Von Martin Thurau, Christine Burtscheidt

Die besten Jungakademiker wandern aus, weil im Ausland die Bedingungen deutlich besser seien, klagen Forschungspolitiker. Sechs Rückkehrer ziehen Bilanz: Wie attraktiv sind deutsche Unis im internationalen Vergleich?

Es ist eines der Lieblingsthemen deutscher Forschungspolitiker und nicht zuletzt Anlass für die Elite-Diskussion an bundesdeutschen Universitäten: der viel beschworene Brain Drain. Die besten Jungakademiker, so lautet die Klage seit mehr als einem Dutzend Jahren, wanderten hauptsächlich in die USA ab, weil dort die Bedingungen für Forschung und Lehre deutlich besser seien als an den überlasteten und finanziell kurzgehaltenen deutschen Hochschulen. Kaum einer der Nachwuchswissenschaftler aber komme zurück - ein stetiger intellektueller Aderlass.

Kommt zurück: Die Politik wirbt um deutsche Wissenschaftler im Ausland.

Kommt zurück: Die Politik wirbt um deutsche Wissenschaftler im Ausland. (© Montage: sueddeutsche.de)

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Nun aber werben Universitäten hierzulande mit ihren Bemühungen um eine Trendumkehr und sehen erste Erfolge als besonders stichhaltiges Indiz für Qualität und internationale Konkurrenzfähigkeit. Wie also steht es an den Münchner Universitäten?

TU-Präsident Wolfgang Herrmann spricht von den guten Ergebnissen einer "Brain-Gain-Offensive", die seine Hochschule vor zwei Jahren gestartet habe. In jüngster Zeit sei es in der Tat gelungen, eine ganze Reihe von ausgezeichneten Wissenschaftlern zurückzuholen - selbst von angelsächsischen Eliteschmieden wie Cambridge, Harvard oder der Johns Hopkins University in Baltimore. Laut TU sind es knapp ein Dutzend seit 2005, etwa 15 Prozent aller erfolgreichen Rufe.

Mit Geld aus "hochschulinterner Disposition" und Beiträgen aus dem Fundraising, sagt Herrmann, habe man die materiellen Voraussetzungen für diesen Erfolg im internationalen Wettbewerb schaffen können. Vor allem aber habe man dabei gezielt nach guten Kandidaten gesucht und dies nicht mehr langwierigen Berufungsverhandlungen überlassen.

Ähnlich äußert sich Bernd Huber, Rektor der Universität München (LMU). Er spricht von einer "proaktiven Berufungspolitik" und einem "gezielten Scouting", nach Forschern in aller Welt, die zum Profil der Hochschule passten. Man müsse die alte "Mechanik" außer Kraft setzen, nur nach der Besetzung für eine vorhandene Stelle zu suchen.

Auch die LMU habe Forscher von hoch renommierten Hochschulen, aus London, Cambridge und Zürich etwa, zurückholen können. Andere Wissenschaftler habe sie von einem Wechsel an solche Orte abhalten können. Insgesamt handele es sich um knapp 20 Fällen in den vergangenen 18 Monaten, rund 20 Prozent aller erfolgreichen Rufe und Rufabwendungen. Die SZ befragte sechs akademische Remigranten, erfolgreiche Forscher, was für eine Rückkehr spricht und was nicht.

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(SZ vom 30.8.2006)