Es gibt offene Stellen, manche sprechen gar von einem drohenden Fachkräftemangel. Doch die Absolventen von IT-Studiengängen zeigen keine Euphorie.
Auf dem IT-Arbeitsmarkt scheint alles bestens. Der Branchenverband Bitkom vermeldet regelmäßig die gute Stimmung seiner Mitglieds-Unternehmen. Die Jobanzeigen in den Tageszeitungen haben laut dem Stellenindex des Personaldienstleisters Adecco gegenüber dem vergangenen Jahr um 150 Prozent zugelegt. Und im Internet sind zurzeit mehr als 30.000 offene Positionen für IT-Fachkräfte ausgeschrieben wie eine Erhebung der Jobbörse Monster für Deutschland zeigt.
Die IT-Branche sorgt sich um den Nachwuchs. Die Studienanfängerzahlen in Informatik sind in den vergangenen Jahren auf unter 30.000 gesunken. Da die Abbrecherquoten jedoch hoch sind, befürchtet Bikom einen Absolventenmangel. (© Foto: Pixelquelle)
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Und doch sind die Absolventen von Informatik-Studiengängen skeptisch. Jeder zweite macht sich Sorgen um seine berufliche Zukunft. Das zeigt eine Umfrage des Berliner Trendence Instituts. Im Schnitt gehen die Absolventen davon aus, dass sich ihre Jobsuche fünf Monate lang hinziehen wird.
Dass ihre Skepsis berechtigt ist, belegt der jährliche Arbeitsmarkt-Bericht der Bundesagentur für Arbeit. Demnach erwarten viele Arbeitgeber Bewerber mit Berufserfahrung. Im vergangenen Jahr richtete sich nur ein Drittel der Ausschreibungen für IT-Fachkräfte explizit an Job-Einsteiger.
"Häufig passen die Anforderungen der Unternehmen und die Qualifikation der Bewerber nicht zusammen", sagt Willi Berchtold vom Branchenverband Bitkom. Die Hochschulausbildung sei zu theoretisch. Gefragt seien Kenntnisse in der Prozessoptimierung, branchenspezifische Fachkenntnisse, Kundenorientierung, Teamfähigkeit und Fremdsprachen.
Die meisten Stellenangebote kommen derzeit laut Bitkom vom Software-Anbietern und IT-Dienstleistern. Bei einer Verbandsumfrage gaben 73 Prozent der Software-Unternehmen und 69 Prozent der Dienstleister an, dass sie für dieses Jahr ein Umsatzplus erwarten.
Wie das Trendence-Absolventenbarometer zeigt, hoffen Berufseinsteiger bei großen Unternehmen unterzukommen. Die drei beliebtesten Arbeitgeber der Jung-Informatiker sind IBM, SAP und Siemens. Unter den Top 100 finden sich nur wenige mittelständische Unternehmen. Bei der Jobsuche lohnt es sich jedoch, gerade auf diese zu achten. Denn es sind vor allem die kleineren Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiterstäbe ausbauen wollen.
Allerdings hätten 43 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten, geeignete Bewerber zu finden, meldet Bitkom. Weil auch die Studierendenzahlen in den vergangenen Jahren spürbar gesunken sind, befürchtet die Branche wieder einen Fachkräftemangel. Der Verband erinnert gar an die Geburt der Greencard im Boomjahr 2000.
Dabei lässt sich seit einiger Zeit ein ganz neues Phänomen beobachten: Deutsche Fachkräfte zieht es nach Indien. So sorgte etwa eine indische Firma diesen Sommer für Schlagzeilen, weil sie deutsche Hochschulabsolventen rekrutiert hat. Auch für IT-Fachkräfte bietet das Land Möglichkeiten. Dennoch müssten sich deutsche Unternehmen keine Sorgen machen, dass ihnen der Nachwuchs nun vor der Nase weggeschnappt wird, meint Gerrit Hermes vom indischen Outsourcing-Unternehmen Hexaware. "Kein Hochschulabsolvent wird für 600 Euro im Monat nach Indien wechseln". Zudem sei die Konkurrenz dort nicht zu unterschätzen: "Die IT-Programmierung ist sehr hoch entwickelt. Die indischen Absolventen hängen die deutschen Berufsanfänger weit ab."
Interessant sei das Land vielmehr für Berufserfahrene. "Es fehlt das geistige Know-How um Produkte zu entwickeln, die international vermarktbar sind." Für die Karriere in Deutschland, da ist sich Hermes sicher, wird sich eine Zwischenstation in Indien in den nächsten Jahren auszahlen.
Für manche Berufseinsteiger setzen solche Perspektiven jedoch erst einmal ein Umdenken voraus. Wie die trendence-Umfrage zeigt, ist zwar jeder zweite angehende Informatiker bereit ins Ausland zu ziehen. Ganze zwölf Prozent wollen ihre Heimatregion jedoch auf keinen Fall verlassen - selbst dann nicht, wenn sie ein interessantes Job-Angebot bekämen.
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