Selbst mit einem Abi-Schnitt von 1,3 ist Bewerbern in zulassungsbeschränkten Studiengängen ein Studienplatz an ihrer Wunsch-Uni nicht sicher.
(SZ vom 23.9.2003) Politiker und Professoren beklagen es gerne: Viel zu selten wagen sich Frauen an Naturwissenschaften heran. Sabine W. ist so ein Ausnahmefall. Sie fand an Physik und Mathematik nicht nur Gefallen, sondern wählte die Fächer auch als Leistungskurse. Im Sommer machte sie ihr Abitur an einem Würzburger Gymnasium. Nicht nur, dass es im Schnitt eine 1,3 war. Ausgezeichnet wurde sie auch für die beste Facharbeit in Physik von ihren Lehrern und der deutschen physikalischen Gesellschaft.
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Sabine W. beschloss darauf zu studieren. Humanmedizin sollte es sein, ein Numerus-clausus-Fach. Klar, dass sie sich sofort für einen Studienplatz bei der Zentralen Studienplatzvergabe in Dortmund (ZVS) bewarb. Am 15. Juli reichte sie die Bewerbung ein. Darauf war auch ihr bevorzugter Studienort notiert: die Universität Regensburg. Mit einer 1,3 - dachte sie - dürfte das wohl auch kein Problem sein. Vor gut einer Woche erhielt sie nun den Bescheid. Ein Studienplatz ist ihr sicher, allerdings an der Universität Frankfurt. Angeblich, teilte man ihr mit, sei der bundesweite Andrang auf bayerische Hochschulen so groß, dass sie mit ihrem Abi-Schnitt zu schlecht gewesen sei. Leistung zählt, und Ausdauer
Wie Sabine W. ergeht es zurzeit etlichen bayerischen Studenten. Ulrich Martzinek sind die Beschwerden bekannt. Häufig rufen bei dem Regensburger Studienberater in jüngster Zeit die aussichtslosen Bewerber an. Er führt ihren Ärger auf Regularien der ZVS zurück.
Die Studienplätze werden von der ZVS vor allem nach Leistung und auch nach Wartezeit verteilt. Bei Ersterem orientiert sich der prozentuale Anteil der Studienplätze, den ein Land zugeteilt bekommt, an der Höhe seiner Abiturientenquote. Und die ist in Bayern mit 19 Prozent vergleichsweise niedrig. Bewerben sich also zehn Prozent der Abiturienten aus Mecklenburg-Vorpommern für Humanmedizin und nur acht Prozent aus Bayern, werden für die ostdeutschen Studenten zehn Prozent und für die süddeutschen nur acht Prozent der Studienplätze reserviert.
Immer wieder das Abi
Das Problem hat sich laut Martzinek nochmals verschärft, seit den Hochschulen nun 25 Prozent der ZVS-Plätze überlassen werden, die sie nach eigenen Kriterien vergeben können. Sie sollten dafür Auswahlgespräche und Eignungstests nutzen, tun das aber kaum, weil es für sie zu aufwendig ist. Die Plätze gehen somit an die ZVS zurück, und werden wiederum nur nach Abiturnoten vergeben. Das Herkunftsland spielt keine Rolle mehr.
Weil es aber nun einmal für bayerische Schüler - bei allem Lob auf das hohe Niveau des Zentralabiturs - schwerer ist, eine 1,0 zu erhalten, kommen sie wieder nicht zum Zuge. Martzinek findet das neue Verfahren somit schlechter. "Es spielt der Wagheit der Notengebung in die Hände."
Noch ungerechter wird es seiner Meinung nach werden, wenn die Unis demnächst noch mehr über die Studienplätze entscheiden dürfen. Wie wäre es aber, wenn die Hochschulen ihr Recht auf Auswahl endlich nutzten? Dann kämen auch bayerische Studentinnen mit einer Begabung in der Naturwissenschaft zum Zug.
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