Besonders groß ist die Unruhe beim wissenschaftlichen Nachwuchs. Assistenten sehen durch massive Kürzungen die Chance schwinden, sich für ein Professorenamt zu qualifizieren. Der Sprecher des so genannten Akademischen Mittelbaus in Bayern schildert die Lage.
SZ: Wieso treffen die Einsparungen Assistenten besonders?
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Beister: Es ist die Gruppe, die vor allem befristete Verträge hat. Sie laufen am schnellsten aus und müssen einfach nicht verlängert werden. Die Assistenten hätten somit im wesentlichen den Stellenabbau zu erbringen. Sicherlich sind auch Professoren betroffen. Es gibt bereits Absagen bei Berufungen. Das hat nachhaltige Qualitätsverluste zur Folge.
SZ: Sie teilen also die Meinung von Studenten und Professoren, die von einem "Kaputtsparen" reden?
Beister: So wie es jetzt geplant ist, muss ich dem zustimmen. Wir können 2004 nicht zehn Prozent einsparen. Selbst wenn die LMU sämtliche frei werdende Stellen nicht wieder besetzen würde, könnten sie das nicht einbringen.
SZ: Was fordern Sie, einen Aufschub bis 2006?
Beister: Mindestens eine Streckung bis 2006. Die Prozentzahl halte ich dann immer noch für viel zu hoch.
SZ: Werden Sie sich diese Woche dem Studentenprotest anschließen?
Beister: Beamte dürfen nicht streiken.
SZ: Haben Sie noch Hoffnung, dass die Hochschulen zu guter Letzt doch noch verschont bleiben?
Beister: Ich hatte erst gehofft, dass das ein Paukenschlag ist, der mit der Zeit abgemildert wird. Doch vergangene Woche hat Wissenschaftsminister Thomas Goppel keinen Zweifel daran gelassen, dass er an den Kürzungen festhalten will. Vielleicht hat die Regierung ja Einsicht, wenn sie die Folgen ihrer Politik sieht.
SZ: Was befürchten Sie?
Beister: Ich habe schon Nachrichten aus Erlangen, Würzburg und Augsburg. Die Assistenten sind völlig verunsichert. Sie haben Angst ihre Promotion oder Habilitation nicht fertig machen zu können. Am schlimmsten betroffen sind die experimentellen Fächer. Dort werden die Praktika von Doktoranden gehalten. Sie haben besonders kurzfristige Verträge. Wenn sie gehen müssen, bricht die Ausbildung größtenteils zusammen.
SZ: Die Studentenzahlen sollen steigen, zugleich wird gekürzt. Was heißt das für die Lehre?
Beister: Wir haben schon jetzt größte Probleme, unsere Lehrveranstaltungen unterzubringen. Räume fehlen uns zunehmend, weil wir immer mehr Studenten bekommen. Wenn das so weiter geht, müssen wir die Intensivkurse, also Übungen und Praktika, weiter reduzieren. Es gibt dann fast nur noch Vorlesungen. Das aber bedeutet für die Studenten eine schlechtere Vorbereitung und längere Ausbildungszeiten.
SZ: Ist es auch für Sie ein Wahlbetrug?
Beister: Nein, aber ein Vertrauensverlust. Die Nachrichten vor der Wahl waren ganz anders. Jeder ging davon aus, dass der Bildungsbereich von weiteren Einsparungen ausgeschlossen bleibt. Wir sind bereit zu sparen, wo es nur geht. Aber es muss mit uns durchdacht sein.
Interview: Christine Burtscheidt
(SZ vom 18.11.2003)
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