Die anonyme Bewertung von Lehrern im Internet kann laut Gericht "der Orientierung von Schülern und Eltern dienen". Einige Jugendliche nutzen die Webportale allerdings auf ganz besondere Art.
Die anonyme Bewertung von Lehrern im Internet könne "durchaus der Orientierung von Schülern und Eltern dienen und zu einer wünschenswerten Kommunikation, Interaktion und erhöhten Transparenz führen" - mit dieser Begründung erklärten die Richter am Oberlandesgericht Köln am Dienstag die Beurteilung einer Lehrerin durch ihre Schüler auf der Internetseite spickmich.de für rechtens. Wie einige Jugendliche den kommunikativen Auftrag wahrnehmen, den die Richter in Webportalen wie spickmich.de erkennen wollen, zeigt ein Blick ins Internet.
Internetseite spickmich.de: Im Vergleich zu anderen Portalen erscheinen die Kommentare hier fast harmlos. (© Foto: dpa)
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In der Internet-Community Schüler-CC etwa wird angeregt über Frau B., Lehrerin an einem ostdeutschen Gymnasium, diskutiert. Für die einen ist sie "das Ekeligste, was je geboren wurde", andere empfinden "nur abgrundtiefen Hass". Einer hat sie "soo lieb", dass er "ihr den Kopf abhacken könnte". Einig sind sich alle über ihren Mundgeruch. Kurz: "Die Alte ist so hohl."
Aussagekräftig auch, was der User Porno am 19.Juli 2006 auf iphpbb.com über seine Lehrerin Frau A. berichtet: "Ich fang mal mit der A. an, dieser Drecks ... Ausgeburt...*! Das ist die größte Schlampe, die es gibt. Macht in der vorletzten Woche noch eine Doppelstunde voll Stoff. Ich hasse sie! Ich töte sie! Ich würde sie aufschlitzen, ihre Beine wegschießen und sie solange quälen bis ihr die Höhle, in die ich sie schicke, wie der Himmel vorkommt."
"Wer ist der Hasslehrer?"
Richtig harmlos erscheinen dagegen die Kommentare auf spickmich.de: "Passt auf, der Witz des Jahres: Wie kann man die umbringen? Den Gürtel enger machen, dann erstickt die." Ein anderer spickmich-Schüler warnt eindringlich vor seiner Politiklehrerin: "Sprecht sie niemals an, sie ist eine Ziege".
Auf razyboard.com fragt Userin Sabs mal so in die Runde: "Ich würd gern wissen, wer euer absoluter Hasslehrer ist. Also meiner is eindeutig der W.! Der is soo zum Kotzen. Naja, hab ja auch schon einen Verweis von dem. Ist mir aber egal."
Die Hasslehrer-Frage beschäftigt auch Oriq: In dem Forum worldofplayers.de schreibt er: "Mein Hasslehrer ist ein Mathe-Geolehrer an unserer Schule. Der läuft immer hinter 'nem Mädchen lang, bei dem man(n) den Tanga sieht. Zufälligerweise lässt er dann auch noch einen Bleistift fallen, so dass er genau unter den Rock schauen kann. Außerdem bevorzugt er Mädchen mit weitem Ausschnitt."
Auf der gleichen Internetseite teilt Tasadar mit: "Ich habe eine Lehrerin, die ist das Schlimmste, was es gibt. Sieht nicht nur aus wie 'ne Hexe, redet auch so kratzig: Und sie ist schon so alt, dass sie schon tot sein könnte! Ich würde sie am liebsten anzünden!"
* Von der Redaktion entschärft
Auf der nächsten Seite: Wie Referendare sich über ihre Schüler äußern.
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- "Spickmich"-Urteil Schüler dürfen auch benoten 27.11.2007
- Schüler bewerten Lehrer Petzen! Sechs! 08.11.2007
- Berufswahl Zum Lehrer nicht geeignet 12.10.2007
- Bildungsexperte Jeder vierte Lehrer überfordert 20.09.2007
Christopher Lee zum 90.
