Angestellter zeigt Kündigung im Netz "Fühlt sich gut an, es meinem Chef heimzuzahlen"

"Sie behandeln uns wie Dreck": Überlange Arbeitszeiten und tyrannische Chefs - ein 23-jähriger Hotelangestellter in den USA wollte sich das nicht mehr gefallen lassen. Bei seiner Kündigung ließ er es richtig krachen und stellte ein Video davon ins Netz. Mit sueddeutsche.de sprach er über den Kampf gegen miese Arbeitsbedingungen, Rachegefühle und die Reaktion seines Ex-Arbeitgebers.

Interview: Barbara Galaktionow

Joe "Joey" DeFrancesco hat gekündigt - und alle Welt kann sehen wie. In einem vor wenigen Tagen bei YouTube eingestellten Video begleitet die Kamera den 23-Jährigen bei dieser Aktion. Zunächst erläutert er vor dem Hotel Renaissance in Providence, Rhode Island, das zur Marriott-Gruppe gehört, seine Absicht. Er habe dreieinhalb Jahre in dem Hotel gearbeitet. Nun werde er hineingehen, um zu kündigen, denn - leicht geschönt übersetzt: "Sie behandeln uns wie Dreck hier." Dann setzt er sein Vorhaben in die Tat um - im wahrsten Sinne des Wortes mit Pauken und Trompeten, denn seine Brass Band begleitet ihn. Im Gespräch mit sueddeutsche.de erläutert Joey, was ihn zu seiner spektakulären Kündigung trieb und ob er jetzt Angst haben muss, nie wieder einen Arbeitsplatz zu finden.

sueddeutsche.de: Sie haben Ihren Job gekündigt, diesen Vorgang gefilmt und bei YouTube eingestellt. Wie fühlen Sie sich?

Joe DeFrancesco: Es fühlt sich wirklich großartig an. Wissen Sie, ich verabscheue den Vorgesetzten wirklich, dem ich im Video die Kündigung übergebe. Er hat mich mit solcher Geringschätzung behandelt. Es fühlt sich einfach gut an, ihm das auf diese Art in gewisser Weise heimzuzahlen.

sueddeutsche.de: Wo genau haben Sie denn gearbeitet?

DeFrancesco: Ich habe im Marriott Renaissance Hotel in Providence, Rhode Island, gearbeitet, ich war dort im Zimmerservice beschäftigt, habe also Essen und Getränke auf die Zimmer gebracht.

sueddeutsche.de: Warum verdient es das Hotel Ihrer Ansicht nach, in dieser Weise als schlechter Arbeitgeber bloßgestellt zu werden?

DeFrancesco: Es geht nicht bloß um mich. Die Arbeitsbedingungen waren grundsätzlich miserabel. Manchmal hat man um fünf Uhr morgens angefangen und dann zwei oder drei Schichten gearbeitet - zum Teil ist man erst nach Mitternacht wieder herausgekommen. Eine Zeit lang hat das Hotelmanagement illegal das Trinkgeld der Angestellten einkassiert. Die Zimmermädchen (Housekeeper) mussten oft 16, 17 oder sogar 18 Zimmer in nur neun Stunden saubermachen. Wenn sie das nicht geschafft haben, wurden sie niedergemacht. Sie wurden richtig angeschrien - zum Teil täglich. In der Service-Industrie in den USA wird derzeit verstärkt versucht, Gewerkschaften zu etablieren - denn in diesem Wirtschaftszweig können Arbeitgeber nicht mit Abwanderung ins Ausland drohen. Auch wir haben versucht, uns gewerkschaftlich zu organisieren, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Folge war, dass das Hotel Mitarbeiter aus vorgeschobenen Gründen gefeuert hat. Viele meiner Freunde wurden vor die Tür gesetzt. Auch ich wurde schikaniert: Manchmal haben sie mir Schichten weggenommen, so dass ich nur eine Schicht in der Woche hatte - die nächste Woche musste ich dann plötzlich acht Schichten abrackern.

sueddeutsche.de: Die Veröffentlichung des Videos ist also auch ein politisches Statement?

DeFrancesco: Definitiv. Sicher, das Video ist witzig, ein bisschen albern vielleicht - aber nicht nur, es ist mehr als das. Ich versuche klarzumachen, dass man mit Konsequenzen rechnen muss, wenn man seine Arbeitnehmer nicht anständig behandelt.