Von Von Nicola Holzapfel

Warum das Internet für die Besetzung von Stellen an Bedeutung gewinnt.

Online schafft Arbeit. Mehr als jede zweite Stelle besetzen Großunternehmen bereits über das Internet. Das zeigt eine Studie der Uni Frankfurt, die in Zusammenarbeit mit der Jobbörse Monster entstanden ist. Während im vergangenen Jahr noch mehr Jobs über die Stellenmärkte der Tageszeitungen und Fachzeitschriften ausgeschrieben wurden, liegen inzwischen die Online-Portale mit 53 gegenüber 37 Prozent vorn. Bereits 95 Prozent der befragten Unternehmen haben schon Online-Anzeigen geschaltet. 85 Prozent veröffentlichen freie Positionen auf ihrer eigenen Webseite.

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Ab in die Datenbank

Dass von den bis zu 200.000 Jobs, die der Roboter wimmi.de momentan im Netz findet, nur noch ein Bruchteil ihren Weg in die Printmedien finden, liegt am Geld. "Eine Online-Anzeige kostet laut Preisliste mit durchschnittlich 800 Euro nur bis zu einem Zehntel einer überregionalen Print-Anzeige", sagt Castulus Kolo vom Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Uni St. Gallen.

Für das Internet spricht aber nicht nur der Preis, auch bei der Verwaltung der eingehenden Bewerbungen bietet es den Arbeitgebern Vorteile. "Je mehr Bewerbungen ein Unternehmen abwickelt, desto stärker ist der Druck, das elektronisch über ein Bewerber-Managementsystem zu machen, also über eine Software, mit der die Personalabteilung Bewerbungen verwalten und mit den Bewerbern kommunizieren kann", sagt Falk von Westarp, Marketing-Leiter Deutschland vom Personaldienstleister TMP Worldwide und der Jobbörse monster. Eine E-Mail-Bewerbung kommt die Arbeitgeber im Schnitt 30 Prozent günstiger als die klassische Bewerbungsmappe: Wer sich über ein Online-Formular bewirbt, landet eben gleich in der richtigen Datenbank. Eine Bewerbungsmappe, die per Post eintrudelt, muss erst aufwändig digitalisiert werden. Jedem zweiten befragten Groß-Unternehmen ist es daher lieber, wenn der erste Kontakt übers Netz kommt.

Und noch ein Punkt geht ans Internet: Mit Online-Recruiting, also der Personalsuche übers Netz, kommen die Arbeitgeber eher zum Ziel: "Die Stellen werden online viel schneller besetzt", sagt Castulus Kolo von der Uni St. Gallen. Wie er in einer Analyse über die Entwicklung der Stellenmärkte in Deutschland feststellt, haben die Unternehmen dieses Potenzial noch lange nicht ausgenutzt. "Vor allem die mittelständischen Firmen sind das Online-Recruiting bislang nur zögernd angegangen", sagt Kolo.

Wie die Monster-Studie zeigt, haben die Mittelständler den Nutzen des Netzes aber bereits erkannt: Jede zweite befragte Firma geht davon aus, darüber in wenigen Jahren die Hälfte der Stellen zu besetzen. "Dem Mittelstand eröffnet das Internet ganz neue Chancen bei der Personalsuche", sagt Falk von Westarp. "Die Zeitungsannonce ist ihnen entweder zu teuer oder sie können gegenüber den großen Arbeitgebern nicht genug herausstechen. Bei einer Online-Anzeige geht es aber nicht um Layout oder Größe. Die Bewerber suchen nach Kategorien und Positionen. Das Ergebnis zeigt ihnen große und kleine Firmen gleichberechtigt nebeneinander."

Die nächsten Verlierer

Wenn auch die Mittelständler ins Netz abwandern, drohen auch den regionalen Zeitungen, wo sie bislang vor allem nach Personal gesucht haben, die Stellenanzeigen wegzubrechen.

Die überregionalen Tageszeitungen haben in den vergangenen Jahren bereits zwei Drittel ihres Anzeigengeschäfts an die Online-Börsen verloren. Bis 2005 wird ihnen nur noch ein Viertel des gewohnten Anzeigenvolumens bleiben wie die Analyse aus Sankt Gallen zeigt. "Das bedeutet für den Zeitungsmarkt insgesamt Umsatzverluste von 600 bis 700 Millionen Euro im Jahr", sagt Castulus Kolo. Das Geschäft mit den Stellenanzeigen bringt den Anbietern mit dem Eintritt ins Online-Zeitalter immer weniger Geld ein. Für die Arbeitgeber eine frohe Botschaft: "Sie werden in zwei Jahren nur noch die Hälfte ihres früheren Anzeigen-Budgets dafür ausgeben", sagt Kolo. Er geht davon aus, dass die Unternehmen künftig in den Zeitungen vor allem Image-Anzeigen schalten werden, in denen sie sich als Arbeitgeber vermarkten und die auf die eigentlichen Ausschreibungen im Netz verweisen.

Schwierige Auswahl

Das neue Job-Portal der Bundesanstalt für Arbeit bietet den Arbeitgebern die Funktionen der kommerziellen Jobbörsen sogar kostenlos an. Gegen den staatlich geförderten Eindringling ins Anzeigengeschäft haben Online-Portale und Zeitungsverlage vergebens protestiert. "Es ist zu befürchten, dass die Bundesanstalt damit die privatwirtschaftlichen Aktivitäten gefährdet", sagt Kolo. "Eine sinnvollere Rolle für das Arbeitsamt wäre es gewesen, den Markt der Jobbörsen transparenter zu machen."

Denn momentan gibt es keine verlässlichen Zahlen, welcher Anbieter bei Bewerbern und Arbeitgebern führt. "Zertifizierte Aussagen darüber würden den Konsolidierungsprozess unter den kommerziellen Jobbörsen beschleunigen und so letztendlich die Effizienz der Arbeitsvermittlung steigern", sagt Kolo.

Ob Jobbörsen, Unternehmens-Webseiten oder das Arbeitsamt: Die Bewerber haben sich auf die Jobmacht des Internet bereits eingestellt. Bereits ein Viertel der deutschen Online-Nutzer steuern Stellenanzeigen im Netz an. Auch die Zahl der elektronischen Bewerbungen nimmt zu und liegt der Studie der Uni Frankfurt zufolge in diesem Jahr schon bei 38 Prozent. Falk von Westarp hält es angesichts des zunehmenden Interesses der Unternehmen an Online-Bewerbungen für wahrscheinlich, dass die klassische Bewerbungsmappe eines Tages aussterben wird.

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(sueddeutsche.de)