Inhalte des Bachelor-Studiums Die Spezialisierung kommt zum Schluss

Wären Studiengänge aber tatsächlich nur so schmalspurig, wie die einen fürchten und die anderen hoffen - also so auf einen Aspekt festgelegt, dass es an Grundlagen fehlt -, hätten sie kaum eine Genehmigung bekommen. Die mit der Lizenzierung beauftragten Akkreditierungsagenturen mischen sich zwar nicht in die inhaltliche Ausgestaltung eines Studiengangs ein, prüfen aber dessen Qualität und Relevanz. Manchmal genehmigen sie einen Studiengang nur unter Auflagen, weil etwa Lehr- und Lernformen nicht optimal sind oder es an praxisnahen Elementen fehlt. Auch solche Details lassen sich in der Datenbank des Akkreditierungsrates nachlesen.

Ohne Grundlagen geht es nicht, auch wenn das Fachnoch so exotisch klingt.

(Foto: dpa)

Berater halten es zudem für sinnvoll, den Lehrplan des angestrebten Faches mit denen verwandter Studiengänge zu vergleichen, etwa Luft- und Raumfahrttechnik mit Maschinenbau. Die Unterschiede sind oft so marginal, dass es für jemanden, der Interesse und zudem gute Noten mitbringt, keinen Grund gibt, sich derart frühzeitig auf ein kleines Gebiet festzulegen.

Mit einer breiteren Fächerung kann man sich alle Optionen offenhalten und eine Spezialisierung erst nach dem Bachelor anpeilen. Zudem sind viele Branchen konjunkturabhängig. So kann etwa die Automobilindustrie nicht unbegrenzt Interior Designer aufnehmen, und die Fitness- und Wellness-Branche braucht manchmal Kunden dringender als Manager.

Unbestritten ist allerdings, dass es auch dringend notwendige, auf bestimmte Branchen zugeschnittene Ausbildungen gibt: Versicherungsmanagement ist nur ein Beispiel, zahlreiche duale Studiengänge liefern weitere. Wenn allerdings mit der konzentrierten Hochschulausbildung die Nähe zum Arbeitgeber wie beim Dualen Studium schon angelegt wird, müssen sich Studenten kaum Sorgen um ihre beruflichen Perspektiven machen. Auch viele Hochschulen bieten eben Studiengänge an, die zwar nicht direkt mit Firmen verknüpft sind wie beim Dualen Studium, aber zur Gegend passen, so etwa Qualifizierungen für die Automobilbranche im Stuttgarter Raum, in dem unter anderem die großen Autokonzerne Daimler und Porsche angesiedelt sind.

Wenn solche Bedingungen nicht gegeben sind, hängt die Frage, ob eine Spezialisierung schon im Bachelor sinnvoll ist, von der Persönlichkeit und den Erfahrungen des Einzelnen ab: Bringt jemand eine besondere Leidenschaft für ein Fach mit, kann man schwer von einer starken Spezialisierung abraten - weder von einem neuen exotisch wirkenden Studiengang noch einem traditionellen aber selten gewählten Fach wie Paläontologie, Mineralogie oder Hydrologie. Wenn jemand bereits berufliche Erfahrungen gesammelt hat und den Bachelor zur Weiterbildung nutzen will - wie "BWL für Spitzensportler" und "Management für Kindertagesstätten", ist die Entscheidung hingegen stimmig. Solche Interessenten brauchen Spezialisierung nicht scheuen.

Ansonsten scheint es der bessere Rat zu sein, mit Grundlagen einzusteigen. "Ein breites Fundament ist besonders wichtig für Leute, die sich noch finden müssen", erklärt Beraterin Susanne Kühn. Ist das geschafft, gibt es immer noch den Master.