Rabenmütter, Alphatierchen und die Gleichstellung - Politikerinnen ziehen eine zwiespältige Bilanz zum 20-jährigen Jubliäum des Frauenministeriums.
Rita Süssmuth kann sich nur wundern. Eigentlich hätte sie geglaubt, man wäre schon weiter. Doch die jüngste Diskussion über Kinderbetreuung und die "Auflehnung" dagegen zeigt nach Ansicht der 70-Jährigen, dass sich die Gesellschaft mit Veränderungen schwer tut. Zum 20. Geburtstag des Frauenministeriums zog die erste Amtsinhaberin am Dienstag gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel, der heutigen Ministerin Ursula von der Leyen und Kabinettskolleginnen eine Bilanz der Emanzipationsbemühungen.
(© Foto: RTL)
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Ergebnis: Vieles ist gelungen, viel bleibt noch zu tun. Gerade erst am Vorabend hatten die Koalitionsspitzen noch um den Ausbau der Kleinkinderbetreuung gerungen und eine Entscheidung vertagt. In der Diskussion der letzten Wochen waren Begriffe wie "Rabenmutter" wiederauferstanden, die manche Frau längst ausgestorben wähnte.
"Noch vor 18 Jahren, im Januar 1989, löste meine Bemerkung 'auch Zweijährige können - nach entwicklungspsychologischen Erkenntnissen - schon in den Kindergarten bzw. In außerhäusliche Betreuung gehen' einen Sturm der Entrüstung aus", berichtet die damalige Frauenministerin Ursula Lehr in der Jubiläumsbroschüre des Hauses.
Tausende Protestbriefe seien gekommen, man habe sie beschimpft, die Familie kaputt zu machen. Heute sei die Forderung nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie selbstverständlich.
Süssmuth ist eingedenk der jüngsten Streitereien weniger optimistisch. Nie hätte sie geglaubt, dass der Ansatz, dass Kinder unter drei Jahren seelisch geschädigt würden, wenn sie nicht von der Mutter betreut würden, "in der Gesellschaft noch mal Resonanz finden würde". Auch Eva Herman mit ihrem Buch über Hausfrauen- und Mutterschaft zeige: "Das alles ist noch nicht ausgetragen."
Schon vor 40 Jahren habe sie sich für Frauenrechte eingesetzt und hätte nicht gedacht, dass sie nun mit fast 60 Jahren "immer noch hier sitze und über Gleichstellung diskutiere", sagt Gesundheitsministerin Ulla Schmidt.
Sie habe als Physikerin mit Männern zusammengearbeitet und hätte nicht erwartet, dass die Frauenfrage noch einmal eine solche Rolle einnehme, erinnert sich die Ost-Frau Merkel, die nach der Vereinigung ihre Polit-Karriere im Westen als Frauenministerin begonnen hatte. Immer wieder hätten in Phasen die gleichen Themen eine Rolle gespielt. Schon gegen den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz habe es großen Widerstand gegeben. Sie sei schon dankbar, dass heute nicht mehr über das Ob, sondern über das Wie der Wahlfreiheit gesprochen werde.
Dabei bricht Merkel auch eine Lanze für die Väter, damit sie nicht erst als Großväter bedauern müssten, sich nicht mehr um die Kinder gekümmert zu haben. Das neue Elterngeld habe die Barriere niedriger gesetzt. Heute gleiche eine Erziehungspause oft noch einer Mutprobe. Würden berufstätige Frauen als "Rabenmutter" bezeichnet, müssten sich kindererziehende Väter fragen lassen: "Haste nix anderes zu tun?" "Neue Männer braucht das Land", davon ist auch die frühere Familienministerin Renate Schmidt überzeugt. "Das Beste wäre, Männer könnten schwanger werden - dann hätten wir die Probleme nicht", sagt Ulla Schmidt sarkastisch.
Dass es mit den "Alphatierchen" zu Ende geht, wie von der Leyen in einem Interview fröhlich spottete und damit einen Sturm männlicher Entrüstung auslöste, glaubt die Gesundheitsministerin nicht wirklich: "Ich brauche mir nur die Riege der Ministerpräsidenten anzuschauen, dann weiß ich, wo die Alphatierchen sitzen."
Dass es allein unter Frauen eitel Sonnenschein wäre, soll aber auch niemand glauben. "Es ist mitnichten so, dass Frauen von Frauen unglaublich unterstützt werden", konstatiert Merkel. Dennoch rät sie dazu, sich zu verbünden. So hätten sich beim Streit ums Elterngeld einige Ministerinnen parteiübergreifend zusammengesetzt, um die Sache zu entwirren. "Das Ding wäre sonst gescheitert." Frauen müssten lernen, sehr rational Bündnisse zu schließen, ohne persönliche Freundschaften mit einer Sachfrage zu verbinden. "Die Frage, wie arrangiert man sich in Machtstrukturen, muss auch gelernt werden."
(AP, Susanne Ruhland)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Sowohl an die Männer als auch an die Frauen (oder in umgekehrter reihenfolge):
Schau Dich mal in zwanzig, dreißig oder vierzig Jahren an und frag Dich dann, was war wichtiger in Deinem Leben:
Für einen Industrieboss, Aktionär oder sonst einen Hai zu arbeiten, oder Deine eigenen Kinder großzuziehen und Ihnen etwas für ihr Leben mitzugeben ??!!
Eine Gesellschaft, die Ihre Kinder in Fremdbetreuung gibt, ist eine aussterbende Gesellschaft.
(siehe dazu auch Peter Hahne in "Schluss mit Lustig")
Die armen unterdrückten, benachteiligten Frauen mal wieder. Der ach so aufreibende Spagat zwischen Kind und Karriere muss sehr gesund sein, da sie im Durchschnitt sechs Jahre länger leben als Männer. Vielleicht nähert sich das mal an, wenn sich Frauen endlich ebenso stark an der Erwerbsarbeit beteiligen, in allen Berufen und Positionen, wie Männer. Und Männer dafür entsprechend mehr zur Familienarbeit beitragen. Und sowohl für Frauen wie Männer, aber vor allem für die Kinder wäre wichtig, dass die ganz dem profeministischen Zeitgeist gehorchende, einseitig am Mütterwohl orientierte Familienrechtsrealität umgebaut wird. Solange Frauen per Order de Mutti selbstherrlich im egozentrierten Interesse folgenlos die Kids entführen, den Umgang be- und verhindern, und Unterhalt abzocken können, wird sich auch die Geburtenrate nicht signifikant ändern. Als Mann ist man ja bekloppt, wenn man hierzulande ein Kind zeugt.