Die gescheiteste Uni? Das tollste Restaurant? Der Mensch liebt Rankings. Sie helfen ihm, eine unübersichtlich gewordene Welt zu sortieren. Wie Unternehmen zum Arbeitgeber des Jahres gekürt werden.

Jutta Göricke fragte Robert Schäfer von der Corporate Research Foundation, woran man den Arbeitgeber des Jahres erkennt.

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SZ: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben den Top-Arbeitgeber in Deutschland gefunden. Wer ist das und warum?

Schäfer: Zu unserer eigenen Überraschung ein mittelständisch geprägtes Unternehmen aus der Medizintechnik-Branche: B. Braun Melsungen. Bislang haben sich ja eher große Konzerne wie Siemens, BMW oder Novartis hervorgetan, wenn es um Personalmanagement geht. Braun hat in allen evaluierten Bereichen überdurchschnittlich gut abgeschnitten, bei den Arbeitsbedingungen, der Vergütung, den Entwicklungsmöglichkeiten, der Unternehmenskultur und -führung und beim Kriterium Unternehmensentwicklung und Image.

SZ: Genau genommen müsste man sagen: Sie haben nicht den, sondern nur einen Top-Arbeitgeber gefunden. Denn andere Rankings sehen andere Firmen an der Spitze. Wodurch unterscheidet sich Ihr Auswahlverfahren von anderen?

Schäfer: Durch den Blick von außen. Bei uns gehen erfahrene Wirtschaftsjournalisten in die Betriebe und recherchieren dort. Sie führen Interviews mit der Geschäftsführung, einem Angestellten mit Führungskompetenz und mit einem Trainee. Das Ganze geschieht auf der Basis von Fragebögen, die im Vorfeld ausgefüllt wurden und zum Beispiel Auskunft über Weiterbildung im Betrieb oder den Frauenanteil in höheren Führungsebenen geben. Da kann der Interviewer dann auch Schwachstellen auftun und nachbohren. Andere Rankings operieren mit Informationen von innen, etwa Mitarbeiterzufriedenheits-Analysen, denen man glauben darf oder nicht.

SZ: Wie kommt denn die Auswahl der Firmen zustande?

Schäfer: Wir gehen auf Unternehmen zu, die uns von Experten wie der Unternehmensberatung Kienbaum empfohlen werden, weil sie für die Qualität ihrer Personalarbeit bekannt sind. Das sind insgesamt etwa 300. Aus denen werden dann die Firmen ausgewählt, die am Wettbewerb teilnehmen dürfen - gegen einen Kostenbeitrag. Im letzten Jahr haben sich 51 Firmen qualifiziert.

SZ: Was bringt das den Firmen?

Schäfer: Sie bekommen eine Analyse ihrer Schwächen und Stärken und können das letztlich zu PR-Zwecken einsetzen. Denn wer ein Top-Arbeitgeber ist, auf den werden auch Top-Absolventen und High Potentials zugehen.

SZ: Über welchen Zeitraum wird geprüft, wenn es beispielsweise um die Aufstiegsrate von Absolventen in Führungspositionen geht?

Schäfer: Da hat man die letzten fünf Jahre im Blick. Andere Fragen werden allerdings aktueller beantwortet, je nach Inhalt eben.

SZ: Wie wäre es mal mit einem Ranking der Top-Job-Rankings?

Schäfer: Gerne. Wir sind zu allem bereit in dem Bewusstsein, dass Qualität sich durchsetzt.

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(SZ vom 21.5.2005)