Ein Coach soll seine Kunden beruflich weiterbringen. Doch viele Berater arbeiten schlecht. Woran man einen guten Coach erkennt.
Siegfried Greif leitet den Fachbereich Organisations- und Arbeitspsychologie an der Uni Osnabrück und arbeitet zudem als Coach und Prozessberater. Ingrid Ostlender fragte den Professor, was einen Coach vom Scharlatan unterscheidet.
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SZ: Warum machen Sie sich für mehr Qualitätskontrolle im Coaching stark?
Greif: Coaching ist eine Dienstleistung, die Fragen aufwirft: Bringt es mehr als mit einem Freund oder Kollegen über berufliche Probleme zu sprechen? Kann das nicht jeder? Ist dafür eine Ausbildung erforderlich? Darauf brauchen wir Antworten, die evaluiert, also wissenschaftlich oder von unabhängigen Experten überprüft werden. Durch gutes professionelles Coaching können sehr nützliche Ergebnisse erzielt werden. Ich bin aber sicher: Evaluation wird zeigen, dass viele Coaches schlechte Arbeit machen.
SZ: Wann arbeiten Coaches unqualifiziert, und welchen Schaden können sie anrichten?
Greif: Das sind häufig Naturtalente, die einen guten Anfangserfolg erzielen, weil sie sehr schnell eine Beziehung herstellen können und bei Klienten eine Anfangsbegeisterung erzeugen. Oft fühlt man sich sofort verstanden. Aber die Probleme werden nicht gelöst, die Ziele - lang- und mittelfristig - nicht erreicht.
SZ: Wie sieht man, ob jemand gut ist?
Greif: Gute Coaches unterscheiden sich von Scharlatanen darin, dass sie eine professionelle Ausbildung haben, aktuelle Methoden kennen und transparent arbeiten. Sie versuchen nicht, suggestiv auf Klienten einzuwirken, sondern geben Auskunft über ihre Arbeitsweise und legen beim Vertragsabschluss sehr sorgfältig Bedingungen und Umfang des Coachings fest. Vor allem aber evaluieren sie die Ergebnisse: Erreicht der Klient seine Ziele? Werden Entwicklungsmöglichkeiten genutzt? Wie bewerten Klienten den Prozess? Ein weiteres Qualitätskriterium ist, dass Coaches ihre Arbeit von anderen bewerten lassen und in regelmäßiger Supervision gerade die schwierigen Fälle analysieren.
SZ: Ist Supervision denn nicht selbstverständlich?
Greif: Leider noch nicht. Es springen viele Trittbrettfahrer auf den Zug auf.
SZ: Heißt das, auch bekannte Coaches können Scharlatane sein?
Greif: Ich möchte das nicht ausschließen. Das wirksamste Mittel gegen Scharlatane ist die Selbst- und Fremdevaluation. Und da wäre ich neugierig, ob alle bekannten Coaches sich evaluieren ließen.
SZ: Nach welchen Kriterien sollte man einen Coach für sich auswählen?
Greif: Noch geschieht das vorwiegend informell durch Empfehlungen. Da ist es wichtig, dass sie von kompetenten Leuten kommen. Die Begeisterung von Klienten nach dem Motto: "Ich fühle mich toll, habe da viel über mich nachgedacht" ist noch kein ausreichendes Qualitätskriterium. Erst wenn konkrete Ergebnisse und nachhaltige Begeisterung erzielt werden, hat ein Coach gute Arbeit geleistet. Natürlich kann man auch auf die vorhandenen Verbände und deren Datenbänke zurückgreifen. Aber auch das ist erst ein Anfang und noch keine Qualitätsprüfung, wie man sie sich wünschen würde. Die Verbände arbeiten daran, Standards für Ausbildung und Auswahl aufzubauen.
SZ: Wie bedeutsam ist die Persönlichkeit des Coachs?
Greif: Ein Coach braucht enorm viel soziale Kompetenz und sollte zudem etwas von den Problemen in Unternehmen verstehen. Aber er hat eine Rolle im Hintergrund. Die Klienten sollten von sich begeistert sein, davon, was sie alles geschafft haben - und nicht vom Coach.
(SZ vom 15.11.2003)
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