Ein Titel als Verpackung

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Auch in Polen sind Titel sehr beliebt, und damit sind nicht nur akademische gemeint. Hier sagt man: "Guten Tag, Herr Geschäftsführer!" Wenn man den Titel nicht kennt, nimmt man am besten trotzdem "Herr Doktor" oder "Herr Ingenieur". Dasselbe gilt für Portugal, Spanien und Lateinamerika. In Russland geht es familiärer zu: Die typische Anredeform besteht aus Vornamen und Vatersnamen. Heißt der Gesprächspartner Sergej und sein Vater Iwan, lautet die Anrede: "Sergej Iwanowitsch".

In Japan macht man auf Understatement: Je weniger Titel hier auf einer Visitenkarte stehen, desto wichtiger ist ihr Besitzer. Wenn nur der Name aufgedruckt ist, sollte man den Gesprächspartner kennen. Respekt bekundet der Japaner in Verbeugungen, deren Codierung so nuanciert ist, dass ein Europäer lieber darauf verzichten sollte - er wird eh nicht im richtigen Winkel umknicken.

Der Titel ist die Verpackung, von der man auf den Inhalt schließt. Wer in arabischen Ländern Geschäfte macht, sollte darauf achten, immer den Kontakt zu Gleichrangigen zu suchen. Ein CEO sollte den CEO treffen, ein Assistent den Assistenten. Mit einem Höherstehenden verhandeln zu wollen, wird als schlimme Beleidigung aufgefasst. göri

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  1. Herr Magister Wichtig
  2. Sie lesen jetzt Europäer im falschen Knick-Winkel
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(SZ vom 30.6.2009/bön)