Internet-Auktion Im Dauerfeuer guter Ratschläge

Die "Ebay-University" schult Händler und Käufer in der Kunst des virtuellen Versteigerns.

Von Von Bernd Graff

Ein restlos gefüllter Hörsaal im Klinikum Großhadern. Das Auditorium folgt gebannt dem Bericht der Vortragenden. Es ist das vierte von sechs jeweils einstündigen Referaten an diesem langen "University"-Samstag. Doch im Saal ist keine Ermüdung feststellbar. Im Gegenteil: Wieder einmal hat es ein Redner geschafft, das Publikum zu fesseln. Das kann unmöglich nur an den Referenten liegen - das liegt vor allem am Thema.

"Ebay-University" sind die eintägigen Schulungsveranstaltungen des Internet-Auktionshauses betitelt. Die Münchner Veranstaltung ist die elfte dieser Art. Etwa 450 Menschen sind aus allen Teilen Deutschlands und sogar aus Österreich und der Schweiz zusammen gekommen, um sich einen Tag lang in zentralen Fragen des Auktions-Handels über das Internet beraten zu lassen. Dazu konnten sich die Teilnehmer in zwei Kategorien einschreiben: als Einsteiger und als fortgeschrittene Ebay-Händler.

"Behandle deine Passwörter wie deine Zahnbürste"

Das Einsteigerprogramm für 30 Euro verzichtet zwar weitgehend auf Referate von Praktikern, vermittelt aber mehr als nur Grundwissen zum Thema Kaufen und Verkaufen im Internet. Man erhält Hintergrundinformationen zur erstaunlichen Geschichte des Unternehmens, pfiffige Tipps und auch ein paar Binsenweisheiten - etwa: "Behandle deine Passwörter wie deine Zahnbürste: Benutze sie täglich, wechsle sie regelmäßig und teile sie nicht mit deinen Freunden!"

Dennoch sollte man die Seminargebühr in Höhe von 60 Euro für das Fortgeschrittenenseminar investieren. Denn außer den formidablen Referenten lernt man hier halb- und vollprofessionelle Kommilitonen kennen, die auf dem Sprung sind, sich als "Ebayaner" selbständig zu machen und deshalb fast ebenso spannend wie die Dozenten von den Fallstricken des virtuell angebahnten Tauschens berichten können. Die Seminarunterlagen beinhalten die gut strukturierten Vorträge und sind auch später noch taugliche Gedächtnisstützen. Dennoch schreibt man vieles mit. Weil das, was unmittelbar an Praxiswissen vermittelt wird, zumeist off topic daherkommt - etwa als Randbemerkung oder als Antwort auf eine der zahlreichen spontanen Fragen aus dem Auditorium.

Im Netz ungeahnter Möglichkeiten

Highlights der Münchner Veranstaltung waren neben den eher nüchternen Informationen zu steuerlichen Pflichten und rechtlichen Grundlagen von Online-Auktionen und einer etwas drögen Präsentation von professioneller Verkaufssoftware ("Turbo Lister") die Referate von Alex Schaffer und Marion von Kuczkowski. Schaffer, Inhaber einer Antiquitätenhandlung, der den Online-Handel als zweites Standbein betreibt, weist eindringlich auf die Notwendigkeit professioneller Vorbereitung und strategischer Planung eines ernsthaften Ebay-Engagements hin und wird nicht müde, seinen Zuhörern die Dringlichkeit eines kontinuierlichen Zeit- und Kostenmanagements nahe zu bringen.

Dagegen präsentiert Marion von Kuczkowski ihrem Publikum den Internet-Handel als ein Land immer noch ungeahnter Möglichkeiten und Freiheiten. Ihre kaufmännischen Aktivitäten bieten tatsächlich Stoff für viele Businesspläne, die Spannbreite ihres Wirkens beeindruckt: Sie vertreibt Schmuck, Möbel, Kleidung und Autos. Aber auch sie weist darauf hin, dass das Online-Geschäft eigenen Spielregeln gehorcht, die perfekt beherrscht werden müssen.

Einzig störend - und vermutlich auch nicht abzustellen: Dem Auditorium steht es frei, jederzeit Fragen an die Referenten zu richten. Davon wurde in München so nachhaltig Gebrauch gemacht, dass mancher Vortrag nur in einem gehetzten Parforce-Ritt zu Ende gebracht werden konnte.