Also, bei all den Beiträgen raucht einem der Schädel. Tragisch finde ich aus meiner Lehrerperspektive, dass wir irgendwie nicht normale Arbeitnehmer sind (wie es in der freien Wirtschaft auch der Fall ist), sondern als eine abgegrenzte Spezies behandelt werden (nur nebenbei: nicht alle Lehrer sind Beamte und damit unkündbar und mit den gleichen Vorzügen und Gehälter bzw. Bezügen). Als ich das Lehramt studierte, war es ein ganz normaler Beruf - aber das ist er nicht. Wir müssen uns von allen Seiten "Haue" einholen, und neben der rechten (Elternseite) nun auch die linke "Backe" (Schülerseite) hinhalten um uns verbale Schläge abzuholen. Ich für meinen Teil sehe keine persönliche Beleidigung, da ich nur positives von meinen Schülern über mich höre und auf diversen Internetportalen auch positiv bewertet wurde. ABER: liest man die Äußerungen von Schülern, dann wird einem Angst und Bange. Jeder "Volldepp" kann hier eine Drohung gegen Lehrer aussprechen, die dann noch von dem Bundesgerichtshof gedeckt und geschützt wird, mit der Äußerung, die Bewertungskriterien auf einem speziellen Bewertungsportal für Lehrer seien hilfreich für Eltern (was für ein ausgemachter Quatsch!!!) und auch für Schüler (???), würden zu mehr Transparenz und Interaktion sowie Kommunikation führen. Ich hab selten von einer staatlichen Instanz (Beamte?) so einen ausgemachten Blödsinn gehört. Die Kriterien, die von offensichtlich spätpubertierenden Jungs (wer ist hier "menschlich"?) aufgestellt wurden, bewegen sich auf einer rein plakativen Ebene und bewerten den Menschen und nicht den Lehrer. Und dort sollte man sich fragen: Welcher Lehrer schreibt in einem Zeugnis über einen Schüler, dass er unmenschlich sei und eben nicht cool und schon gar nicht witzig? Schließlich haben auch wir Lehrer ein Recht auf Spaß - oder nicht? Sollte der Beruf nicht Spaß machen? Aber da sitzt die Gesellschaft den Lehrern im Nacken und statt sie zu stärken werden sie abgeschossen. Und da wunderts niemanden, wenn viele mit 50 den Dienst quittieren und (wenn sie Beamte sind) Frührente kassieren. Denn wer hat Lust, ständig im Kreuzfeuer zu stehen?
Nachtigall, ick hör dir trapsen...
ich glaube nicht, dass beleidigende und diffamierende aussagen im begriff 'bewertungen' mit abgedeckt sind. allerdings muss ich mich fragen: was haben die lehrer und eltern ihren schülern/kindern beigebracht, dass sich die nicht besser ausdrücken können, als durch beleidigungen und fäkalsprache, eine derartige 'kritik' verpufft leider. eine gut abgefasste kritik kann doch viel bösartiger sein (und macht mehr spass) als dieser frustgeborene, belanglose haufen von beleidigungen. schade.
Einige der Zitate sind sicherlich extrem daneben, aber solche Aussagen lagen bei spickmich.de, um die es bei dem Urteil geht, anscheinend nicht vor. Und es ist ja auch kein endgültiges Urteil, es ging nur darum, daß einer einstweiligen Verfügung gegen spickmich.de nicht stattgegeben wurde. Verhandelt wird der Falll noch vor dem Landgericht Köln. Sollte dann nachgewiesen werden, daß auf spickmich auch solche Beleidigungen abgelassen werden und daß nichts dagegen unternommen wird, wird es garantiert eine Strafe geben. In dieser Hinsicht hat sich die Rechtslage ja auch für Forenbetreiber in letzter zeit drastisch verschärft.
Es ist richtig und auch notwendig, Lehrkräften Rückmeldung (="feedback") zu geben. Das heißt aber sachliche Kritik und nicht an der Person! Das ist m.E. schon für Erwachsene nicht immer einfach, für Heranwachsende (vor allem im Gefühlschaos der Pubertät) gilt dies um so mehr.
Aber anonym im Internet derartige Kommentare abzugeben, wie im Artikel aufgeführt, geht eindeutig zu weit! Das ist nur feige und zeugt von fehlender sozialer Kompetenz! Die wurde vom Elternhaus nicht vermittelt! Und häufig wird von den Eltern das Verhalten der eigenen Sprößlinge nicht kritisch hinterfragt.
Es ist auch einfacher, die Schuld den Lehrern zuzuschieben. Dass man auch selbst dazu beiträgt (zu wenig oder falsch gelernt), kommt diesen Schreiberlingen aber nicht in den Sinn.
Ich habe vor 20 Jahren die Schule verlassen und natürlich haben sich viele Dinge in dieser Zeit geändert. Auch ich hatte Knatsch mit Lehrkräften. Aber dann muß man versuchen, sich mit diesen sachlich auseinanderzusetzen (man kann ja auch einen Schülersprecher oder Vertrauenslehrer hinzuziehen). Und welche überraschung: In den meisten Fällen wurden Lösungen zur beiderseitigen Zufriedenheit gefunden! Eine Kursleiterin, die bei den meisten Schülern alles andere als beliebt war, habe ich einfach konkret unter vier Augen auf ihre Notenvergabepraxis angesprochen. Und es hat sich gelohnt (nicht nur für mich).
Redet also nicht übereinander, sondern sprecht miteinander!
PS: Ich wollte eigentlich auch einmal Lehramt studieren. Ich bin froh, dass ich es nicht getan habe!
Man könnte doch eine Website aufmachen, in der Prozessbeteiligte ihre ungeschminkte Meinung über Richter, Staatsanwälte und Anwälte kundtun dürfen. Mal sehen, wie lange die offen bliebe.
Oder die Lehrer machen eine Website auf, in der sie sich über einzelne Schüler mokieren? Oder vielleicht auch Tipps austauschen, wo die Schüler Schwachpunkte haben? Wer neigt zum Spicken? Wer schwärzt Klassenkameraden an? Wäre auch freie Meinungsäußerung, und würde den Kollegen Informationen verschaffen.
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