Weniger Stellen, mehr Bewerber: Der Akademiker-Arbeitsmarkt.
Die Liste der Verlierer ist lang. Ingenieure gehören dazu, Betriebswirte und Juristen auch. Für die meisten Berufe ist die Zahl der Stellenmeldungen bei den Arbeitsagenturen im vergangenen Jahr gesunken. Dennoch hat die Akademiker-Arbeitslosigkeit erstmals seit 2001, als sie explodierte, leicht abgenommen. Damals zeigte die Statistik einen Zuwachs von 24 Prozent bei den Arbeitslosen mit Hochschulabschluss. Vergangenes Jahr ist ihre Zahl um 0,3 Prozent gesunken.
Arbeitslos oder nur arbeitssuchend? Hochschulabsolventen werden in der Statistik nicht mitgezählt - sie beziehen ja keine Leistungen. (© Foto: ddp)
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Fast 253.000 Hochschulabsolventen waren 2004 arbeitslos. Das zeigt der aktuelle Jahresbericht der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. Dazu kommen die fast 100.000 Berufseinsteiger, die sich direkt nach ihrem Hochschulabschluss als arbeitssuchend registrieren, aber nicht in der Statistik auftauchen, da sie keine Leistungen beziehen. Gegenüber 2003 gab es von ihnen 22 Prozent mehr Meldungen bei den Arbeitsagenturen.
Insgesamt ist die Zahl der bei den Agenturen gemeldeten Bewerber seit 2003 um fast 12 Prozent gestiegen. Dazu zählen auch Arbeitssuchende, die noch in Lohn und Brot sind, aber zum Beispiel das Ende ihres Jobs wegen Kündigung oder Befristung schon absehen können.
Ein Drittel der hochqualifizierten Arbeitslosen war länger als zwölf Monate ohne Job - wobei das Risiko, in die Langzeitarbeitslosigkeit zu rutschen, jenseits von 40 Jahren stieg. Das spiegelt sich auch in den Anforderungen der Arbeitgeber wider. Gefragt waren für die meisten Jobs junge Generalisten mit Berufserfahrung, bescheidenen Einkommensvorstellungen und den richtigen Softskills wie Flexibilität und Teamfähigkeit.
Zu den gesuchtesten Fachkräften zählten 2004 die IT-Experten. Für sie gingen deutlich mehr Job-Angebote ein als im Vorjahr. Am häufigsten wurden Informatiker und Programmierer nachgefragt. Auch Fachärzte und Akademiker für Vertrieb und Marketing hatten gute Chancen. Bei Ingenieuren meldeten die Arbeitsagenturen einen Trend zu befristeten Stellenangeboten und Gehaltssenkungen. Während Ingenieure im Baubereich einen schweren Stand hatten, war der Markt für Elektro-, Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieure entspannter.
Für Juristen war 2004 dagegen ein schlechtes Jahr. Der Einstieg gelang ihnen oft nur über unbezahlte Praktika oder freie Mitarbeit. Selbst bei Bewerbern mit Prädikatsexamen dauerte die Jobsuche im Schnitt sechs Monate. Auch bei Betriebswirten lagen die Anforderungen der Arbeitgeber hoch. Stimmten Bewerber- und Stellenprofil nicht völlig überein, wurden laut ZAV sogar längere Vakanzen in Kauf genommen.
Bei den Naturwissenschaftlern nahm die Arbeitslosigkeit 2004 im Schnitt um vier Prozent zu. Eingestellt wurde oft nur befristet für ein bestimmtes Projekt. Vor allem junge Biologen taten sich schwer. Bei manchen Berufen, darunter Physiker und Geographen, war der Markt in Westdeutschland deutlich besser als im Osten. Für Geistes- und Sozialwissenschaftler gingen bis zu 60 Prozent weniger Angebote ein. Job-Suchende mussten dem Bericht zufolge viel "Eigeninitiative und Kreativität" zeigen, um Arbeitgeber zu überzeugen.
Trotz der teils schwierigen Bewerbersituation vieler Akademiker war ihre Arbeitslosenquote von vier Prozent im vergangenen Jahr deutlich niedriger als die der gesamten Bevölkerung, die bei mehr als elf Prozent lag. Das zeigt eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB).
Das IAB hat auch untersucht, welche Rolle die Vermittlungsdienste der Arbeitsagenturen für die Stellenbesetzung spielen. Demnach erreichen nur 30 Prozent aller Ausschreibungen überhaupt die Arbeitsagenturen. Gesucht wird vor allem über Stellenanzeigen, das Internet und über Vitamin B.
(SZ vom 9.7.2005)
Urteil am Bundesverfassungsgericht