Erstmals gibt es zwei Millionen Studierende in Deutschland. Die Hochschulen sind für den Ansturm schlecht gerüstet.

Trotz zunehmend schlechterer Bedingungen an den deutschen Hochschulen hat die Zahl der Studenten in diesem Wintersemester einen neuen Rekordstand erreicht. "Erstmals sind über zwei Millionen Studierende eingeschrieben, so viele wie nie zuvor", sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, am Donnerstag in Berlin. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn äußerte sich zufrieden über die steigenden Zahlen.

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In Deutschland sind 87.000 Studierende mehr eingeschrieben als im Vorjahr, insgesamt 2,026 Millionen, wie Hahlen bei der Präsentation der Analyse zum "Hochschulstandort Deutschland 2003" sagte. Das entspreche einem Anstieg von 4,5 Prozent. Auch die Zahl der Studienanfänger habe im Studienjahr 2003/2004 einen neuen Höchststand erreicht. Rund 385.000 Menschen hätten sich neu eingeschrieben. Das seien sieben Prozent mehr als im Vorjahr.

Schlechtes Betreuungsverhältnis

Hahlen wies darauf hin, dass die Betreuungssituation sich deutlich verschlechtert habe: Kamen 1999 auf eine Lehrperson durchschnittlich 14,1 Studenten, waren dies 2002 rund 15. Die Zahl der Professoren stagniere seit 1994 bei 37.000. Insgesamt hätten die Hochschulen 28,6 Milliarden Euro im Jahr 2001 ausgegeben. Das seien zwar 32 Prozent mehr als 1992. Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei das aber "keine gravierende Steigerung": 1992 hätten die Hochschulausgaben einem Anteil von 1,3 Prozent des BIP, neun Jahre später von 1,4 Prozent entsprochen.

Die Studienanfängerquote beträgt nach Hahlens Worten knapp 40 Prozent. "Damit setzt sich der in den vergangenen Jahren zu beobachtende Anstieg weiter fort", sagte Hahlen. 1993 habe die Quote noch bei 25 Prozent gelegen. Nach einer OECD-Studie allerdings liege Deutschland bei den Studienanfängern immer noch im hinteren Bereich. Hier führe Neuseeland mit einer Studienanfängerquote von knapp 76 Prozent vor Finnland (72 Prozent), Schweden (69,3 Prozent) und Polen (66,8 Prozent).

Demos geplant

Bulmahn erklärte, jetzt gehe es darum, die Studienbedingungen zu verbessern und vor allem die hohe Studienabbrecherquote zu verringern. Sie warnte die Länder eindringlich davor, gerade im Bildungsbereich Mittel zu kürzen. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass es in erster Linie darum gehen müsse, Strukturveränderungen an den Hochschulen durchzuführen. Sie sagte, der Bund habe seine Ausgaben für Hochschulen von 1998 bis 2003 um über 23 Prozent gesteigert; die Länder um 13 Prozent.

Verhalten reagierte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter Gaehtgens, auf die Zahlen. "Noch nie haben so erfreulich viele junge Leute ein Studium aufgenommen und noch nie sind sie unter so schwierigen Vorzeichen angetreten", erklärte er. Es sei jedoch für die Bundesregierung nicht damit getan, junge Leute für ein Studium zu werben und steigende Anfängerzahlen zu feiern. Zusätzliche Studienanfänger könnten nicht zum Nulltarif ausgebildet werden. Die Ausgaben für den Hochschulbereich stagnierten aber seit Jahren.

Der frei Zusammenschluss von Studentenschaften kündigte für den 13. Dezember Demonstrationen gegen Bildungsabbau in Frankfurt/Main, Berlin und Leipzig an. Gleichzeitig seien auch in Frankreich, Österreich und in Italien Proteste geplant. Motto sei "Ihr nehmt uns unsere Zukunft!"

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(sueddeutsche.de/AP)