Von Tanjev Schultz

Zum Wirtschaftsdiplom in sechs Semestern: Wie man schneller studiert als andere.

Die meisten Wirtschaftsstudenten brauchen länger als zehn Semester bis zum Diplom. An der Uni Stuttgart-Hohenheim schaffte es Christoph Suthaus, 24, in sechs Semestern. Für seine Leistung wurde dem Absolventen, der mittlerweile für eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft arbeitet, ein Preis der Hochschule verliehen.

Anzeige

SZ: Ihre Universität ist sehr stolz auf Sie, weil Sie so schnell waren. In einer Mitteilung der Uni ist sogar von nur fünf Semestern die Rede.

Suthaus: Da haben die sich verzählt, also es waren sechs Fachsemester. Aber sicher ist das auch ganz schön schnell.

SZ: Wie haben Sie das hinbekommen?

Suthaus: Ich war sehr motiviert. Und ich habe gleich erkannt, dass die Uni nur einen Rahmen vorgibt. Viele orientieren sich an dem vorgegebenen Studienplan. Aber der ist ja nur ein Vorschlag. Im Rahmen der Prüfungsordnung bleiben jedem noch viele Gestaltungsmöglichkeiten.

SZ: Durften Sie denn die Zwischenprüfung schon früher ablegen als andere?

Suthaus: Bei uns gab es keine klassische Zwischenprüfung. Nach einer bestimmten Zahl und Zusammensetzung von Leistungsnachweisen hat man das Vordiplom bestanden. Eine eigene Prüfung musste ich nicht machen. Nach drei Semestern hatte ich das Vordiplom.

SZ: Sie haben wie wild "Scheine" gesammelt.

Suthaus: Ja, insgesamt waren mehr als 20 Scheine nötig, jeweils für Vordiplom und Diplom. Und dann habe ich Vorlesungen, die etwa erst für das vierte Semester gedacht sind, früher gehört. Wenn man mutig ist, kann man schon vieles früher erreichen.

SZ: Im universitären Massenbetrieb gibt es aber immer wieder den Fall, dass Seminarplätze ausgelost werden müssen, weil der Andrang viel zu groß ist. Wer Pech hat, muss ein oder zwei Semester warten.

Suthaus: Solche Probleme hatte ich glücklicherweise nicht. Das ist natürlich auch ein Vorteil einer vergleichsweise kleinen Universität wie Hohenheim.

SZ: Und ich nehme an, Sie mussten auch nicht nebenher jobben?

Suthaus: Stimmt. Vielleicht hätte ich das Studium auch trotz Jobbens schnell geschafft - ich denke schon, dass es möglich gewesen wäre, aber das ist jetzt hypothetisch. Jedenfalls kenne ich andere Studenten, die ebenfalls nicht jobben und dennoch länger bis zum Abschluss brauchen. Ob der Umkehrschluss zulässig ist, sei dahingestellt.

SZ: Haben Sie Verständnis für Studenten, die länger brauchen?

Suthaus: Das ist eine persönliche Entscheidung. Als Student zu leben, ist ja auch ganz schön. Ich habe die Zeit sehr genossen.

Leser empfehlen 

(SZ vom 21.11.2005)