Von Wolfgang Kemp

Zerschlagt die DFG! Hört auf, München zu bevorzugen! Verschont uns mit Kennziffern: Richard Münch attackiert die gegenwärtige Hochschulpolitik.

Die Franken sind, wenn man es genau betrachtet, die Palästinenser Deutschlands. Ein Volk, das nicht ein Staatsgebiet sein Eigen nennt wie die Sachsen und es sich auch nicht mit einem anderen teilen darf wie die Württemberger und die Badener, respektive Schwaben und Alemannen. Die Mittel der fränkischen Intifada sind zum Glück andere und erfolgreicher als die ihrer Genossen im Nahen Osten - siehe zuletzt den Aufstand der Fürther Landrätin Pauli. Oder jetzt Richard Münch und sein Buch "Die akademische Elite", von dem wir annehmen, dass es zur Grundausrüstung aller in Forschung und Lehre engagierten Kräfte gehören wird, die sich von der Reformwalze noch nicht haben plattmachen lassen. Erkennen wird man sie an dem gefürchteten Schlachtruf: "Münch aber hat eine ganz andere Rechnung aufgemacht ..."

Zerschlagt die DFG! Hört auf, München zu bevorzugen! Verschont uns mit Kinnziffern: Richard Münch attackiert die gegenwärtige Hochschulpolitik.

4100 Wissenschaftler werben pro Kopf 28,4 Tausend Euro DFG-Mittel ein: TU München. (© Foto: AP)

Anzeige

Münch ist Soziologie-Professor in Bamberg, also an einer jener fränkischen Hochschulen, die in den sechziger, siebziger Jahren neu gegründet wurden, und die allesamt einen guten Ruf haben, ja auf einigen Gebieten Außerordentliches leisten.

In Wissenschaftlerkreisen ist das wohlbekannt, aber in der für Franken zuständigen Hauptstadt, die Münch beharrlich Standort oder auch Großstandort nennt, favorisiert man eine andere Hochschulregion: "Die von der bayerischen Forschungspolitik forcierte herausgehobene Stellung des Standorts München ist maßgeblich dem größeren Personaleinsatz geschuldet und schlägt bei einer Umrechnung auf das eingesetzte Personal ins Gegenteil um. Der Standort München erweist sich im Vergleich zu den Konkurrenten als weniger effizient arbeitende Einrichtung. An der LMU (Ludwig-Maximilians-Universität) werben nicht weniger als 5129 Wissenschaftler pro Kopf 22,8 Tausend Euro DFG-Mittel ein, an der TU München 4100 Wissenschaftler pro Kopf 28,4 Tausend Euro, in Würzburg jedoch 2523 Wissenschaftler pro Kopf 35,8 Tausend Euro, in Erlangen-Nürnberg 3340 Wissenschaftler pro Kopf 28,6 Tausend Euro, in Bayreuth nur 934 Wissenschaftler pro Kopf 30 Tausend Euro."

Die Clustrophobie geht um

Das Zitat vermittelt einen guten Eindruck von der Natur dieses Buches, das "cum ira et studio" geschrieben wurde. Der "cum studio"-Anteil beruht auf einem umfangreichen Zahlenwerk, auf übernommenen und selbstermittelten Daten, deren bisherige Auswertung kritisch überprüft wird. Es ist dies eine fundamentale Kritik des Versuchs, das letztlich Unmessbare, wissenschaftliche Leistung, nach Kennziffern zu bewerten und sie dementsprechend zu belohnen. Zum Beispiel durch die mit erheblichen Mittelzuweisungen verbundene Ernennung der Münchner LMU und TU zu Eliteuniversitäten.

Höher ließen sich Augenbrauen nicht ziehen, als dieses und andere Ergebnisse der ersten Runde der Exzellenzinitiative bekannt wurden, aber was damals als die übliche Resultante aus Zugkraft der Mächtigeren und Zufall erschien, sieht jetzt im Licht der ersten Gegenrechnung weiterhin fragwürdig, aber auf höherem Niveau fragwürdig aus (SZ vom 23. April).

In dem oben angeführten Zitat wird der rechnerische Haupthebel des Münchschen Ansatzes deutlich. Während das übliche Ranking-Verfahren Drittmittel auf Antragsteller, also Professoren bezieht, und danach Universitäten mit symbolischem und finanziellem Kapital belohnt, rechnet Münch mit einer Mittel-pro-Wissenschaftler-Ratio. Dieser Ansatz wird der Mechanik der Forschungsmittelanwerbung gerechter, denn es ist einfach so, dass mehr Mitarbeiter ihre Professoren besser bei Neuanträgen unterstützen können und selbst daran interessiert sind, dass zusätzliche Gelder ihre Weiteranstellung sichern.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Clustrophobische Ausbildungsdiscounter
  2. Clustrophobische Ausbildungsdiscounter
  3. Clustrophobische Ausbildungsdiscounter
Leser empfehlen