Von Nicola Holzapfel

In Frankreich protestieren Studenten gegen unsichere Jobs. Die Gewerkschaften wollen auch deutsche Hochschüler mobilisieren.

"Erst Praktikum, dann Job? April, April!": Unter diesem Motto ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) für den ersten Aprilsamstag zum ersten europaweiten Praktikantenprotest auf. Demonstranten in Berlin, Paris und Brüssel wollen weiße Masken aufsetzen, die den Status von Praktikanten symbolisieren sollen: Sie sind "die Mitarbeiter, die keinen Namen, kein Gesicht haben und ständig wechseln", heißt es in dem Protestaufruf. Beim Europäischen Parlament will die Gewerkschaft eine Petition einreichen. "Es ist wichtig, dass die EU dafür sensibilisiert wird, dass Hochschulabsolventen als Praktikanten ausgebeutet werden", sagt Jessica Heyser von der DGB-Jugend.

Absolventen, Arbeitsmarkt

Hauptsache Arbeit?: Der Berufseinstieg von Akademikern ist unsicherer geworden, die Jobbedingungen haben sich verschlechtert. (© Foto: sueddeutsche.de)

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Seit Monaten wird über die "Generation Praktikum" debattiert. Sie besteht angeblich aus hoch qualifizierten Akademikern, die als billige Dauerpraktikanten über die Runden kommen müssen, weil sie keinen festen Job finden. Doch es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, ob so wirklich der Berufseinstieg heutiger Absolventen aussieht oder ob es sich eher um Einzelschicksale handelt. Im Zwischenbericht einer Studie der DGB-Jugend heißt es, es habe sich "ein regelrechter Praktikanten-Arbeitsmarkt entwickelt, durch den reguläre Jobs verdrängt werden". Repräsentative Zahlen, die das belegen, gibt es aber bislang nicht.

Die Freie Universität Berlin hat in ihrer jüngsten Absolventenbefragung erstmals nach Praktika gefragt. Wie eine vorläufige Auswertung für die Süddeutsche Zeitung zeigt, hat ein Viertel der Akademiker, die im Jahr 2000 ihr Studium abgeschlossen haben, anschließend als Praktikant gearbeitet. Dabei gibt es deutliche Unterschiede nach dem studierten Fach: Am häufigsten sind Praktika bei Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftlern. Etwa ein Drittel von ihnen verdingen sich als Praktikanten.

Das Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover untersucht seit 1989 den Berufseinstieg von Akademikern. Der Anteil der Absolventen, die ein Praktikum machen, war bisher so gering, dass er nicht extra ausgewiesen wurde. Allerdings steigt nun die Zahl. Das zeigt eine Stichprobe unter den Absolventenjahrgängen 2002/03, die jedoch nur bestimmte Studienfächer erfasst und nicht bundesweit repräsentativ ist.

Demnach gibt es unter Fachhochschulabsolventen sowie unter Informatikern und Ingenieuren nur wenige Praktikanten. Bei Sozialwissenschaftlern ist es dagegen etwa jeder Vierte, bei Wirtschaftswissenschaftlern mit Uni-Diplom hängt jeder Fünfte bis Sechste ein Praktikum ans Studium an. "Dieses Ausmaß hat uns überrascht. Aber es rechtfertigt nicht das Bild, dass hier eine ganze Absolventen-Generation als Ewigpraktikant arbeitet", sagt HIS-Forscher Karl-Heinz Minks. In der Regel sei ein halbes Jahr nach Studienende die Praktikaphase beendet.

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