Ingenieure an der Uni Liebeserklärung an den deutschen Dipl.-Ing.

Master hin, Bachelor her: Die Technischen Universitäten in Deutschland wollen am Diplomtitel festhalten.

Von Tanjev Schultz

Die großen Technischen Hochschulen in Deutschland beharren darauf, ihren Ingenieurstudenten auch in Zukunft den Titel "Dipl.-Ing." zu verleihen. Der Verband der neun größten Technischen Universitäten (TU9) kritisiert scharf, dass mehrere Landeshochschulgesetze ausschließen, den Absolventen von Master-Studiengängen den Diplom-Grad zuzusprechen.

Österreichische Sonderregelung

Diese Rechtsauffassung zur europäischen Studienreform (dem sogenannten Bologna-Prozess) sei "falsch", wie ein Blick in andere Staaten belege, heißt es in einer Erklärung der TU9. In Österreich beispielsweise lege ein Bundesgesetz fest, dass Master-Studiengänge bei Ingenieuren durchaus auch weiterhin mit dem "Diplom" abgeschlossen werden könnten.

Die Präsidenten und Rektoren der TU9 fordern nun das gleiche Recht in Deutschland. Das Diplom sei ein "Markenzeichen deutscher Ingenieurausbildung" und müsse im neuen, gestuften Studiensystem erhalten bleiben: "Es wäre ein großer Schaden, diese Marke aufzugeben." Zu den TU9 gehören die Technischen Universitäten in Aachen, Berlin, Braunschweig, Darmstadt, Dresden Hannover, Karlsruhe, München und Stuttgart. Von Anfang an hatten sich die Ingenieurwissenschaftler gegen die neuen Bachelor- und Master-Abschlüsse gesträubt, das gestufte Studiensystem mit "Modulen" und zwei Studienphasen mittlerweile jedoch eingeführt.

Wenig Änderungen

Gleichwohl wollen die Ingenieure nun zumindest noch am Namen "Diplom" anstelle oder ergänzend zum neuen "Master" festhalten.

Unterdessen hat das Institut für Hochschulforschung in Wittenberg einen Vergleich von Studiengängen vor und nach der Bologna-Reform vorgelegt. Exemplarisch untersucht wurden das Ingenieurfach Maschinenbau, die Soziologie und Chemie, jeweils an den Unis in Bochum, Chemnitz und Erlangen-Nürnberg.Ein Ergebnis: "Im Maschinenbau sind die wenigsten Änderungen festzustellen; es bestehen durchgängig verbreitete Vorbehalte gegenüber der Reform."

Chance vertan

Die Gestaltung der Bachelor-Phase werde erschwert durch die von der Politik verlangte Ausrichtung auf Berufsqualifikationen. Im Maschinenbau müsse dabei das Gewicht und Verhältnis von Grundlagen- und Technikausbildung geklärt werden. Die Position vieler Professoren in den Ingenieurwissenschaften ist dabei längst klar: Sie halten Bachelor-Absolventen in ihrem Fach ohnehin für wenig berufstauglich und empfehlen dringend, noch den Master beziehungsweise das Diplom zu erwerben.

Wie die neue Fallstudie bilanziert, ist die Studienreform kaum für eine grundlegende inhaltliche oder didaktische Erneuerung genutzt worden. Damit sei eine "Chance vertan" worden, schreiben die beiden Autoren Martin Winter und Yvonne Anger.

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