Jobaussichten für Bewerber Auf die Spezialisierung kommt es an

Die Aussichten für Bewerber auf Jobsuche sind so gut wie lange nicht mehr, legen Statistiken nahe. Manch einer sucht trotz Fachkräftemangel dennoch vergeblich nach einer neuen Stelle. Liegt das am Arbeitsmarkt oder an der Person selbst? Volkswirt Alexander Kubis antwortet.

Interview: Jutta Göricke

Die Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in Nürnberg (IAB) zeigt, dass die Situation für Jobsuchende sich entspannt hat. 2011 kamen noch 4,2 Arbeitslose auf eine gemeldete Stelle. Doch die beste Statistik sagt nichts über den Einzelfall aus, weiß Alexander Kubis, Volkswirt und wissenschaftlicher Mitarbeiter im IAB.

SZ: Kaum eine Nachrichtensendung, in der nicht der Fachkräftemangel in Deutschland beklagt würde. Und doch gibt es Menschen, die trotz exzellenter Ausbildung und viel Berufserfahrung keinen Job finden. Was stimmt nicht mit dem Arbeitsmarkt?

Alexander Kubis: Die Klagen sind nicht unbedingt berechtigt. Aktuell gibt es nur in einzelnen Regionen oder einzelnen Berufen Engpässe. Zwar haben wir in Deutschland eine Million offene Stellen, denen aber nach wie vor knapp drei Millionen Arbeitslose gegenüberstehen. Und bei den offenen Stellen kommt es oft auf spezielle Zusatzqualifikationen an. So ist etwa innerhalb der gerne zitierten Gruppe der MINT-Fachkräfte die Lage für Elektroingenieure deutlich günstiger als für Bauingenieure. Im Durchschnitt ist die Chance, am ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, aber so gut wie lange nicht mehr.

Ist es ein individuelles oder ein strukturelles Problem, wenn jemand keine Stelle findet?

Die Wirklichkeit ist zu komplex für einfache Antworten. In der Regel steht hinter der Fachkraft eine Familie mit Kindern, ein Haus, ein soziales Umfeld. Das macht zum Beispiel einen Umzug nicht einfach. Auch will der gut qualifizierte Partner in der neuen Heimat eine berufliche Zukunft haben.

Sind die Arbeitnehmer also nicht flexibel genug?

Viele Arbeitnehmer legen heutzutage selbstverständlich weite Strecken zu ihrer Arbeitsstelle zurück. Das ist also nicht das Problem. Anders sieht es aus, wenn es ums Geld geht. Ein zu niedriger Lohn oder auch die Befristung einer Stelle wirken beschäftigungshemmend.

Haben die Arbeitgeber zu hohe Erwartungen?

Aus Sicht der Betriebe sind 32 Prozent aller Stellenbesetzungen mit Schwierigkeiten verbunden. Als Gründe werden mehrheitlich die mangelnde Qualifikation und die geringe Anzahl der Bewerber genannt. Dennoch: Ein Großteil der Neueinstellungen erfolgt aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Sind Unternehmen zu wenig bereit, in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren?

Eine unserer Studien hat gezeigt, dass das Interesse am Thema Weiterbildung in den Firmen steigt. So haben etwa im vierten Quartal 2011 mehr als 60 Prozent der befragten Betriebe angegeben, dass sie mehr Wert auf die Qualifizierung des Personals legen als früher. Auch setzen mehr als 45 Prozent auf eine verstärkte Ausbildung im eigenen Betrieb.