Daran ist zunächst einmal nicht viel zu beanstanden: Forschung vermehrt sich wie alles Lebendige (auch) durch Ausbreitung. Nur bedeutet es eine Verkennung der Sachlage, wenn man solche Außenfinanzierung als Indikator für Qualität oder Exzellenz nimmt und extra belohnt. Münch plädiert dafür, Mittelzuweisungen für Forschung nur noch von Publikationen und nicht mehr von der Einwerbung von Drittmitteln abhängig zu machen.

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Unbedingt zuzustimmen ist auch seiner Forderung, die Etats zugunsten der Grundmittel umzuschichten, die Kürzungen bei den regulären Stellen zurückzunehmen und eine Vergrößerung des Mittelbaus durch befristete Mitarbeiterstellen und Juniorprofessoren vorzunehmen. Ja, Münch regt an, eine komplette Junior Faculty neben der Gruppe der Lebenszeitprofessoren aufzubauen.

Wenn Münch nicht gerade Zahlen umbucht, gebraucht er Worte wie Forschungssklaven, Forschungsmanager, Forschungsdarsteller, Oligarchien, Monopole, Kartelle, mafiöse Strukturen, beobachtet oder prognostiziert er ein "Massensterben von wissenschaftlicher Kreativität", schreibt er: "Forschung ist allein noch an der Erfüllung der zentral definierten Kennziffern ausgerichtet . . . An die Stelle eines offenen Marktes ist ein zentral verwaltetes System der Forschung, eine Art totalitäres Überwachungssystem nach dem Muster der Sowjetunion getreten." Solche Töne hört man von deutschen Lehrkanzeln selten!

Es ist unmöglich, die Vielzahl der Angriffspunkte und Vorschläge des langen und oft redundanten Buches zu würdigen. Zusammengezuckt sind wir zuerst bei dem Vorschlag des Wissenschaftsliberalen Münch, die DFG müsse zerschlagen und in mehrere konkurrierende Organisationen aufgeteilt werden, aber dann haben wir daran gedacht, wie sakrosankt die Stellung der Telefonmonopolisten war und was daraus geworden ist.

Problematisch finden wir, dass das Buch von einem Grundwiderspruch zerrissen ist. Der Autor möchte die Rechnungshoheit zurückgewinnen, zweifelt aber grundsätzlich am Aussagewert von Zahlen.

Einerseits weiß Münch, dass sich wissenschaftliche Leistung nicht in Kennziffern erfassen lässt. Andererseits rechnet er uns mit großem Einsatz vor, wie man es richtiger machen und gerechter bewerten könnte. Einerseits bedauert Münch die Verkannten und Zukurzgekommenen, andererseits sagt er selbst, dass Drittmittel keine Garantie für kreative Forschung sind, ja diese oft verhindern. Einerseits weiß Münch, dass in den Wissenschaften, auch in den Hard Sciences, Menge nicht wirklich zählt. Andererseits verwendet er die meisten Untersuchungen auf den Nachweis, dass Drittmittelforschung nicht notwendig zu mehr Publikationen führt.

Der Freund der Qualität sei hierzu an Einstein erinnert, der auf die Mitteilung, dass 100 deutsche Wissenschaftler seine Theorien für falsch erklärt hätten, antwortete: "Warum 100? Einer hätte doch gereicht."

Dennoch: Das ist ein Buch, für das wir höchst dankbar sein müssen. Die Bamberger Soziologie schneidet im Vergleich mit anderen Standorten, München etwa, beim Ranking von CHE und Zeit sehr gut ab. Von fünf Ampeln (für fünf Bewertungskategorien) leuchten zwei grün. Wir möchten, dass die Zahl sofort auf fünf erhöht wird. Und wir halten hier fest, dass uns in Franken ein neuer Hans Sachs erstanden ist, ein Meister, der den Beckmessern unserer "Evaluationsgesellschaft" (Münch) die Worte entgegenschleudert: "Wollt ihr nach Regeln messen, / was nicht eurer Regeln Lauf / der eignen Spur vergessen, / sucht davon erst die Regeln auf."

RICHARD MÜNCH: Die akademische Elite. Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007. 474 Seiten, 15 Euro.

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(SZ vom 18.7.2007)