Durch das ständige Hantieren mit dem Blackberry versuchen Manager beruflichen Druck abzubauen, meint der Jesuit und Philosoph Michael Bordt - und plädiert für den zeitweisen Entzug vom Mobiltelefon.
SZ: Herr Professor Bordt, manche Menschen haben zu ihrem Blackberry oder iPhone ein innigeres Verhältnis als zu ihrem Partner. Was ist passiert?
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"Manche Menschen flüchten mit dem Blackberry aus der Realität": Michael Bordt kann erklären, warum manche Menschen ihren Smartphones mehr Aufmerksamkeit schenken als ihren Partnern. (© AFP)
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Michael Bordt: Die neuen Kommunikationsmittel haben unser Leben drastisch verändert. Wir sind mit einer Überfülle an Informationen konfrontiert und müssen ständig erreichbar sein. Das führt bei den meisten Menschen zu einer ständigen inneren Unruhe. Viele haben Angst, etwas zu verpassen. Gerade Führungskräfte meinen, sie könnten ins Hintertreffen geraten. Deshalb kümmern sich manche um ihren Blackberry mehr als um den Partner.
SZ: Aber ist die Angst nicht sogar begründet, da auch die Konkurrenten ständig mit dem Blackberry hantieren?
Bordt: Die Angst ist nur teilweise begründet. Wer jede neueste Information auf dem Blackberry, per SMS oder im Internet bekommen will, handelt ineffizient. Informationen müssen priorisiert werden, damit man sie sinnvoll verwerten kann. Führungskräfte müssen sicherstellen, dass sie nur jene Informationen bekommen, die für ihre Entscheidungen wichtig sind. Der Rest stiehlt ihnen die Zeit. Es ist doch nicht die Aufgabe von Managern, sich selber möglichst viele Informationen zu besorgen.
SZ: Funktioniert das?
Bordt: Ja. Um Informationen zu priorisieren, braucht man aber eine Struktur. Das können Mitarbeitergruppen, zum Beispiel E-Mail-Verteilergruppen sein, die nur ganz bestimmte Informationen bekommen. Andere Gruppen bekommen andere Infos. Dazu braucht man aber Leute, die dieses elektronische Raster festlegen, über das die vielen Einzelinformationen zugeordnet und gefiltert werden. Führungskräfte müssen vor allem dafür sorgen, dass ihnen ihre Mitarbeiter die richtigen Informationen liefern.
SZ: Nun finden es manche Menschen aber schick, sich ständig mit dem Blackberry zu präsentieren. Werden die neuen Kommunikationsmittel zur Droge?
Bordt: Durchaus. Durch das ständige Hantieren mit dem Blackberry soll oftmals beruflicher Druck abgebaut werden. Doch das ist eine Illusion. Das Bedürfnis, nur keine Information zu verpassen, erzeugt innere Spannungen. Die will man reduzieren, indem man handelt und wieder auf den Blackberry schaut. Den Blackberry beiseite zu legen, bedeutet, den Druck auszuhalten. Wer sich in einer Konferenz langweilt, sollte das mal ohne Blackberry durchstehen. Konflikte im Unternehmen oder zähe Verhandlungen und Sitzungen sind manchmal notwendig. Damit wird die Möglichkeit für ausgereifte und kluge Entscheidungen geschaffen und genau die bringen eine Firma wirklich weiter.
SZ: Wie gelingt der Entzug?
Bordt: Manche Menschen flüchten mit dem Blackberry aus der Realität. Sie müssen wieder lernen, Spannungen auszuhalten. Sie sollten sich bewusst machen, was in ihnen abläuft, warum sie vor sich davonlaufen und warum sie Konflikte scheuen. Sie müssen lernen, die Kommunikationsmittel zu ihrem Nutzen und damit klug einzusetzen. Sonst kleben sie wie Getriebene daran fest.
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Realitätsflucht dürfte eher sein, sich in einem Kloster vor der Realität zu verstecken. Ein Jesuiten-Pater rät Managern; so wie Bischöfe, Kardinäle und Päpste sich zur Familienplanung und zum Sex äußern ? Lieb’s Herrgöttle von Biberach, lass den Klosterbruder mal eine kleine Firma mit 5 bis 50 Mitarbeitern gründen. Ein paar Jahre später befragen wir ihn dann erneut zum Sinn und Zweck von Kommunikationsmitteln. Gehen der SZ kompetente Gesprächpartner aus?
GLu