Homeoffice in Deutschland Wenn Präsenz wichtiger ist als Performance

Deutsche Firmen setzen zu selten auf das Homeoffice, obwohl die technischen Möglichkeiten längst vorhanden sind. Muss deswegen ein Gesetz her?

Kommentar von Guido Bohsem

Es gibt eine Reihe von Gründen, die gegen das Homeoffice sprechen können. So gibt es Jobs, bei denen man einfach im Betrieb sein muss. Wer bei BMW oder Daimler Autos zusammenschraubt, kann das nicht zu Hause erledigen. Wer Verkäufer im Supermarkt ist, kann sich nicht in der heimischen Küche an die Kasse setzen. Gegen das Homeoffice können auch technische Gründe sprechen - etwa, dass der Mitarbeiter zu Hause keinen ordentlichen Internetanschluss hat oder die notwendigen Gerätschaften einfach nicht von der Firma mit in die Wohnung genommen werden können.

Für einen erheblichen Teil der Arbeitnehmer in Deutschland wird es auch in Zukunft keine Aussicht auf Homeoffice geben. Sie müssen an jedem Werktag an ihrem Arbeitsplatz auftauchen. Für den größeren Rest der Arbeitnehmer hingegen gilt das nicht. Wer zum Beispiel ohnehin meist am Computer arbeitet, kann das in der Regel auch anderswo erledigen. Die immer besseren technischen Möglichkeiten, die fortschreitende Vernetzung, die Digitalisierung sorgen dafür, dass beinahe jeder jederzeit erreichbar ist. Die deutsche Wirtschaft muss sich daranmachen, dieses Potenzial zu heben.

Na, faulenzen Sie auch zu Hause?

In den Niederlanden ist das Recht auf Homeoffice jetzt im Gesetz verankert. In Unternehmen hierzulande herrscht dagegen immer noch eine Präsenzkultur - und Heimarbeit wird sogar systematisch bestraft. Von Christina Waechter mehr ... Analyse

Fast alle Untersuchungen zeigen, dass Arbeitnehmer, die auch im Homeoffice arbeiten können, zufriedener sind und sich stärker mit ihrem Unternehmen identifizieren. Außerdem sind die Leute, die ihre Arbeit zu Hause erledigen, in der Regel ausdauernder als die Büro-Kollegen - und hängen im Zweifel auch schon mal eine Überstunde dran.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren

Dem Homeoffice-Arbeiter drohen auch keine besonderen gesundheitlichen Gefahren. In der Regel ist er genauso fit oder malade wie seine Kollegen im Betrieb - auch ohne große Sicherheitsprüfungen durch die Berufsgenossenschaft und DIN-genormtes Büromobiliar. Von wegen Entgrenzung der Arbeit: Der Vorteil, die Familie öfter zu sehen und mitzukriegen, was die Kinder tagsüber so machen, wiegt die erzwungene Vermengung von Privatem und Beruflichem bei Weitem auf.

Sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber profitieren. Win-win. Der Chef freut sich über die bessere Leistungsbereitschaft und -fähigkeit, und der Mitarbeiter freut sich über eine deutlich gestiegene Lebensqualität.