Wirtschaftspädagoge Karlheinz Geißler über die individuellen Rhythmen und die Ökonomie des Lernens.

Schneller, preiswerter, effizienter soll das Studium werden: Nahezu alle Umbaumaßnahmen in den Münchner Hochschulen zielen zurzeit darauf. Die Studenten und ihre Lernprozesse aber geraten, so fürchtet der Münchner Zeitforscher Karlheinz Geißler, darüber in Vergessenheit. Der Wirtschaftspädagoge von der Universität der Bundeswehr beschäftigt sich mit Zeitaspekten des Lernens, Zeitmanagement und Zeitgeist.

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SZ: Gibt es das: die beste Studienzeit am Tag, in der Woche, im Jahr?

Geißler: Ja, und zwar jeden Tag von etwa neun Uhr morgens an. Im durchschnittlichen biologischen Rhythmus sind es die Stunden zwischen neun und zwölf, in denen das Kurzzeitgedächtnis bereit ist, viel zu lernen. Für das Langzeitgedächtnis ist eher der Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr günstig - individuelle Schwankungen einmal nicht berücksichtigt. Jeder Student sollte seine Lern-Systematik darauf abstimmen. Wenn ich für die Prüfung am nächsten Tag pauke, dann am besten morgens. Und auch jahreszeitliche Rhythmen gibt es, aber die sind noch zu wenig erforscht.

SZ: Was ist mit den Rhythmen, die die Universität vorgibt?

Geißler: Insgesamt haben wir drei Zeitmuster, die einander überlagern und die balanciert werden müssen: die erwähnten biologischen Rhythmen, dann die administrativen Zeitmuster der Hochschulen - Hauptvorlesungen zum Beispiel fangen ja meist erst gegen zehn, elf Uhr an. Und dann noch das Zeitmuster der Gruppenarbeit, wenn ich mit anderen lerne. Um das alles zu balancieren, muss man ein bisschen was von Zeitmanagement verstehen und von sich selbst, von seinem individuellen Rhythmus.

SZ: Langzeitstudenten sind demnach einfach schlechte Manager ihrer selbst?

Geißler: Nein, ich sehe es eher so, dass viele Studenten neben dem Studium jobben müssen, und ich finde das sehr produktiv. Sie lernen auf diese Weise nebenher schließlich die Arbeitswelt kennen. Aber an den Hochschulen wird rein administrativ gedacht: Langzeitstudenten sollen raus. Das ist eine seltsame Argumentation, die die positiven Lerneffekte nicht berücksichtigt: Wenn doch jemand nachweisen kann, dass er gut gearbeitet hat und die Arbeit auch noch mit den Studieninhalten in Beziehung bringt, dann sollte er auch ein, zwei Semester länger studieren dürfen. Die Hintergründe für längere Studienzeiten sollten individuell berücksichtigt werden.

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