgefallen, würden mehr Frauen Banken und Firmen führen? Ja, meint Linda Basch, Präsidentin des National Council for Research on Women, einem Netz von gut 100 amerikanischen Forschungszentren, und nennt Studienergebnisse: "Frauen meiden volatile Investitionen, sie planen lang- statt kurzfristig und wägen mehr Faktoren gegeneinander ab." Das zeige auch die Bilanz der Finanzkrise 2008, so Basch: "Je mehr Frauen im Management einer Firma saßen, desto geringer fiel der Aktienkurs."

Das bestätigt der Marktbeobachter Hedge Fund Research Incorporated: Die Fonds, die Frauen managten, legten zwischen 2000 und 2009 um durchschnittlich neun Prozent zu, Männer-Fonds nur um sechs Prozent. Während der Finanzkrise 2008 stürzten die Männer-Fonds 19 Prozent ab, die der Frauen lediglich zehn Prozent. Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey stellte 2007 fest, dass Firmen mit einem höheren Frauenanteil im Top-Management besser abschnitten und einen höheren Börsenwert erzielten als der Industriedurchschnitt.

Frauen können besser mit Geld umgehen

Die Erkenntnis, dass Frauen besser mit Geld umgehen, setzt sich auch in Entwicklungshilfeministerien durch. Finanzhilfen zielen vermehrt auf Frauen in der Dritten Welt, weil die Gelder nachhaltig investieren, Saatgut kaufen oder die Schulgebühren der Kinder bezahlen, während Männer und Väter es lieber verprotzen und versaufen.

Man kann es also als Zeichen der Zeit sehen, dass in Norwegen 40 Prozent der Vorstandsposten von Aktienunternehmen inzwischen von Frauen eingenommen werden müssen. Oder dass die konservative Partei UMP von Nicolas Sarkozy ein Gesetz vorgeschlagen hat, wonach die Hälfte solcher Vorstandssitze in französischen Unternehmen bis 2015 weiblich besetzt sein soll.

Das Phänomen der Leaking Pipeline

Nachwuchs gäbe es auch in Deutschland genug: Schon jetzt ist mehr als die Hälfte der Hochschulabsolventen weiblich. Selbst in "männlichen" Fächern holen die Damen auf: In den Rechts- und Sozialwissenschaften, den Ingenieurwissenschaften, den Naturwissenschaften und der Mathematik stellen sie inzwischen im Schnitt knapp die Hälfte der Studenten, in der Medizin bereits 70 Prozent.

Vernunft und Fakten sprechen also dafür, dass Frauen bis 2030 gehörig Karriere machen. Doch all den eindeutigen Zahlen steht das Phänomen der sogenannten Leaking Pipeline im Weg: Je weiter die Karriere schreitet, desto häufiger bleiben Frauen auf der Strecke: Frauen machen zwar 56 Prozent der Abiturienten aus, die Hälfte der Uni-Absolventen, 43 Prozent der Promovierten, aber nur 16 Prozent der Professoren und kaum nennenswerte 1,3 Prozent der Vorstandsposten in den 100 größten Unternehmen.