Körpersprache im Büro "Füße sagen immer die Wahrheit"
Anzeige
Joe Navarro hat als FBI-Agent mehr als 25 Jahre lang Verbrecher entlarvt - oft anhand ihrer Körpersprache. Er erklärt, wodurch wir uns verraten und wie wir unsere Gesten beeinflussen können.
FBI-Agent Joe Navarro erkennt nach mehr als 25 Dienstjahren sofort, wenn jemand lügt. Heute unterrichtet er das Entschlüsseln nonverbaler Kommunikation an Universitäten und berät noch immer amerikanische Geheimdienste.
FBI-Agent erklärt Körpersprache Daumen hoch!
sueddeutsche.de: Herr Navarro, Sie haben schon viele Kriminalfälle gelöst, weil die Täter sich durch ihre Körpersprache verraten haben. Welcher Fall ist Ihnen besonders in Erinnerung?
Navarro: Ich hatte einmal mit einem Soldaten zu tun, der in Deutschland stationiert war und der Spionage verdächtigt wurde. Er war bereits überführt, aber er weigerte sich, zu verraten, wer seine Komplizen waren. Irgendwann setzte ich mich ihm sehr nahe gegenüber und las die Namen der Verdächtigen laut vor. Er sagte kein Wort, aber bei zwei Namen, zogen sich seine Pupillen deutlich zusammen. Das passiert uns allen automatisch, wenn wir uns bedroht oder unwohl fühlen. Natürlich war das noch kein Beweis, aber ein deutlicher Hinweis. Wir haben diese beiden Personen dann separat befragt - und beide legten ein Geständnis ab.
sueddeutsche.de: Welcher Teil unseres Körpers ist am ehrlichsten, wo sollten wir hinsehen?
Anzeige
Navarro: Sowohl das Gesicht als auch unsere Füße offenbaren unsere Emotionen. Aber während wir unser Gesicht verziehen und eine Art Maske aufsetzen können, sind unsere Füße immer ehrlich. Unser Gesicht haben wir eher unter Kontrolle, schon allein weil wir so erzogen sind. "Mach kein solches Gesicht" hören Kinder von ihren Eltern, wenn sie angeekelt auf ein Essen blicken, das ihnen nicht schmeckt. Unser Gesicht wird dazu erzogen, zu lügen. Unsere Füße sind da viel freier. Wenn jemand mit Ihnen am Tisch sitzt, aber eigentlich dringend woanders hin möchte, lächelt er sie vielleicht trotzdem noch freundlich an - aber seine Füße zeigen bereits unterbewusst in die Richtung, in die er eigentlich aufbrechen möchte.
sueddeutsche.de: Wie verraten sich Verbrecher durch ihre Füße?
Navarro: Ich erinnere mich an eine Frau, die ich im Zusammenhang mit einer schweren Straftat als Zeugin verhörte. Stundenlang drehten wir uns im Kreis, die Befragte zeigte keine auffälligen Verhaltensweisen. Ich merkte jedoch, dass sie die ganze Zeit mit ihrem Fuß wippte. Weil die Bewegung relativ konstant war, schien mir das zunächst irrelevant. Bis ich die Frage stellte: "Kennen Sie Clyde?" Sofort fing der Fuß der Frau an, heftig auszuschlagen. Für mich ein eindeutiges Indiz dafür, dass der Name eine negative Wirkung auf sie hatte. Später im Verhör gab sie dann zu, dass dieser Clyde sie zum Diebstahl von Militärakten angestiftet hatte. Ihre Körpersprache gab uns also den richtigen Hinweis.
sueddeutsche.de: Wie haben Sie gelernt, die Körpersprache anderer Menschen zu entschlüsseln?
Joe Navarro: Ich kam mit acht Jahren aus Kuba in die USA. Damals sprach ich noch kein Englisch, deshalb habe ich früh begonnen, auf die nonverbalen Signale meiner Mitmenschen zu achten. Mögen sie mich oder mögen sie mich nicht? Anhand ihrer Körperhaltung fand ich das bald heraus, ohne mit ihnen gesprochen zu haben. So wurde ich früh zu einem guten Beobachter.