Konservativ statt kreativ: Wie sich Manager als Bewerber am besten präsentieren.
Nicht jeder Chef wird in die bessere Position gelobt. Es gibt auch Bosse, die sich ganz normal bewerben müssen. Consultant Michael Lorenz präsentiert in seinem Bewerbungsbuch, erschienen im Haufe- Verlag, Musterbriefe für Manager. Jutta Göricke fragte nach.
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SZ: Wie bewirbt sich ein Chef?
Lorenz: Sofern er im Laufe seiner Berufsjahre kein Netzwerk aufgebaut hat: so wie jeder andere. Er studiert Stellenanzeigen und Jobprofile, setzt ein Bewerbungsschreiben auf und stellt eine Mappe zusammen.
SZ: Ein Manager mit Bewerbungsmappe - ist das kein Armutszeugnis? Ist ein gut funktionierendes Netzwerk nicht die einzig brauchbare Visitenkarte für eine erfolgreiche Führungskraft?
Lorenz: Nicht unbedingt. Nehmen Sie nur den Fall, dass jemand die Branche wechseln will, weil er sich neu orientieren möchte. Wobei mal dahingestellt sei, ob er sich verändern muss, weil er in seiner alten Branche nicht erfolgreich war. Es gibt auch Firmen, die bewusst jemanden einstellen wollen, der frischen Wind ins Unternehmen bringt.
SZ: Sehen die Bewerbungsunterlagen eines Geschäftsführers anders aus als die eines Vertriebsassistenten?
Lorenz: Im Gegensatz zu denen eines Mitarbeiters sollten sie Resultate dokumentieren. Erfolge, die nachweislich aus der eigenen Arbeitsleistung herrühren.
SZ: Wie kann man seine Führungskompetenz anschaulich darstellen?
Lorenz: Auch hier gilt: Glaubwürdigkeit zählt. Daher ist es gut, andere für sich sprechen zu lassen und als Beleg ein Set von Referenzen zusammenzustellen, etwa von ehemaligen Vorgesetzten. Auf Behauptungen, wie man sie aus üblichen Bewerbungsbriefen kennt, sollte man unbedingt verzichten. Denjenigen, der damit angefangen hat, unqualifizierte und unüberprüfte Attribute wie "kommunikativ, teamfähig, engagiert" und so weiter in den Bewerbungskontext einzuführen, sollte man ohnehin hart bestrafen.
SZ: Muss ein Manager noch sein Abizeugnis vorzeigen?
Lorenz: Das halte ich für Unsinn. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die besagen, dass Schulnoten für den späteren Erfolg im Berufsleben kaum Aussagekraft haben. Aber in der Tat: Das Abiturzeugnis wird häufig noch erwartet.
SZ: Was gehört denn unbedingt in die Unterlagen?
Lorenz: Ich finde Diplomurkunde und Arbeitszeugnisse völlig ausreichend.
SZ: In Ihrem Buch bieten Sie "die besten Bewerbungsmuster" an. Sollte ein Manager nicht seine Kreativität unter Beweis stellen und sich daher nicht sklavisch an vorgefertigte Muster halten?
Lorenz: Nur die wenigsten Führungskräfte müssen ausdrücklich kreativ sein. Bewerbungen sollten signalisieren: Ich gehöre dazu, und nicht etwa: Ich will anders sein. Deshalb ist es auch besser, in Boss oder Brioni aufzutreten und nicht etwa im Hawaiihemd, solange man nicht in die Touristikbranche will. Und selbst dort wird das auf Führungsebenen nicht zum Erfolg führen.
(SZ vom 8.5.2004)
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